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Überflieger: Türk Gücüs Kazuki Takahashi (Zweiter von rechst) läuft den Neu-Isenburger Matthias Buschmann noch ab.

Fußball-Hessenliga

Türk Gücü Friedberg ist als Team gewachsen 

Nach anfänglichen Schwierigkeiten ist der Neuling doch ganz passabel unterwegs.

Mit einem 4:0 über den VfB Ginsheim hatte sich Türk Gücü Friedberg schon Mitte November in die Winterpause der Fußball-Hessenliga verabschiedet – früher als alle anderen Mannschaften. Und dieses bisschen Extra-Pause hat sich das Team nach einem aufregenden Jahr auch verdient.

Unter den Trainern Mustafa Fil und Gültekin Cagritekin haben die Friedberger als Hessenliga-Neuling aus 19 Partien mit sechs Siegen, fünf Unentschieden und acht Niederlagen 23 Punkte geholt und rangieren auf Platz zwölf.

„Es gab Startschwierigkeiten, keine Frage. Aber es ist uns gelungen, trotz personeller Probleme, die durch Verletzungen oder Sperren entstanden waren, teamintern eine Stabilität zu erzeugen“, sagt Cagritekin. „Das war wichtig und ist die ideale Basis, um nach der Winterpause die schwierigen Aufgaben, denen wir uns stellen müssen, erfolgreich zu meistern“, ergänzt Fil.

Türk Gücü räumte im Jahr 2018 kräftig ab, wurde zunächst Hallenkreismeister, dann Kreispokalsieger und schließlich Vizemeister in der Verbandsliga Süd. Als absolutes Highlight bezeichnet Friedbergs Sportlicher Leiter Gökhan Satir, der diese Woche etwas überraschend zurückgetreten ist (ein Nachfolger steht noch nicht fest), jedoch das 2:1 am 6. Juni im zweiten und entscheidenden Aufstiegsspiel gegen den FSV Fernwald: „1500 Zuschauer waren auf dem Ober-Rosbacher Sportplatz Zeugen einer denkwürdigen Partie, die uns die Hessenliga und somit den größten Erfolg in der 30-jährigen Vereinsgeschichte beschert hat.“

Eine durch die Relegationsrunde verkürzte Vorbereitungszeit sowie erhebliche Änderungen im Spielerkader, die in diesem Umfang durchaus überraschend kamen, hatten zur Folge, dass die neu formierte Mannschaft in den Monaten August (ein Unentschieden und vier Niederlagen) und September (nach Heimsiegen über Ederbergland und Flieden nur noch ein Zähler aus vier weiteren Partien) mehr Lehrgeld als erhofft zahlen musste.

Ab Anfang Oktober lief es dann weitaus besser: Man gewann nicht nur die letzten drei Spiele vor der Winterpause, sondern siegte auch in Fulda/Lehnerz und blieb gegen Lohfelden (1:1), Waldgirmes (5:5) sowie gegen den Top-Favoriten FC Gießen (2:2) ungeschlagen. Nur gegen Hessen Kassel (0:3) war für den Liga-Neuling nichts zu holen. Traurig, aber wahr: Abgesehen von den Duellen gegen Bad Vilbel, Gießen und (mit Abstrichen) Hessen Kassel erfüllte in den übrigen sieben Heimspielen der Zuschauer-Zuspruch auf dem Ober-Rosbacher Sportplatz trotz zunehmend besserer Leistungen nicht die Erwartungen und beschränkte sich auf 70 bis 120 zahlende Fans. „Wir hatten uns mehr versprochen“, gab Satir zu.

Sportlich ist der nötige Zusammenhalt da, meint Cagritekin: „Das wurde besonders in den letzten Spielen erkennbar, als wir viele Ausfälle hatten.“ Hinzu komme, dass die Spieler sehr lernfähig seien: „Das ist wichtig, denn gegenüber der vergangenen Runde hat sich das Durchschnittsalter deutlich verringert.“ Spieler hervorheben wollen er und Fil nicht. Gewinner der Hinrunde waren ihrer Meinung nach alle Spieler, die Einsatzzeiten bekommen haben. Und das waren praktisch alle.

Ein wenig genauer betrachtet, sind unterschiedliche Entwicklungen freilich nicht von der Hand zu weisen. Beispielsweise im Tor, wo Vladan Grbovic als Nummer eins begann, inzwischen jedoch von Riste Shpirov abgelöst wurde. Weitere Spieler, die sich erst spät wegen verletzungsbedingter Zwangspausen mehrerer Stammspieler so richtig in Szene setzen konnten, waren Silvio Penava auf der Außenbahn, Filip Mitrovic im zentralen Mittelfeld oder Marvin Akkus Rodriguez als Sturmspitze. Die Defensivspezialisten Sebastian Bartel und Kevin Bassey Effiong, Dauerläufer Kazuki Takahashi, Jonatan Tesfaldet auf der Sechserposition oder „Allzweckwaffe“ Alit Usic auf der Gewinnerseite zu führen, ist gewiss ebenso richtig wie die Tatsache, dass Außenverteidiger Semun Biber beide Seiten des Fußballerdaseins (erst Bank, zuletzt wieder Stammspieler) kennenlernen durfte. In diesem Zusammenhang nimmt Spielmacher Florian Decise eine Sonderstellung ein. Der Edeltechniker steht seit Saisonbeginn verletzt auf der Ausfallliste.

Mustafa Fil hofft, dass die Mannschaft auch nach der Winterpause noch komplett zusammen ist: „Dann könnten wir uns auf das Wesentliche konzentrieren und sofort Vollgas geben.“ Und das wird nötig sein, um das Saisonziel zu erreichen – also den Klassenerhalt.

Von Uwe Born

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