Spieler und Funktionäre des TTC OE beim Trainingslager: Sven Rehde, Gustavo Tsuboi, Mirko Kupfer, Nils Hohmeier, Tobias Kirch, Rares Sipos, Hans-Jürgen Kleemann, Tayler Fox und Christian Kaiser (von links). FOTO: GERHARD STROHMANN
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Spieler und Funktionäre des TTC OE beim Trainingslager: Sven Rehde, Gustavo Tsuboi, Mirko Kupfer, Nils Hohmeier, Tobias Kirch, Rares Sipos, Hans-Jürgen Kleemann, Tayler Fox und Christian Kaiser (von links).

Tischtennis, 1. Bundesliga

TTCOE-Spitzenspieler Tsuboi: "Wir haben großen Hunger auf Siege"

  • vonRobin Kunze
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Die neue Bundesliga-Mannschaft des TTC OE Bad Homburg hat erstmals gemeinsam trainiert. Wegen Corona durften jedoch nicht alle Tischtennis-Profis teilnehmen.

Zwei leer stehende Tischtennisplatten stehen in einer dunklen Wingert-Sporthalle, über der eine fast schon friedliche Stille liegt. Zugegebenermaßen deutet am Samstag um kurz vor 17 Uhr noch nicht viel darauf hin, dass der TTC OE Bad Homburg schon sehr bald im Konzert der Großen mitmischen wird. Doch es stimmt: Der Zweitligameister bekam Anfang August die Lizenz für die Tischtennis-Bundesliga. Daran haben Sportlicher Leiter Sven Rehde, Geschäftsführer Mirko Kupfer und ihre Mitstreiter im Einspartenverein lange und hart gearbeitet.

Eine wirkliche Gelegenheit zum Feiern des Wahrwerdens eines gemeinsamen Traums hatte das Duo indes nicht. "Wir hatten kaum Zeit, um uns richtig zu freuen, denn als wir das Okay bekamen, da hatten alle anderen Bundesligisten längst Klarheit", erklärt Rehde. Der TTC OE hatte für die Ligazulassung noch nachbessern müssen. Am Sonntag, 6. September, findet das erste Spiel gegen den TTC Neu-Ulm statt, die Vorbereitungszeit für den Aufsteiger ist schon sehr knapp bemessen jetzt.

Zu einem ersten Trainingswochenende haben sich die Bundesliga-Profis im Bad Homburger Stadtteil eingefunden, schon bald ist die Heimspielstätte des Aufsteigers hell erleuchtet und es sind hochklassige Ballwechsel zu bestaunen.

"Ich sehe uns als krassen Außenseiter", gesteht Kupfer, der das Training interessiert verfolgt, aber in Gedanken schon zwei Wochen weiter ist. "Wir sind im Vergleich sehr jung, aber gerade deswegen vielleicht auch bissiger", meint er. Ein Kader aus etablierten Profis ist für den Underdog trotz einer Etataufstockung auf rund 185 000 Euro nicht zu bezahlen, auch deswegen setzt man weiterhin auf Talente: Nils Hohmeier (22), Rares Sipos (19), Lev Katsman (19) und Maksim Grebnev (18) bilden die Bad Homburger Bundesliga-Boy-Band.

Erfahrung in der höchsten deutschen Spielklasse geht dem Quartett zwar noch ab, doch das bedeutet nicht, dass die Spieler grün hinter den Ohren wären. Hohmeier wurde 2016 im Doppel Jugend-Europameister; Sipos belegte ein Jahr darauf Platz drei bei der U18-WM; Katsman gewann 2018 im Doppel die Junioren-EM und wurde bei der Nachwuchs-WM Zweiter; Neuzugang Grebnev ist Team-Europameister der U18.

Aus der Not eine Tugend gemacht

Der TTC OE macht aus der Not eine Tugend. "Erfahrene deutsche Profis können wir uns nicht leisten, dafür aber jungen Talenten aus aller Welt eine Plattform bieten", skizziert Rehde das Konzept. Der Unterschied zwischen Routinier und Youngster liegt in der Regel bei der Konstanz auf höchstem Niveau. "Diese können die Jungs noch gar nicht haben, was gleichzeitig aber auch für Überraschungen bei unseren Gegner sorgen kann", ergänzt der Sportchef. "Heiß" auf die große Herausforderung seien die Talente allemal.

Mit ihm steht und fällt der Erfolg in der 1. Bundesliga: Gustavo Tsuboi, neuer Spitzenspieler des TTC OE.

