Der Eschborner Anton Kniller (links) nahm im Juni auch an der WM-Qualifikation mit dem deutschen Team in Portugal teil. FOTO: Imago images
+
Der Eschborner Anton Kniller (links) nahm im Juni auch an der WM-Qualifikation mit dem deutschen Team in Portugal teil.

Beachsoccer

Über Nacht in die Bundesliga

  • Harald Joisten
    VonHarald Joisten
    schließen

Der SC Eschborn fiebert seiner zweiten Saison entgegen

Eschborn -Die Bundesliga. Mehr geht nicht. Zumindest nicht auf nationaler Ebene. Der Weg dorthin ist für viele Teams unerreichbar. Manchmal kann es hingegen ganz schnell gehen. Weil der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seine Randsparte Beachsoccer voran bringen möchte, sind hochwertige Quereinsteiger willkommen. So kann ein Verein mitunter über Nacht in den erlauchten Kreis aufsteigen - quasi per Wildcard. "Wir haben einen Antrag beim DFB gestellt. Dann wurde abgestimmt. Und weil wir drei Nationalspieler im Team haben, bekamen wir einen Platz in der Bundesliga", erzählt Asif Razi, Vizepräsident des SC Eschborn.

Rund anderthalb Jahre ist das her, und der Sport-Club aus dem Main-Taunus-Kreis ist stolz auf seine Sandplatz-Fußballer. "Ich finde es eine spannende Sache, dass wir im Verein so breit aufgestellt sind mit verschiedenen Sportarten", sagt der SCE-Vorsitzende Martin-Guy Sapha.

HSV und Hertha BSC als Gegner

Die erste Saison der Eschborner in der deutschen Beachsoccer-Liga fand 2020 wegen Corona in verkürzter Form statt. Vier Doppelspieltage plus Endrunde wurden in Düsseldorf und Warnemünde ausgetragen. Zwölf Teams nahmen teil, darunter klangvolle Vereine wie Hamburger SV und Hertha BSC Berlin. Deutscher Meister wurde zum zweiten Mal der Ibbenbürener BSC. Eschborn belegte Rang neun. Nun steht die zweite Saison bevor. Beginn ist vermutlich im August. Die genauen Spieltermine stehen noch nicht fest.

"Es macht mega Spaß. Und es ist mega schwierig im Sand", betont Asif Razi. Der Höchster hatte selbst großen Anteil am Aufschwung der Eschborner. Die drei Nationalspieler Anton Kniller, Georgi Lovchev und Salva Martinez kennt er aus früheren gemeinsamen Zeiten bei Eintracht Frankfurt. Razi war dort Teammanager der Futsal-Mannschaft (Hallenfußball). "Dann haben die drei Beachsoccer kennen gelernt und wollten es ab 2020 unter dem Dach des SC Eschborn machen, weil sie einen guten Draht zu uns haben", so Razi. Und dann ging alles ganz schnell. Die Aufnahme in die Bundesliga klappte, zudem gab die Stadt Eschborn grünes Licht, den Beachvolleyball-Platz in Niederhöchstadt zum Training nutzen zu dürfen. "Das ist ganz toll. Ein großes Dankeschön an die Stadt Eschborn", sagt Razi.

Einziges hessisches Bundesliga-Team

Und mit Anton Kniller hat das Team auch einen echten Anführer. Der bereits 36-Jährige nahm vor wenigen Wochen auch als einziger aus dem aktuellen Eschborner Kader mit der deutschen Nationalmannschaft an der Euro-Beachsoccer-League teil. Anschließend verpasste er mit dem DFB-Team bei der WM-Qualifikation in Nazare/Portugal knapp das Ticket für die Weltmeisterschaft in Russland - durch eine Niederlage im Viertelfinale gegen Belarus.

Kniller, der einst auch für den FC Eschborn in der Oberliga spielte, hat sich seit vielen Jahren auf Beachsoccer konzentriert. Das ist notwendig, um sportlich zu den Besten zu gehören. Selbst ein Lionel Messi wäre auf Anhieb kein herausragender Beachsoccer-Spieler. Es bedarf viel Training. Der Ball ist nur selten auf dem Boden, meist wird er in der Luft gehalten - technisch anspruchsvoll. Es gibt viele Torschüsse, mitunter liegen keine 30 Sekunden dazwischen. Ergebnisse von 8:4 oder 7:3 sind keine Seltenheit.

Trotz einer schon längeren Tradition steckt die Sommer-Sportart Beachsoccer in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Das war wiederum das Glück für den SC Eschborn, als bisher einziges Team aus Hessen in die Bundesliga aufzurücken. Der Club weiß es zu schätzen und würde es kommende Saison gerne mit Leistung zurückzahlen. Harald Joisten

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare