Schnürt seine Schuhe für ein Training der besonderen Art: U16-Nationalspieler Nicholas Engels auf dem Sportplatz des SV Bommersheim.
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Schnürt seine Schuhe für ein Training der besonderen Art: U16-Nationalspieler Nicholas Engels auf dem Sportplatz des SV Bommersheim.

Fußball, Hochtaunus

U15-Nationalspieler Nicholas Engels: Auch ohne Mannschaft im Training

  • Thorsten Remsperger
    vonThorsten Remsperger
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Jugendnationalspieler Nicholas Engels möchte trainieren, trainieren, trainieren. Um immer besser zu werden, es vielleicht einmal zum Bundesliga-Profi zu schaffen. Seit März muss der 16-Jährige improvisieren. Wir haben den Bommersheimer an einem Vormittag begleitet.

Wenn Nicholas Engels die Geisterspiele der Fußball-Bundesliga schaut, findet er es ganz schön laut auf dem Platz. Das verwundert erst einmal, sind doch nicht mehr Zehntausende von Menschen bei den Spielen im Stadion, sondern nur noch wenige hundert. Man muss dazu aber noch wissen, dass Nicholas Engels, seitdem er beim SV Bommersheim als kleiner Bub mit dem Fußball begonnen hat, zum U16-Nationalspieler gereift ist und in ein paar Jahren einmal genauso in der Sky-Konferenz über den Bildschirm flimmern möchte wie jetzt die Kicker vor ungewohnter Kulisse.

"Ich finde es richtig cool, einmal zu hören, wie die Spieler reden", sagt Engels, selbst ein pfeilschneller Innenverteidiger mit einer, für einen 16-Jährigen, schon sehr robusten Statur. Er spricht leise. "Nickel", so wird der Feldbergschüler von Freunden genannt, ist halt eher ein ruhiger Vertreter. Aber als Fußballer, der ganz nach oben möchte, müsse man laut sein, weiß sein Trainer Wolfgang Schmidt. Er hat mit ihm und einem weiteren jungen Schützling gerade auf dem Rasenplatz des SV Bommersheim eine Pause eingelegt hat. Schmidt ist eigentlich nicht mehr der Trainer von Engels, er hatte den jungen Mann einst beim 1. FC-TSG Königstein unter seinen Fittichen. Mit der D-Jugend wurden sie gemeinsam Hessenmeister.

Alter Weggefährte und jetziger Aushilfstrainer: Wolfgang Schmidt (rechts) während einer Technikübung mit Engels.

Interessiert hat der DFB-Stützpunkttrainer in Königstein und Coach der U17-Frauenteams von Eintracht Frankfurt seitdem die Karriere des Bommersheimer Talents verfolgt, der Kontakt ist nie abgerissen. Und jetzt, in den verrückten Corona-Zeiten, wird Sportwissenschaftler Schmidt wieder zum Faktor. Denn ohne ihn würde Engels quasi alleine trainieren.

Engels' Verein, der FSV Mainz 05, lädt erst in zwei, drei Wochen den Nachwuchs für seine dann neuformierten Jugendmannschaften zum ersten Laktattest ein. Abgesehen von digitalen Fitnesseinheiten, die gemeinsam per Videokonferenz absolviert wurden, und Laufplänen, die doch bitte einzuhalten waren, ruht der Übungsbetrieb. Wie übrigens auch bei der Jugend von Eintracht Frankfurt, so dass am Sonntagvormittag Luca Zirener, ebenfalls Jahrgang 2004, bei diesem individuellen Corona-Training mit Abstand der Dritte im Bunde ist. "Viel besser so für beide, sonst müsste ich ja alle Pässe spielen", lächelt Schmidt.

Gedanken an einen Ex-Nationalspieler

In seiner Trainerlaufbahn ist der 50-jährige Kelkheimer schon mit einigen Talenten in Berührung gekommen. Er weiß deshalb, wie wichtig es ist, dass man außerhalb der Trainingseinheiten des Vereins an sich selbst arbeitet. Einer von Schmidts ehemaligen Coaches war der Vater von Marko Marin. Der Ex-Nationalspieler, zuletzt für Roter Stern Belgrad in der Champions League im Einsatz, habe einst als kleiner Junge mit Papa Ranko jede freie Minute auf dem Platz verbracht. Schon im Alter von fünf, sechs Jahren sei zu erkennen gewesen, über welch außergewöhnliche Begabung der kleine Marko verfügte. Marin würde, projiziert in die jetzige Zeit, keinen privaten Fußballtrainer benötigen, meint Schmidt. "Der bräuchte einen Aufpasser, der ihn auch mal heimholt, damit der Junge was isst."

