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Ausgelassen feiert das Team des TuS Dietkirchen den Kreispokalsieg. Es war das Sahnehäubchen auf eine atemberaubende Saison.

Mannschaft des Jahres: TuS Dietkirchen

Ein Triumph der Leidenschaft

Sie sind nicht Meister, haben aber eine atemberaubende Saison gespielt und zweifelsfrei die Mannschaft des Jahres im NNP-Fußball-Land: Die Spieler des TuS Dietkirchen sind in die Hessenliga aufgestiegen und haben sozusagen als Kirsche auf der Torte noch den Kreispokal gewonnen.

VON PATRICK JAHN

Neben dem SV Rot-Weiß Hadamar ist der TuS Dietkirchen ohnehin schon der Vorzeigeverein schlechthin im Fußballkreis Limburg-Weilburg. Nach dem Aufstieg von der Gruppenliga in die Verbandsliga Mitte im Jahr 2012 haben sich die Jungs vom Reckenforst immer im oberen Tabellendrittel aufgehalten. Zweimal Vierter, Zweiter, dreimal Sechster – das waren die Platzierungen in den letzten sechs Jahren. In diesem Jahr hat sich die Mannschaft von Trainer Thorsten Wörsdörfer ihren Traum erfüllt: Der Verein darf ab Ende Juli in der höchsten hessischen Spielklasse mitwirken. 

Die Zahlen der abgelaufenen Verbandsliga-Saison lesen sich prächtig. In 32 Partien ging der TuS lediglich fünfmal als Verlierer vom Feld, fünfmal wurden die Punkte geteilt, und satte 22 Siege stehen auf der Habenseite. Die Tatsache, dass Keeper Raphael Laux, der im Übrigen alle Saisonspiele von der ersten bis zur letzten Minute miterlebt hat, nur 27-mal hinter sich greifen musste, ist zweifelsohne eines der Hauptaugenmerke für den sportlichen Erfolg. Trainer Thorsten Wörsdörfer sieht aber noch einige andere Punkte, die hauptverantwortlich für den größten Erfolg der Vereinsgeschichte sind: „Charakter, Respekt, Einstellung, Fleiß, Ehrlichkeit – all das ergibt einen ungemeinen Teamgeist, der in der Truppe steckt. Hinzu kommt natürlich das vorhandene Talent meiner Spieler. All das sind die Gründe, warum wir so eine tolle Saison gespielt haben.“ 

Dass auch Fortuna oftmals mit dem TuS im Bunde war, steht für „Wörsi“ außer Frage: „Natürlich war auch das Glück auf unserer Seite, das wissen wir zu schätzen. Das Schöne ist aber doch, dass es das Ergebnis der letzten Jahre ist. Unser Kader hatte nie eine große Fluktuation. Das Ganze ist eben immer mehr als die Summe kleiner Teile.“ Dass Ende Mai tatsächlich der zweite Tabellenplatz hinter dem enteilten Titelträger FSV Fernwald stehen würde, war im Spätsommer nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Dietkirchen spielte zwar häufig gut und vor allem diszipliniert, in der Tabelle pendelte sich das Geschehen aber meist zwischen den Rängen drei und sieben ein. Übrigens: Der siebte Rang war die schlechteste Platzierung im gesamten Spieljahr. 

Die Schwarz-Roten erlebten dann aber einen „goldenen Herbst“. Nach einem achtbaren 2:2 beim FSV Fernwald gewannen die Reckenforstler satte sieben Mal am Stück. Die Folge: Rang zwei. Und plötzlich keimte Hoffnung auf – trotz einer ärgerlichen 0:1-Niederlage bei der SG Kinzenbach. Das Jahr 2019 begann für Dietkircher Verhältnisse durchwachsen. Siege gegen Marburg und Breidenbach standen Niederlagen in Biebrich oder Langenaubach gegenüber. Dennoch: In Schlagdistanz blieb der TuS zu jeder Zeit. Spätestens, als der designierte Meister auf eigenem Platz mit 3:1 in die Knie gezwungen worden war, wussten die Verantwortlichen, dass die Vizemeisterschaft und die damit verbundene Qualifikation zur Aufstiegsrunde möglich ist. Für Thorsten Wörsdörfer war unter anderem dieser Auftritt eines seiner persönlichen Highlights: „Diese drei Punkte waren so viel wert. Für mich persönlich war das ein ganz entscheidender Moment in der Saison. Aber auch das 1:0 im Kreispokal-Finale gegen Hadamar würde ich direkt dahinter anordnen.“ 

Das größte Highlight sollte aber noch kommen . . . Zwar musste sich Dietkirchen eine Woche danach beim VfB Marburg geschlagen geben, doch dieses 0:2 sollte die letzte Pleite bleiben. Fortan lief der Motor auf Hochtouren. Fünf Siege am Stück katapultierten den TuS auf Platz zwei. Dann kam der Moment, in dem Thorsten Wörsdörfer das erste Mal so richtig ernsthaft daran geglaubt hatte, sich für die Aufstiegsrunde qualifizieren zu können: „Für mich war das Auswärtsspiel in Bauerbach entscheidend. Meine Jungs wollten es mir nicht glauben. Ich habe aber gesagt: ,Wenn wir das Spiel gewinnen, dann spielt auch Waldbrunn (holte am Folgetag ein 2:2 gegen Konkurrent Zeilsheim; Anm. d. Red.) für uns’. Ich hatte es einfach im Gefühl. Und dann machen wir tatsächlich kurz vor Schluss das Tor zum 3:2.“ Platz zwei war sicher, die Aufstiegsrunde erreicht.

Am letzten Spieltag schossen sich „Wörsis“ Jungs mit einem 5:2 gegen die SG Kinzenbach für die Entscheidungsspiele warm. So gut die Stimmung vor mehr als 1000 Zuschauer dann war, so bitter war aber auch die Bauchlandung. 0:2 gegen den SV Neuhof, der Traum von der Hessenliga war so gut wie gestorben. Doch alle hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der TuS Dietkirchen reiste zum großen Favoriten, dem 1. Hanauer FC, und gewann völlig überraschend mit 3:1. Es war ganz klar, was Thorsten Wörsdörfer davon gehalten hatte: „Das war das Highlight schlechthin. Wir waren am Boden, fahren nach Hanau, unsere letzte Minimalchance. Wie viel Herzblut meine Mannschaft in diesen 90 Minuten gezeigt hat, war überragend.“ Und weil es der Fußballgott nun mal so wollte, gelang dem FC Bayern Alzenau der Sprung in die Regionalliga, so dass der Elf vom Reckenforst der zweite Platz in der Aufstiegsrunde zur Hessenliga genügte. 

Thorsten Wörsdörfer: „Mit ein paar Tagen Abstand weiß ich immer mehr zu schätzen, was die Jungs geleistet haben. Vielleicht kommt der Aufstieg für die Strukturen unseres Vereins ein Stück weit zu früh. Dennoch beginnt jetzt der Genuss, zu wissen, wo wir angekommen sind. Jetzt geht es darum, neue Ziele anzugehen. Erfolg ist das Eine, in schlechten Phasen zusammenzuhalten aber das Andere. Und ich bin überzeugt davon, dass wir das schaffen.“ Die Abgänge von Marvin Rademacher und Robin Dankof, der mit 15 Toren bester Schütze war, wiegen natürlich unendlich schwer. Was mit mannschaftlicher Geschlossenheit aber möglich ist, haben die letzten Jahre gezeigt. In Dietkirchen jedenfalls dürfen sie nach dem Aufstieg und dem Pokalsieg noch ein bisschen träumen, ehe der Kampf um den Klassenerhalt mit der Sommer-Vorbereitung (Start: Freitag, 19 Uhr) beginnt.

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