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Kampfbetontes Derby: Christian Kaus (Usinger TSG, links) behindert in dieser Szene Yassin Belfkih (FC Neu-Anspach).

Fußball Hochtaunus, Gruppenliga

Usingen ist der moralische Derby-Sieger

  • vonRobin Kunze
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Die Usinger SG trotzt dem Gruppenliga-Spitzenreiter FC Neu-Anspach ein 0:0 ab. Nicht jeder Zuschauer kommt auf den Sportplatz.

Usingen -Ein 0:0 sagt noch lange nichts über den Unterhaltungswert eines Fußballspiels aus. Der war gestern Abend im Gruppenliga-Derby der alten Rivalen Usinger TSG und FC Neu-Anspach hoch. Der Matchplan der Usinger, diesmal als Außenseiter angetreten, ging damit immerhin zur Hälfte auf: Möglichst lange sollte die Null gehalten und die eigenen Chancen genutzt werden. Der letzte Part klappte zwar nicht, doch das Tor verriegelte man sogar schon 20 Minuten vor Spielbeginn.

Nur 100 Zuschauer wurden aufgrund der Corona-Situation auf den Sportplatz gelassen. An diese Regel hielt sich die UTSG konsequent. Sogar der eigene rotgesperrte Spieler Perica Zrakic sowie Ex-Trainer Marcel Kopp wurden am Eingang abgewiesen. Daher verfolgten zusätzlich rund 80 nicht zahlende und Abstand haltende Zuschauer das Spiel hinter dem Zaun am Kunstrasenfeld.

Zu sehen bekamen sie eine vom Anpfiff an mit Tempo anlaufende Usinger Mannschaft. Mit viel Wucht brachen die Hausherren schon in der 2. Minute über die rechte Seite zur Grundlinie durch. In der Mitte kam Vinzent Schell aus kurzer Distanz zum Kopfstoß - und der Ball landete an der Latte.

Draußen blieb Jerome Lehmann, Sportchef des Tabellenführers, cool. "Wir sind auch deshalb in dieser Saison defensiv so stark, weil wir uns nicht durch solche Szenen aus der Ruhe bringen lassen", betonte er. Tatsächlich waren die Gäste durch den Lattentreffer nicht geschockt, blieben ruhig. Zu ruhig für den Geschmack von Jörg Loutchan. "Die ersten 20 Minuten haben wir komplett verpennt", ärgerte sich der FCNA-Coach. Deutlich aktiver war Maximilian Lorenz, der verletzungsbedingt nicht auflaufen konnte, von der Seitenlinie seine Teamkollegen trotzdem lautstark anfeuerte. "Nicht zu spielen ist schrecklich, besonders heute", sagte das Abwehr-Ass.

In der Defensive hatte Neu-Anspach weniger Probleme als im Spiel nach vorne. Durch aggressives, frühes und geschlossenes Anlaufen nahm Usingen den Gästen die Chance zum geordneten Spielaufbau. Szenen wie Niklas Kraus' Direktabnahme nach einer Freistoßflanke (12.) blieben selten.

Best: "Sie werden bis

zum Abpfiff laufen"

Da der FCNA ebenfalls keinen Zweikampf scheute, pendelte das Spiel in der Regel zwischen den Strafräumen. Als Außenstehender konnte man sich schwer vorstellen, dass Usingen das hohe Tempo durchhält, doch diesbezüglich machte sich Olaf Best keine Sorgen. "Sie werden bis zum Abpfiff laufen, um die Kondition mache ich mir keine Gedanken", so der Usinger Spielausschuss-Vorsitzende. Er sollte Recht behalten.

Kurz nach der Pause hatte der FCNA Vorteile. Torjäger Marco Weber scheiterte in einer Doppelchance zunächst am Lattenkreuz, dann am Usinger Keeper Dominik Roos (55.). In der 60. Minute kam dann bei Neu-Anspach mit Patrick Berschick ein weiterer Stürmer, doch der erhoffte Effekt blieb aus. Die letzten 20 Minuten gehörten eher wieder der Usinger TSG. Viele Chancen sprangen dabei zwar nicht heraus, dafür eine hochkarätige. Vier Minuten vor Schluss setzte sich die UTSG über links durch, die Flanke kam an den zweiten Pfosten, an dem Schell per Direktabnahme scheiterte.

Am Ende war es ein gerechtes Unentschieden, das aber ganz unterschiedlich aufgenommen wurde. "Ich bin nicht zufrieden. Wir haben nur so gespielt, als ob wir unsere Serie ohne Niederlagen verteidigen wollten. Das war zu wenig", kritisierte Loutchan.

"Wir haben es kämpferisch sehr gut gemacht, dazu auch spielerisch etwas versucht. Ich bin zufrieden, zumal bei einigen der Akku einfach leer war", so UTSG-Coach Marius Walz. Im Derby rennt der eine oder andere Spieler eben auch mit leeren Akkus wie das berühmte Duracell-Häschen.

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