+
Bild aus vergangenen Zeiten: Artur Rissling trainierte den FC Oberstedten zehn Jahre lang.

Fußball, Gruppenliga

Vom Trainer zum Zaungast: Rissling „tut’s verdammt weh“

Sogar abgeklatscht hat Trainer Artur Rissling manchen seiner ehemaligen Spieler am Freitag noch. Als Zuschauer blickte der entlassene Trainer am Rande der 2:4-Niederlage seines Ex-Vereins gegen Beienheim zurück.

An diesen Anblick musste man sich erst einmal gewöhnen: Am Freitagabend empfing der FC Oberstedten den SKV Beienheim (Endstand 2:4), doch Artur Rissling stand nicht wie in den rund zehn Jahren zuvor an der Stedtener Trainerbank. Stattdessen wartete er vor dem Vereinsheim auf Höhe der Eckfahne darauf, dass der Anpfiff ertönte.

Eigentlich wollte Rissling so kurz nach seiner Entlassung gar nicht im Tannenwald erscheinen, doch einige seiner ehemaligen Spieler hatten ihn darum gebeten. „Das sind doch meine Jungs“, erklärte er und klatschte beim Einlaufen mit vielen Spielern ab. Mit Daniel Wolf kam er vor Spielbeginn einen Moment länger ins Gespräch.

„Wenn ich treffen sollte, dann komme ich zum Jubeln zu ihm“, sagte Wolf. Doch so weit sollte es nicht kommen. Der Torjäger, der sich körperlich fit fühlte, saß bis zur 81. Minute auf der Bank. Tore bekamen sowohl die Interimstrainer Lars Arr-You und Christian Roth sowohl Ex-Trainer Rissling dennoch einige zu sehen. Bei den beiden Treffern für Oberstedten durch Ünal Özdemir (17.) und Matteo Klier (35.) ballte Rissling die Faust. Bei den vier Gegentreffern zog er, noch ganz der Trainer, eine säuerliche Miene, und feuerte dann von seinem ungewohnten Platz aus die Mannschaft an. Zwischendrin gab er Metin Yildiz, Trainer des FSV Friedrichsdorf, Tipps zu kommenden Gegnern.

Nach außen gibt sich Rissling gelassen, doch auf Nachfrage macht er kein Geheimnis um sein Innenleben. „Es tut verdammt weh“, sagte er beim Blick auf den Rasen, der vor der Saison endlich auf Vordermann gebracht worden sei. Natürlich sei er ein wenig wehmütig, dass nun seine Zeit beim FCO zu Ende ist. „Dass es vorbei ist, schmerzt jedoch nicht so sehr, wie die Umstände, die dazu geführt haben“, erklärte er.

Nach zehnjähriger Tätigkeit am Telefon über seine Freistellung durch den Vorstand zu erfahren, sei ihm „an die Nieren“ gegangen. Ebenso verletzte ihn der Fakt, dass eine kleine Gruppe der Spieler – eine kleine Gruppe „seiner Jungs“ – sich hinter seinem Rücken beim Vorstand gegen ihn ausgesprochen hätte. „Ich mache Hartmut Dittmar (Präsident, Anm. d. Red.), den ich sehr schätze, keine Vorwürfe“, betont Rissling. Auch über seinen langjährigen Weggefährten Rüdiger Rau verliert er kein schlechtes Wort. Der Manager des FCO konnte krankheitsbedingt nicht an einem Treffen, das vom Vorstand einberufen worden war, teilnehmen. Rau habe wie er erst nachher von der Entscheidung erfahren, sagte Rissling. „Hätte man mit mir gesprochen, dann hätten wir gemeinsam eine vernünftige Lösung gefunden. Ich hätte sicherlich nicht an meinem Stuhl festgehalten“, meint der Ex-Trainer.

