MSC Weilrod

Über Stock und Stein bei den Norddeutschen Meisterschaften

Beim Bike-Trial kommt es für die Artisten auf den Fahrrädern nicht unbedingt drauf an, fehlerfrei zu bleiben. Sondern schnell zu sein und sich zum rechten Zeitpunkt Fehler zu erlauben.

Wenn man so will, waren die Norddeutschen Meisterschaften für die jungen Bike-Trial-Fahrer des MSC Taunus-Racing-Team Weilrod nur ein Aufgalopp. Einer über Gesteinsbrocken, Baumstümpfe und einen ausrangierten Lkw. Auf dem Mountainbike, versteht sich. Denn nach den Titelkämpfen auf dem Riedelbacher Heidesportplatz am vergangenen Wochenende werden die Fahrrad-Artisten um Vater Rainer Schimpf und Sohn Robert Ende des Monats auf der kroatischen Insel Hvar fahren.

„Dort können wir in einer ganz besonderen Umgebung üben. Training am Meer und an den Klippen ist natürlich klasse“, freut sich Marcus Otte, der in Riedelbach als Wertungsrichter fungierte. Der Mann vom ASC Melsungen organisiert den Kroatien-Urlaub für 43 Bike-Trial-Fahrer aus mehreren Vereinen Hessens. Mit dabei ist dann auch die kleine Riedelbacher Trainingsgruppe um ihren 16-jährigen Trainer Lucas Voetz vom AMC Idstein, die bis dahin weiterhin montags ab 17.30 Uhr auf dem Heidesportplatz fleißig trainieren wird.

Wer vorher noch nicht wusste, was Bike-Trial genau für eine Sportart ist, der staunte im Weilroder Ortsteil nicht schlecht. Gefahren und gesprungen wird über Stock und Stein – auf einem Fahrrad ohne Sattel. Die Abteilung Fahrrad-Trial des MSC Taunus-Racing-Team war als Veranstalter für den achten und letzten Lauf der Norddeutschen Meisterschaften für den AMC Idstein eingesprungen, tags darauf ging es um den Hessencup.

In sechs Sektionen waren die Teilnehmer eingeteilt, je nach Altersklasse und Schwierigkeitsgrad. Acht Parcours innerhalb dieser Sektionen waren dann zu bewältigen. Gekennzeichnet sind die einzelnen Routen beim Bike-Trial mit farblichen Pfeilen und Markierungen, an denen sich die Fahrer orientieren können. Wenn ein Abschnitt ausgelassen wird, bedeutet dies die maximale Strafpunktzahl von fünf. Ein Versuch in einer Sektion ist auch beendet, sollten beide Füße des Fahrers den Boden berühren oder er sich mit der Hand abstützen. Wenn der Fahrer mit einem Fuß auftritt, wird ein Strafpunkt in das Gesamtergebnis eingerechnet.

„Der Ort hier ist ideal, wir hatten hier schon viele Gesteinsbrocken, große Bäume und Stümpfe und konnten gute Strecken präparieren. Ergänzt haben wir sie dann mit Hölzern, Reifen und einem ganzen Lkw“ beschreibt Rainer Schimpf vom Taunus-Racing-Team. Zum Wettkampf sagt er allgemein: „Die Fahrer müssen oft abwägen und Fehler gezielt einsetzen. Manchmal ist es besser, sich zwischen einem großen Sprung doch mit einem Fuß abzustützen und einen Strafpunkt in Kauf zu nehmen, damit aber ein Ausscheiden für die Runde zu vermeiden.“ Beim fünften Strafpunkt ist die Fahrt nämlich beendet, und nur drei Fahrversuche hat jeder Teilnehmer. Auf die maximale Fahrzeit mussten die Teilnehmer der Meisterschaften ebenfalls achten. Benötigte ein Fahrer länger, erhielt er nach zwei Minuten alle zehn Sekunden einen Strafpunkt.

Beim Bike-Trial benötigen die Fahrer ein hohes Maß an Geschicklichkeit, Balancegefühl und Ausdauer. Für die Zuschauer ist es faszinierend und beeindruckend, vergleichbar mit einem artistischen Schauspiel. Einen Sattel brauchen die Fahrer auch nicht wirklich. Sie stehen ohnehin die meiste Zeit auf der Stelle, um – manchmal auf wundersame Weise– mit ihrem Rad auf oder über Hindernisse zu springen.

Im Parcours auf dem Heidesportplatz zeigte auch ein früherer Vize-Weltmeister sein Können. Carles Diaz Codina, inzwischen 40 Jahre alt, freute sich, wieder einmal an einem Wettbewerb teilzunehmen. „Früher bin ich professionell beim spanischen Verband gefahren, jetzt mache ich das eher zum Spaß und fahre nur noch vereinzelt mit“, erklärte Codina, bevor er sich auf sein Rad schwang und mit dem Drahtesel quasi aus dem Stand auf einen mannshohen Baumstamm sprang. Aus der Übung scheint der Mann nicht zu sein.

Auch vor zwei Wochen war Codina beim Bike-Trail seines Vereins ASC Melsungen dabei gewesen, bei den vorherigen sechs Läufen zur Norddeutschen Meisterschaft jedoch nicht, daher wurde er für eine Platzierung in der Gesamtwertung nicht berücksichtigt. In Riedelbach wurde der Spanier Dritter hinter Jannis Oing vom TMSC Stadtlohn und Rico Baak vom MSC Salzbödetal. In der Gesamtwertung tauschten die beiden Letztgenannten die Plätze: Baak wurde am Abend als Norddeutscher Meister geehrt und Oing als dessen „Vize“. Kai Hiebert vom TMSC Stadtlohn belegte den ersten Platz bei der Jugend, gefolgt vom Riedelbacher Trainer Lucas Voetz. In der Anfänger-Klasse führte beim „Heimspiel“ am Riedelbacher Josha Stein kein Weg vorbei.

Den Hessencup tags darauf entschieden die Tredrup-Brüder vom TGV Schotten in der Eliteklasse für sich – mit Luis auf dem ersten und Henri auf dem zweiten Rang. Der junge Lokalmatador Robert Schrimpf belegte im Wettbewerb für Fortgeschrittene (bis zur Altersklasse U 13) den vierten Platz. Demnächst geht’s für den Jungen und seine Kumpels an der kroatischen Felsenküste dann nicht um Zeiten, Strafpunkte und Platzierungen. Die Erlebnisse auf dem Bike werden umso beeindruckender sein.

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