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Der Februar ist ein Monat, in dem sich Handballtrainer wie Paul Günther (TSG Oberursel) Gedanken über die nächste Saison machen müssen.

Handball, Hochtaunus

Trainer Paul Günther spielt Drittliga-Szenario für die TSG Oberursel durch

Die Oberurseler Handballerinnen führen wieder die Oberliga an. Würden sie dieses Mal aufsteigen? Wir haben nachgefragt.

Wenn die Handballerinnen der TSG Oberursel am Sonntag bei der HSG Bensheim/Auerbach II (16 Uhr) zu Gast sind, dann treffen die zwei Mannschaften der Oberliga aufeinander, die bisher ungern halbe Sache gemacht haben. Keines der beiden Teams spielte in dieser Saison unentschieden, gingen also entweder als Sieger oder Verlierer vom Platz. Während die Erstliga-Reserve aus Südhessen eine ausgeglichene Bilanz vorweisen kann (je sieben Siege und Niederlagen), ist die TSGO voll im Soll: Vier Misserfolgen stehen elf Siege gegenüber.

Diese Zwischenbilanz ergibt in der Tabelle den ersten Platz, der am Ende der Spielzeit zum Aufstieg in die 3. Liga berechtigen würde. Aber wäre Oberursel im Fall der Fälle auch so konsequent wie zuletzt auf dem Feld? Oder würde man vom Aufstiegsrecht Abstand nehmen, um weiterhin in der Oberliga zu verbleiben? So wie schon nach der vergangenen Saison geschehen?

Noch ist diesbezüglich nichts entschieden, wie Paul Günther erklärt. "Prinzipiell wollen wir schon hoch gehen, falls wir uns dafür qualifizieren würden", sagt der TSGO-Coach, "realistisch betrachtet müsste man dann aber in Frage stellen, ob wir in der 3. Liga eine schlagfertige Mannschaft hätten."

Genug Talent vorhanden, aber. . .

Das Talent spricht der frühere Zweitligaspieler seinem jetzigen Kader keinesfalls ab. Im Gegenteil. Günther erinnert gerne an den Auftritt gegen den TV Nellingen im DHB-Pokal im September. "Da haben wir einen Drittligisten 45 Minuten lang an die Wand gespielt, sogar mit 21:11 geführt", so Günther. Er ist sicher, dass seine Spielerinnen für einzelne Partien auf diesem Niveau das Rüstzeug mitbringen, "auf Strecke" würde aber die Erfahrung und auch Breite im Kader fehlen.

Aktuell habe sein Team ein Durchschnittsalter von knapp 21 Jahren. "Über eine ganze Saison würden wir diese jungen Talente da oben verheizen", ist er sich sicher. Deswegen sucht er seit Wochen bereits nach geeigneten Ergänzungen, die dem Kader zusätzlich Format und auch Breite verleihen können.

Vier vielversprechende Kandidatinnen hat Günther dabei ausgemacht und auch schon weitergehende Gespräche für die kommende Saison führen können. Namen nennt er nicht, da noch nichts in trockenen Tüchern sei, verrät aber immerhin so viel: "Zwei sind momentan in der 3. Liga, die anderen beiden haben bereits dort gespielt."

Am liebsten würde er das komplette Quartett ab Sommer in den Reihen der TSGO begrüßen, sagt der Trainer. Dann würde er dem Abenteuer 3. Liga ohne Bauchschmerzen entgegenschauen können. Sollten tatsächlich erfahrene Drittligaspielerinnen kommen, dann wäre das ein großer Erfolg für den Verein, der prinzipiell kein Honorar an die Aktiven zahlt. Laut Günther nicht einmal Fahrtkostenerstattungen. "Spielerinnen bringen quasi Geld mit, um hier mit einer geilen Truppe Spaß am Handball zu haben", lobt er seine Mädels.

Dass er potenzielle Verstärkungen gefunden hat, die trotz Ausbleibens eines finanziellen Anreizes überhaupt gesprächsbereit sind, führt Günther auf den guten Ruf sowie die aktuelle sportliche Situation der TSGO zurück. "Auch nach unserem ,Stotter-Start' in die Rückrunde sind wir Tabellenführer und damit attraktiv", erklärt er, "als Fünfter oder Sechster der Oberliga sähe das schon anders aus."

Unabhängig von der Ligazugehörigkeit stehen bereits zwei Neuzugänge fürs nächste Jahr fest: Claire Ramacher (Jahrgang 2004) und Lilly Geiger (2003) von der wJSG Bad Soden/Schwalbach/Niederhöchstadt werden in der kommenden Spielzeit mit einem Erwachsenenspielrecht ausgestattet. Sie folgen damit Torfrau Miriam Aassou, die aufgrund personeller Engpässe bei der TSGO schon in der laufenden Runde mittels Zweitspielrecht in der Oberliga zum Einsatz kam. Alle drei trainieren seit einem knappen Dreivierteljahr bei Oberursel und werden langsam an den Aktivenbereich herangeführt. In welcher Liga das künftig sein wird, ist derzeit noch offen.

ROBIN KUNZE

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