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TZ-Sportchef Thorsten Remsperger

Kommentar

Training in Corona-Zeiten: Unseren Kindern darf mehr zugetraut werden

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TZ-Sportchef Thorsten Remsperger hält nichts von der Empfehlung des Hessischen Fußball-Verbandes, zunächst nur Jugend-Teams ab der Altersklasse U12 wieder auf dem Sportplatz gemeinsam trainieren zu lassen. 

Der Hessische Fußball-Verband hat auf seiner Homepage einige Regeln zur Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs veröffentlicht. Das alles gilt für Mannschaften ab der Altersklasse U12. Für Jüngere wird empfohlen, während der Pandemie erst wieder zu trainieren, wenn die Kinder in der Schule oder im Kindergarten zwei Wochen lang Erfahrungen mit Hygiene- und Abstandsregeln gesammelt haben. 

Ein Beispiel dafür, dass sich auch in Corona-Zeiten zeigt: Über das Wohlergehen der Kinder machen sich Entscheidungsträger oftmals keine primären Gedanken. Kinder werden in unserer Gesellschaft wieder einmal ungerecht behandelt. 

Wer selbst Kinder hat – und das dürften auch bei Entscheidungsträgern nicht so wenige sein – der weiß aus eigener Erfahrung: Je jünger er ist, desto mehr orientiert sich der Nachwuchs an den Eltern. Und an anderen Erwachsenen, die Autoritätspersonen sind. Woher sollen die Erfahrungswerte denn auch sonst kommen? Wenn also die „Großen“ den „Kleinen“ Abstands- und Hygieneregeln vorleben, sind Kinder die Letzten, die auf die Idee kommen, diese bewusst zu missachten. 

Warum also Kinder von ihrem Hobby weiter ausschließen? Bis alle Grundschüler zwei Wochen lang wieder einigermaßen normalen Unterricht erlebt haben, sind fast schon wieder Sommerferien. Bis dahin ist viel Zeit vergangen, in denen Kinder die sozialen Kontakte und persönliche Orientierung im Verein immer noch nicht erleben dürfen. Dafür berichten aber im ungünstigen Fall ältere Brüder und Schwestern zu Hause von ihren Erlebnissen im Training. Wie gemein muss das für ein Kind im Kindergarten- oder Grundschulalter sein? 

Der Hockey-Club Bad Homburg beweist mit seinem Trainingskonzept, wie mehr als 300 Kinder und Jugendliche pro Woche auch unter Corona-Regeln draußen ihrem geliebten Mannschaftssport nachgehen können. Das lief bisher absolut reibungslos. Vor allem für die Vorbereitung, aber auch die Umsetzung bedarf es jedoch viel Manpower. Das will erst einmal alles auf die Beine gestellt werden.

 Vereine, die viel auf Jugendarbeit geben und ein solches Ziel auch kommunizieren, sollten jetzt Zeit und Muse investieren. Egal, ob der Start für die nächste Saison absehbar ist oder nicht. Egal, ob in Schutzmaßnahmen investiert werden muss. Die Kinder werden es ihnen danken.

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