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Erschöpft, aber glücklich: Vanessa Grimm (Königsteiner LV) nach dem Zieleinlauf.

Leichtathletik, Hochtaunus

Was Vanessa Grimm als Deutsche Meisterin im Fünfkampf leistete

Der Königsteiner LV freut sich über einen deutschen Meistertitel. Gut möglich, dass der Verein im Sommer eine EM-Teilnehmerin in seinen Reihen weiß.

Das kleine Märchen der Vanessa Grimm ist um ein Kapitel reicher. Und noch in diesem Jahr könnte es rund um die Protagonistin richtig spannend werden. Die Leichtathletin mit dem klangvollen Namen der Brüder Grimm, aufgewachsen in Hofgeismar an der Deutschen Märchenstraße, hat in ihrem ersten Jahr in der Altersklasse der Frauen gleich einmal einen deutschen Meistertitel gewonnen. Die Nationalkaderathletin, die in der Altersklasse U23 für Deutschland schon international im Einsatz gewesen ist, gewann jüngst bei der Mehrkampf-DM in Leverkusen den Fünfkampf.

Vor allem ihre Leistungen und Punktzahlen geben berechtigten Anlass zur Hoffnung, dass die Karriere der 22-Jährigen im Sommer tatsächlich märchenhafte Züge annimmt. Sie gilt als aussichtsreiche Kandidatin für die Europameisterschaften in Paris, da sich die deutsche Spitze im Siebenkampf um Vizeweltmeisterin Carolin Schäfer auf die Olympischen Spiele in Tokio fokussieren wird. Für ihren Verein, den Königsteiner LV, ist Grimm neben Weitspringerin Maryse Luzolo eines der beiden heißen Eisen im Feuer für die Europameisterschaften.

 Gleich in der Auftaktdisziplin hatte Grimm in Leverkusen ein Ausrufezeichen gesetzt. Sie wurde über 60 Meter Hürden hinter Lokalmatadorin Anna Maiwald (Bayer Leverkusen/8,50 Sekunden) Zweite. Die Zeit von 8,63 Sekunden bedeutete eine persönliche Bestleistung für die Wahl-Frankfurterin. Sie steigerte sich um stolze 15 Hundertstelsekunden. Maiwald konnte wegen Achillessehnenproblemen zu den weiteren Disziplinen nicht mehr antreten.

Also bestritt Vanessa Grimm den Wettkampf fortan als die „Gejagte“. Was für ihre Psyche kein Problem zu sein schien. „Ich erreiche bessere Leistungen, wenn ich meinen Spaß dabei habe und nicht, wenn ich abliefern muss“, hatte sie in einem Interview mit der Taunus Zeitung einmal gesagt. Diese Lockerheit behielt sie auch im Hochsprung bei, einer ihrer Lieblingsdisziplinen, und übersprang bis einschließlich 1,69 Meter alle Höhen gleich im ersten Versuch. Die 1,72 Meter klappten dann im zweiten, während sie die Latte in 1,75 Metern Höhe ganz knapp riss. „Diese Höhe wäre ich eigentlich gerne noch gesprungen“, ärgerte sich Grimm zwar ein wenig. Da jedoch nur Janina Lange (MTV Lübeck/1,75 Meter) besser war, ging sie auch als Führende ins Kugelstoßen. Mareike Arndt (Bayer Leverkusen war mit 14,28 Metern dabei die Stärkste, Grimm kam im letzten Stoß auf gute 14,03 Meter – punktemäßig lief alles nach Plan.

Viel Vorsprung für die 800 Meter

Auch im Weitsprung verlor die KLV-Athletin kaum Zähler auf die direkte Konkurrenz: Janina Lange, die später Zweite wurde, siegte mit 6,18 Metern. Vanessa Grimm landete bei 5,86 Metern noch vor Mareike Arndt (5,78 Meter), für die es am Ende zu Bronze reichen sollte.

Vor den abschließenden vier Hallenrunden (800 Meter) besaß Vanessa Grimm rund neun Sekunden Vorsprung auf die Konkurrenz und lief nach taktisch klugem Rennen als Sechstplatzierte überlegen zu Gold. 2:22,57 Minuten – so schnell hatte sie noch nicht die Mittelstrecke in der Halle absolviert. Mit starken 4263 Punkten holte sich Grimm gleich in ihrem ersten Jahr bei den Frauen den DM-Titel. Zudem verbesserte der Schützling von Coach Philipp Schlesinger ihren noch nicht einmal einen Monat alten persönlichen Rekord vom internationalen Meeting im französischen Clermont-Ferrand. Für die Freiluftsaison geht ihr Blick im Siebenkampf nun in Richtung 6000 Punkte. Die müssen ziemlich sicher auch erzielt werden, um bei der EM in Paris (26. bis 30. August) mit von der Partie zu sein.

Eines der drei Tickets des DLV zu ergattern, ist das große sportliche Ziel von Vanessa Grimm. Was ihren Beruf angeht, hat die Athletin, die 2017 zum KLV gekommen war, ihr kleines Märchen übrigens ebenfalls fortgeschrieben. Als Polizeikommissarin hat sie eine Beamtenlaufbahn begonnen. (jp/met/rem)

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