Wolfgang Schmidt (rechts) erklärt Nicholas Engels eine Übung.

Der erfahrene Jugendtrainer Schmidt weiß, dass solche Zeiten heute natürlich vorbei sind, in denen es Instinktfußballer auf solchen Wegen, fernab von Leistungszentren und Fußballinternaten, zum Nationalspieler schaffen. Wenn nicht gerade eine Pandemie ausgebrochen ist, ist auch der Wochenplan von Nicholas Engels durch Verein und Schule durchgetaktet. Und jede freie Minute dreht sich auch um Fußball.

Es wäre nur gut, meint Schmidt, wenn die jungen Spieler im Training auch einmal etwas ausprobieren dürften. Viel zu oft würden die Abläufe vorgegeben, "die Spieler sind viel zu wenig in der Entfaltung". Das hat er schön gesagt. Hört sich besser an als "Wir brauchen mehr Straßenfußballer", was DFB-Manager Oliver Bierhoff sagte - und das Gleiche meinte.

Robust, schnell, große Lust auf Fußball

Hinten wirbeln Nicholas Engels und Luca Zirener über den Platz, um Angriff und Verteidigung zu simulieren. Stets auf Abstand, aber auch auf maximale Genauigkeit in der Bewegungsausführung bedacht. Vorne lobt Schmidt nebenbei den fünffachen Jugendnationalspieler, dessen erster Verein SV Bommersheim ein bis zwei Mal pro Woche für die Sondereinheiten den Platz "Im Himmrich" zur Verfügung stellt. Er habe "voll Bock auf Fußball", ordne sich für seine Trainingsziele stets unter, sei körperlich voll da, "sauschnell", und die Eltern stünden voll dahinter, sagt Schmidt. Was er auch denkt: "Vielleicht wird das einer."

Vorerst ist Nicholas Engels aber noch Zuschauer des "großen Fußballs". Am Samstag, beim Geisterderby zwischen Eintracht Frankfurt und Mainz 05, war er hin- und hergerissen. Denn der Eintracht hält er schon seit seiner Kindheit die Daumen. Dass sein jetziger Verein einen 2:0-Sieg im Frankfurter Stadtwald feierte, fand er dennoch gut. "Wir", lächelt "Nickel", "wir brauchen sie nötiger im Abstiegskampf."

Wer es aus dem Taunus in die Bundesliga schaffte

Der 13. Mai 2014 war ein besonderer Tag im Hochtaunus-Fußball. Als Joachim Löw im Spiel gegen Polen Sebastian Jung in der 71. Minute für Kevin Volland einwechselte, war der Königsteiner Rechtsverteidiger der erste Fußballer aus seiner Heimatregion, der es zu Länderspielehren schaffte. Es blieb für Jung bei diesem einen DFB-Einsatz, beim 0:0 in Hamburg. Für Eintracht Frankfurt absolvierte er 2009 bis 2014 insgesamt 148 Bundesligaspiele (vier Tore), ehe er zum VfL Wolfsburg wechselte. Inzwischen geht der immer wieder von Verletzungen heimgesuchte 29-Jährige für Zweitligist Hannover 96 auf Torejagd.

Gian-Luca Itter aus Mönstadt, einem Ortsteil von Grävenwiesbach, debütierte am 22. September 2017 für den VfL Wolfsburg im deutschen Oberhaus - und verteidigte direkt in der Münchner Allianz-Arena gegen Arjen Robben. Die "Wölfe" erreichten ein 2:2. Der heute 21 Jahre alte Linksverteidiger brachte es auf sieben Erstliga-Einsätze und hatte auch nach seinem Wechsel zum SC Freiburg im vergangenen Sommer schon mit hartnäckigen Verletzungen zu kämpfen. Sein erster Bundesliga-Einsatz unter Christian Streich hatte der Hochtaunus-Kicker am 7. März, als er beim 3:1 gegen Union Berlin eingewechselt wurde.

Etwas länger zurück liegt die Erstliga-Zeit von Ralf Haub. Der frühere Oberstedtener und heutige Trainer der SpVgg Bad Homburg absolvierte in der Saison 1987/88 fünf Spiele für die Eintracht.

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