"Sie wollen sich beweisen, wollen ihre Fähigkeiten zeigen und haben einen großen Hunger auf Siege", schätzt Gustavo Tsuboi seine neuen Mannschaftskameraden ein. Den 35-jährigen Brasilianer, der auf Platz 44 der aktuell aufgrund der Corona-Pandemie eingefrorenen Weltrangliste steht, holten die Verantwortlichen des TTC OE als Führungsspieler. Der Routinier spielte zuletzt für Neu-Ulm und davor für Werder Bremen in der Beletage. Dank dieser Erfahrung kommt ihm die Rolle des Bandleaders zu, wenn man bei der Musik-Metapher bleiben möchte.

"Vom Typ her ist Gustavo eher ruhig, doch mit seiner Professionalität, seiner Trainingsintensität und seinem Fleiß ist er ein tolles Vorbild für die Jungen", sagt Tobias Kirch. Der Kölner ist der neue Coach des TTC OE.

Wenn der Routinier mit dem Youngster...

Was genau er meint, zeigt sich an jenem Spätnachmittag in der Wingert-Sporthalle: An einem Tisch spielen sich Sipos und Hohmeier warm, an der anderen stehen sich Tsuboi und Tayler Fox gegenüber. Der 15-Jährige Fox ist eigentlich für die 2. Mannschaft in der Oberliga Hessen vorgesehen, soll im Training der "Ersten" aber wertvolle Erfahrung sammeln. Und die bietet ihm Tsuboi am Samstag, schmettert und retourniert mit Wucht und Präzision, ohne dabei wirklich ins Schwitzen zu kommen. Schafft es Fox dann doch mal gegen den Profi zu punkten, ziert ein breites Grinsen sein Gesicht, was wiederum auch den coolen Tsuboi zum Lächeln bringt. Nur kurz, denn dann geht es weiter im (irrsinnig schnellen) Ballwechsel-Takt.

"Eine so junge Mannschaft wie unsere braucht einen Spieler wie Tsuboi, der die Führungsposition einnimmt", sagt Hohmeier. Die 2. Liga, in der er sich vergangene Saison gut schlug, sei zwar schon stark, doch der Sprung in die Bundesliga sehr groß. "Dass es wegen des Coronavirus diese Saison keine internationalen Turniere gibt, wertet die Liga nochmals auf", betont er. Die Vorfreude auf sein Debüt ist ihm anzumerken.

Gleiches gilt bestimmt auch für Grebnev und Katsman, die am Kurztrainingslager im Taunus jedoch noch nicht teilnehmen konnten. Die beiden russischen Spieler befinden sich noch in ihrer Heimat. Die Ausreise gestaltet sich aufgrund der Pandemie komplizierter als angenommen. Zur Not würden sie auch zu Fuß nach Bad Homburg kommen, um rechtzeitig für den Bundesligastart zur Verfügung zu stehen, berichtet Sven Rehde schmunzelnd. Gelegenheit zum Feiern hatten er und Mirko Kupfer vielleicht noch nicht. Doch es scheint so, als hätten die beiden die Zeit stattdessen genutzt, um eine wirklich spannende Mannschaft zusammenzustellen. 

"Welche Teamplayer dürfen für den TTC OE ran?

Tobias Kirch lässt sich für den Saisonauftakt am 6. September um 15 Uhr gegen den TTC Neu-Ulm noch nicht in die Karten schauen. "Gustavo Tsuboi ist unser Leader", sagt der Trainer des TTC OE Bad Homburg, "dahinter gibt es einen gesunden Konkurrenzkampf." Die Youngster Rares Sipos, Lev Katsman, Nils Hohmeier und Maksim Grebnev seien "eng beieinander", so der Coach. Nur zwei weitere Spieler können im Einzel zum Einsatz kommen. Falls nach den maximal vier Einzeln noch keine Entscheidung gefallen ist, kommt es zum abschließenden Doppel. Nicht jeder Spieler stünde an jedem Spieltag zur Verfügung, ergänzt Kirch. Und jeder habe individuelle Stärken wie auch Schwächen, die es gegen den jeweiligen Gegner auszuspielen gilt. Folglich würden alle auf ihre Spielzeit kommen. Der Klassenerhalt sei das große Ziel. "Die Jungs brauchen im Tischtennis natürlich einen gewissen Egoismus, aber sie sind allesamt auch Teamplayer", sagt Geschäftsführer Mirko Kupfer. Nils Hohmeier, einer der "Aufstiegshelden", untermauert diese Behauptung: "Klar ist, dass man sich in einer Fünfer-Mannschaft abwechseln muss, unterm Strich ist aber wichtig, dass wir drin bleiben."

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