Seinen Abschied habe er dem Team vor zwei Wochen nach der 4:6-Niederlage gegen die Spvgg. Fechenheim angeboten. Er habe den Spielern geraten, sich ohne ihn zusammenzusetzen, um sich darüber auszutauschen, ob frisches Blut auf der Trainerbank nötig sei. „Danach kam nichts und wir hatten ja sogar in Kalbach gewonnen“, zeigte sich Rissling verwundert über die vermeintliche Revolte. Als die Mannschaft am Dienstagabend von seinem Rauswurf erfuhr, seien einige sofort solidarisch gewesen und hätten ihrerseits vom Abschied gesprochen. „Ich habe ihnen gesagt, dass sie sich jetzt auf den Fußball konzentrieren und weitermachen sollen“, sagte Rissling, „es geht schließlich nicht um mich, sondern um den FC Oberstedten.“

Er selbst wolle sich hingegen bis zum Winter umhören nach einer neuen Aufgabe. Die Ligazugehörigkeit, beteuert Rissling, spiele dabei eine untergeordnete Rolle. „Ich weiß, was ich kann und wofür ich stehe. Wenn es einen Verein gibt, bei dem ich mich voll und ganz mit den Zielen identifizieren kann, dann ist es egal, ob Gruppenliga oder B-Klasse. Das Projekt als Ganzes muss einfach passen.“ Was beim FC Oberstedten auch dank seiner Arbeit entstand, das kann Artur Rissling niemand nehmen.

Der Vorstand des FC Oberstedten hat angekündigt, eine Mitteilung zur Trennung von Artur Rissling veröffentlichen zu wollen.

1. FC-TSG Königstein – SC Dortelweil 2:1 (2:0): In der ersten Halbzeit stellte Königstein auf dem Rasenplatz die Weichen auf Sieg. Nach neun Minuten flankte Jeffrey Schäfer von links auf Jinseok Jeagal, der zum 1:0 einschob. In der 36. Minute eroberte dann Kapitän Stefano Basanisi in der Zentrale den Ball und schickte Estefanio Brandao da Silva auf die Reise. Dieser behielt im Eins-gegen-eins mit Torhüter Yannick Rühl einen kühlen Kopf und erhöhte auf 2:0. Drei Minuten nach dem Seitenwechsel unterbrach Schiedsrichter Zanin Saleh Mustafa (Wiesbaden) die Partie aufgrund des Unwetters. Weiter ging’s auf dem Kunstrasen. Dort traf Oliver Steffen eine Viertelstunde vor Schluss zum Anschluss. „Auch wenn wir wieder einige Chancen haben liegen lassen, hat das Spiel eine perfekte Woche für uns besiegelt“, freute sich Trainer Bayram Mechmet, dessen Team jetzt Neunter ist. Am Donnerstag hatte sich Königstein im Pokal mit 3:0 bei der SpVgg Bad Homburg durchgesetzt.

Tore: 1:0 Jeagal (9.), 2:0 Da Silva (36.), 2:1 Steffen (76.).

FSV Friedrichsdorf – Türk. SV Bad Nauheim 1:3 (1:3): Seiner Mannschaft wollte Trainer Metin Yildiz keinen großen Vorwurf machen, allerdings gab es eine Ausnahme. Auf Torhüter Robert Seifert war er nach dem Abpfiff „richtig sauer“. Dieser ließ sich in der 76. Minute zu einer Tätlichkeit hinreißen. Die Konsequenz daraus: Rot für Seifert und Elfmeter für die Gäste, den Salih Yasaroglu zum 2:1 für Nauheim verwandelte. „Zu diesem Zeitpunkt waren wir richtig gut im Spiel, der Gegner dagegen wie von der Rolle“, berichtet Yildiz.

Die erste Halbzeit hatte der FSV zu statisch und behäbig agiert, kassierte nach einem Eckstoß das 0:1 durch einen Kopfball von Yasaroglu (0:1). Die halbstündige Pause wegen des Unwetters (50.) tat dem Gastgeber gut. In der 60. Minute legte Francesco Marino auf Maximilian Zymolka ab: Der Joker drückte den Ball per Kopf zum 1:1 über die Linie. Am Ende machten die Hausherren in Unterzahl auf und bekamen mit dem Abpfiff das 1:3 von Luka Coric eingeschenkt. „Eine bittere Niederlage, weil wir nach meinem Gefühl bei normalem Verlauf das Ding noch gewonnen hätten“, ärgerte sich Yildiz.

Tore: 0:1/1:2 Yasaroglu (26., 78./FE), 1:1 Zymolka (60.), 1:3 Coric (90. + 4). – Rote Karte: Seifert (76./Tätlichkeit).

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare