+
Hüseyin Güven

Fußbal

Vatanspor geht gegen das Urteil vor

Das Sportgericht des Hessischen Fußball-Verbandes muss eine Verhandlung mehr terminieren. Der TSV Vatanspor war in erster Instanz zu Punktabzügen und Geldstrafen verurteilt worden. Grund war die fehlende Spielberechtigung eines Akteurs.

Es geht um einen Fußballer, der bei seinem früheren Verein in eine politische Auseinandersetzung geraten sei und deshalb nichts von seiner jüngeren Vergangenheit erzählt habe. Es geht um einen Verein, der falsche Angaben über den letzten Club des Spielers machte. Und jetzt geht es auch um den Hessischen Fußball-Verband (HFV), der nach Ansicht jenes Vereins, Verbandsligist TSV Vatanspor, diesen Fehler zu hart bestraft hat.

Wie Hüseyin Güven, Sportlicher Leiter des Bad Homburger Vereins, dieser Zeitung mitteilte, hat Vatanspor gegen das Urteil des Verbandssportgerichtes Einspruch eingelegt. Es wird deshalb zu einer neuen Verhandlung kommen und die Urteile werden noch nicht vollzogen.

Der Tabellendritte der zweithöchsten hessischen Spielklasse zielt in der Berufung auf die Punktspiele gegen Viktoria Nidda (3:0) und Usinger TSG (5:2) ab. Der HFV hatte die Spiele nachträglich mit 0:3 als verloren gewertet, weil Emin Yalin, jener eingangs erwähnte Spieler und sechsfacher Torschütze, nicht hätte mitspielen dürfen.

Was mittlerweile Fakt ist: Yalins Spielberechtigung war ungültig. Der Ex-Profi von Schalke 04 ist im November nicht, wie damals seitens des TSV Vatanspor angegeben, von der SG Sossenheim nach Bad Homburg gewechselt, sondern vom türkischen Drittligisten Amed SK. Hätte der HFV das gewusst, hätte Yalin erst 2018 mitspielen dürfen.

Vatanspor habe nichts davon gewusst, weil er wegen des türkisch-kurdischen Konfliktes, der bei seinem türkischen Ex-Club an der ostanatolischen Grenze eskaliert sei, dieses Intermezzo seiner Karriere lieber verschwiegen habe, erklärte Yalin am 22. Januar dann vor dem Sportgericht. Er habe sich bedroht gefühlt, sei deshalb aus der Türkei geflogen und habe niemanden über den wahren Grund informiert. Vorsitzender Rainer Lach (Darmstadt) folgte mit seinen beiden Beisitzern der Argumentation des Spielers und Vereins, und er sprach milde Urteile aus: Zwei Spiele Sperre für Yalin, 75 Euro Strafe für Güven, 100 Euro Strafe für Vatanspor plus Verfahrenskosten – und die beiden geänderten Spielwertungen.

Diese abgezogenen sechs Punkte sind der Vereinsführung aber sechs Punkte zu viel. Vatanspor fordert zumindest Wiederholungsspiele. Dafür lässt sich der Club nun auch anwaltlich vertreten.

Wie Klassenleiter Thorsten Bastian (Rockenberg) sagte, könne die Bestrafung für Vatanspor nicht höher ausfallen, da es sich um eine Berufungsverhandlung drehe. Das Verbandsgericht des HFV unter Vorsitz von Andreas Dietzel (Hammersbach) befasse sich nach der form- und fristgerecht eingelegten Berufung jetzt mit dem Fall – in nächsthöherer und letzter Instanz.

Zum Kreispokal-Viertelfinale gegen den 1. FC-TSG Königstein – Vatanspor hatte mit Yalin 1:0 gewonnen – ist noch kein Urteil ergangen. Wie uns der Vorsitzende des Kreissportgerichts, Bernd Moses (Grävenwiesbach), mitteilte, hat Vatanspor einem schriftlichen Verfahren zugestimmt. Ein Termin werde bald festgelegt, wie Moses erklärte.

Klassenleiter Bastian stellte indes heraus, dass die erstinstanzliche Entscheidung keine Rechtskraft besitze und die Tabelle weiterhin nicht den Punktabzug berücksichtige. Noch also liegt der TSV Vatanspor in der Verbandsliga Süd neun Punkte hinter dem Relegationsplatz, hat aber ein Spiel weniger als der direkte Konkurrent Türk Gücü Friedberg. Wenn das Sportgericht in zweiter Instanz jedoch den Sechs-Punkte-Abzug bestätigt, wäre die Aufstiegschance dahin.

Fernab von einer Bewertung des Einspruches verdeutlicht dieser Schritt, wie sehr der Verein inzwischen Aufstiegsambitionen hegt. Vor Saisonbeginn hatte Manager Güven sich noch verhaltener geäußert und sich eine Verbesserung des fünften Ranges aus der Vorsaison gewünscht. Diese Platzierung ist bis dato das beste Ergebnis des Bad Homburger Vereins.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare