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Acht Mal für Oberursel erfolgreich: Katharina Löbrich.

Handball, Oberliga Hessen

TSGO-Trainer Günther saß schon auf gepackten Koffern

Nach Günthers Donnerwetter in der Kabine dreht Oberursel die Partie - 29:27 gegen Hüttenberg.

Es gibt so Spiele, an denen man als Trainer verzweifeln kann. Spiele, in denen man von außen Anweisungen und Tipps gibt, die aber offensichtlich nicht bis aufs Feld gelangen. Paul Günther, Handballtrainer der Oberliga-Mannschaft der TSG Oberursel, kennt diese Spiele nur zu gut. "Da kann ich eigentlich meine Sachen packen, aus der Halle verschwinden und meine Zeit am Samstagabend besser nutzen", erklärt er nach der dann doch mit 29:27 gewonnenen Partie gegen den TV Hüttenberg. Denn bis zur Pause (12:16) habe sein Team "katastrophal" agiert, weswegen er den Spielerinnen schon während einer Auszeit und dann nochmals in der Halbzeit seinen Abgang androhte.

"Die Mädels kennen mich, wissen, dass ich das ernst meine", so Günther, der während seiner Zeit in Bad Soden im Verlauf einer solchen Begegnung schon mal das Weite suchte. Die mahnenden Worte fanden diesmal aber Gehör. Zur Halbzeit lagen die Gastgeberinnen noch verdient mit vier Treffern hinten, in der 39. Minute traf Nadine Okrusch dann aber zum 18:18-Ausgleich. Nicht nur der angedrohte Abgang ihres Trainers, sondern auch die Umstellung auf eine 5-1 Abwehr machte den Spielerinnen der TSGO Beine - buchstäblich.

"Plötzlich kamen wir aus Tempogegenstößen, aus der zweiten und der dritten Welle zu Chancen", berichtet Günther. Dennoch blieb es bis zum Schluss spannend. Knapp zehn Minuten vor dem Ende musste er erneut von draußen ein Zeichen setzen, um seine Spielerinnen beim Stand von 23:23 aufzurütteln. Günther schimpfte lautstark mit den Schiedsrichtern Philipp Wollbeck und Johannes Zang, da diese seiner Meinung nach die Schrittregel nicht durchsetzten und sah die Gelbe Karte. "Teilweise haben die gegnerischen Spielerinnen vier oder fünf Schritte gemacht", so der Coach, "nach meinem Ausraster hat das Gespann dann aber darauf geachtet und auch meine Spielerinnen haben sich wieder mehr reingehängt."

Einen dritten Kniff wandte Günther frühzeitig an. Er beorderte beim ersten Siebenmeter (5.) für die TSGO Sascha Müller, die im Sommer aus Hüttenberg kam, an die Linie. "Gerade die jungen Spielerinnen machen sich häufig einen Kopf, wenn sie gegen ihren alten Verein spielen", erklärte er, "ich wusste, wenn sie trifft, ist sie cool, wenn nicht, haben wir ein Kopfproblem." Müller traf den ersten, später auch ihren zweiten Siebenmeter und zeigte sich insgesamt unbeeindruckt vom Wiedersehen mit den ehemaligen Mitspielerinnen. Nun hat die TSGO spielfrei, was Günther gelegen kommt: "Zuletzt war ein Cut in unserem Spiel, dank des Sieges können wir jetzt erstmal durchatmen." Aktuell steht seine Mannschaft weiterhin auf dem zweiten Tabellenplatz.

TSGO-Tore:Löbrich (8/5), Müller (4/2), N. Okrusch (4), Mies (4), Krasnansky (3), Zsigmond (2), Walde (2), M. Okrusch (1), Stahl (1).

ROBIN KUNZE

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