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TSV Vatanspor Bad Homburg: Die Wochen der Wahrheit kündigen sich gleich an

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Von: Wolfgang Bardong

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Seine Miene drückt Zuversicht aus: TSV Vatanspor Bad Homburgs Trainer Sinan Bulut (li.), im Gespräch mit Barkan Aksu.
Seine Miene drückt Zuversicht aus: TSV Vatanspor Bad Homburgs Trainer Sinan Bulut (li.), im Gespräch mit Barkan Aksu. © Heiko Rhode

In unserer Serie mit den heimischen Gruppenligisten machen wir heute bei der Mannschaft mit den meisten Defensivsorgen Station. Kurz vor Rundenfortsetzung hat sich zudem ein neu verpflichteter Torwart verletzt.

Was war: Nach dem Erringen der Meisterschaft in der Gruppenliga Frankfurt West stieg der TSV Vatanspor im Sommer 2015 in die Verbandsliga Süd auf. Dort hielt sich der Club für vier Jahre und belegte die Plätze 9 (Saison 2015/16), 5 (2016/17), 13 (2017/18) sowie 15 (2018/19), der nicht zum Klassenerhalt ausreichte. Es ging wieder hinunter in die Gruppenliga, in der der türkischstämmige Club um ein Haar in die Kreisoberliga durchgereicht worden wäre. Aufgrund der wegen Corona ausgesetzten Auf- und Abstiegsregelung blieb dem TSV jedoch zweimal der Gang in die KOL erspart. Zunächst als Tabellenvorletzter der Spielzeit 2019/20, die nach 21 von 32 Spielen abgebrochen wurde, dann sogar als Schlusslicht in der Runde 2020/21, in der nach nur elf von 38 Partien Corona geschuldet die Saison vorzeitig beendet wurde. Trotz des von Zahlen unterfütterten Abwärtstrends war Muhammet Yilmaz vor Beginn der aktuellen Runde guter Dinge.

Yilmaz hatte beim TSV Vatanspor im Juni 2021 den Posten des Sportlichen Leiters übernommen, nachdem er zuvor bei B-Ligist FC Türk Kelsterbach laut eigener Aussage „Mädchen für alles“ gewesen war. „Ich hatte uns trotz eines größeren Umbruchs eine Platzierung zwischen Rang acht und zwölf zugetraut“, verrät Yilmaz seine Einschätzung vom vergangenen Sommer. Die Realität sollte dann jedoch anders aussehen. Das Team von Trainer Sinan Bulut, der in der Winterpause der Saison 2020/21 gekommen war, blieb – auch wegen einer Corona-Welle im Herbst – Dauergast der Abstiegsregion und überwinterte auf Rang 15, einem Abstiegsplatz.

Was sich im Winter getan hat: Enorm viel. Zehn Verstärkungen stehen elf Abgänge gegenüber. „Wir setzen alles daran, uns schnellstmöglich aus der Abstiegszone zu lösen“, sagt Yilmaz entschlossen. Angesichts der neu erlangten Kaderstärke sei er „absolut zuversichtlich, dass uns das gelingt“. Sämtliche Winter-Neuzugänge „bauen uns moralisch auf und passen vor allem auch charakterlich 1a rein.“ Sechs Spieler, die bis vor zwei Wochen coronabedingt aussetzen mussten, seien jetzt wieder gesund und fit – nachdem man während der „Corona-Phase“ das Testspiel beim FC Neu-Anspach II laut Yilmaz „quasi mit einer C-Elf bestreiten musste“.

Was schon gut klappt: In den ersten beiden Testspiel-Wochen haperte es bei der schwächsten Abwehr der Gruppenliga (schon 73 Gegentore) nach wie vor – siehe die Klatschen bei RW Frankfurts U19 und beim Kreisoberligisten Griesheim. Auch die Trainingsbeteiligung war – mit bedingt durch Verletzungen und studienhalber – nicht „prickelnd“. Seit Woche drei „läuft es deutlich besser“, verweist Yilmaz vor allem auf den nun größeren Konkurrenzkampf zwischen den Pfosten, wo es im „alten“ Jahr noch arg gehakt habe. Mirko Best (er kam vom SV Wolfenhausen) hielt im Testspiel beim FC Neu-Anspach II stark und ist nun die neue Nummer eins. Momentan hätten, so Yilmaz, die ebenfalls dazugeholten Dennis Rothenbächer (Türk. SV Wiesbaden) und Baris Mert (FSC Eschborn) das Nachsehen. Rothenbächer zog sich im Abschlusstraining vor dem Derby beim FSV Friedrichsdorf (Sonntag, 15.30 Uhr) eine schwere Knieverletzung zu. Es besteht der Verdacht auf Kreuzbandriss.

Wo es noch klemmt: Generell in der Abwehr, denn für den zu den Sportfreunden Friedrichsdorf gewechselten Nikolas Pauly habe der TSV laut Yilmaz „keinen adäquaten Ersatz“ gefunden. Was es schleunigst abzustellen gelte, sei die mangelhafte Rückwärtsbewegung nach Ballverlusten. Yilmaz: „Da sind wir von 100 Prozent noch ein großes Stück entfernt.“

Wie es daheim, wie es in der Fremde läuft: Aus seinen bislang zehn absolvierten Heimspielen holte der TSV immerhin elf Punkte (3 Siege/2 Remis/5 Niederlagen) bei 16:28 Toren. Auswärts sieht es wesentlich besorgniserregender aus: Von zehn Spielen wurden nur zwei gewonnen, dafür acht verloren – bei 9:45 Toren. Dass der Schuh in der Defensive drückt, geben diese Zahlen unverblümt wider.

Wo es heuer noch hingehen soll: Der Klassenerhalt ist das A und O. Viel wird vom Verlauf der ersten vier Wochen abhängen, wenn sich der TSV mit SV Gronau (18.), FC Olympia Fauerbach (14.) und TSG Niederrad (17.) gleich drei unmittelbare Kellerkonkurrenten zum Gegner hat. Yilmaz blickt zuversichtlich nach vorne – auch was die kommende Runde 2022/23 angeht: „Da ist bei uns personell schon sehr viel in Planung. Wenn wir jetzt den Klassenerhalt schaffen, dann werden wir in der neuen Saison ganz woanders stehen“, sagt Yilmaz – und denkt an einen Top-5-Platz.

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