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Prägend für das Spiel der Falcons und nicht verletzt: die US-Amerikanerinnen Laken James (links) und Quynne Huggins.

Basketball, 2. Bundesliga

Verletzungsmisere: Falcons Bad Homburg schenken Pokalspiel ab

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Die fünfte Saison in Folge gehören die Basketballerinnen der HTG nun der zweithöchsten deutschen Spielklasse an. Aber so etwas wie gerade eben hat deren Managerin noch nicht erlebt.

Normalerweise stehen Erfolg und Verletzungspech im Sport in einer negativen Korrelation zueinander. Je mehr verletzte Spieler, desto weniger Siege. Bei den Zweitliga-Basketballerinnen der Bad Homburg Falcons korrelieren diese beiden wesentlichen Komponenten auch, aber eher umgekehrt. Je größer das Verletzungspech der Vorzeigemannschaft der HTG-Abteilung, desto besser scheint das Team von Trainer Jay Brown zu spielen. Und erfolgreich sowieso: Nach dem fünften Sieg in Serie zählen die Homburgerinnen zu den sicheren Playoff-Kandidaten in der Süd-Staffel.

Die dritte Teilnahme an der Endrunde um die Meisterschaft seit dem Aufstieg im Jahr 2015 ist auch als Ziel ausgegeben worden. In diesen vier bisherigen Zweitliga-Jahren sei so gut wie nichts passiert, „aber in dieser Saison“, sagt Managerin Liz Rhein, „da ist es wie verhext“. Inzwischen hat sich die Misere so sehr zugespitzt, dass sich der Stamm auf fünf gesunde und damit auch einsatzfähige Zweitligaspielerin reduziert hat.

„Schon darauf gefreut“

Die Folge: Die HTG hat seine für Sonntag angesetzte Achtelfinalpartie im DBBL-Pokal gegen Bundesligist TK Hannover abgesagt. Aufgrund der bis Weihnachten im Wochenrhythmus getakteten Spieltage wird die Partie nicht verlegt, Hannover zieht kampflos in die nächste Runde ein.

„Wir hätten es gerne gespielt, und jeder hat sich schon darauf gefreut“, betont Rhein, „doch die Belastung für unsere noch gesunden Spielerinnen wäre einfach zu hoch.“ Dem Gegner gegenüber wäre es zudem nicht fair, nach dessen weiter Anreise eine Mannschaft aufzubieten, die spielerisch und athletisch nicht in der Lage ist, auf Zweitliga-Niveau zu spielen.

Die lange Liste

Die Regionalliga-Reserve der Falcons steht zwar als Tabellendritter so gut da wie nie, jedoch wäre ein solches Abschneiden ohne regelmäßige Verstärkung der jungen Spielerinnen aus dem Zweitliga-Kader nicht möglich. Von jenen Talenten kann derzeit übrigens auch kaum jemand den Ball in die Hand nehmen. Lejla Jugo (17/Finger gebrochen) und Liz Rheins Tochter Emma (19/Daumennagel abgerissen) müssen verletzungsbedingt pausieren, die erst kürzlich nominierte Jugendspielerin Nuria Gonzalez Lopez (16) ist zudem mit ihrer Schule unterwegs.

Die Namen der etablierten Spielerinnen auf der Verletztenliste lauten schon länger: Lisa Marie Kämpf (Bänderriss), Sarah Kuschel (Schulterverletzung), Leah McDerment (Verdacht auf Ermüdungsbruch und Knochen-Ödem). Beim furiosen 102:58-Erfolg gegen BSG Basket Ludwigsburg verletzte sich jetzt auch noch Topscorerin Nerea Garmendia. Die Spanierin klagt über eine Prellung am Daumen, „das radiale Seitenband ist auch gezerrt“, ergänzt Rhein. Die Bad Homburger Basketball-Managerin kennt sich mit solchen Fachbegriffen aus der Anatomie inzwischen aus.

Bis zum nächsten Punktspiel am 8. Dezember bei der SG Weiterstadt hoffen Brown, dessen Co-Trainer Markus Kühn und Rhein auf das ein oder andere Comeback. „Zum jetzigen Zeitpunkt werden wir keine Spielerin nachverpflichten“, sagt Rhein. So einfach ist das auch alles nicht mehr. Die finanziellen Mittel sind nach dem Rückzug des Hauptsponsors (im Sommer) begrenzt, auch wenn einer der verbliebenen Geldgeber inzwischen mit seinem Namen auf das Trikot gegangen ist.

Das Übersee-Kontingent

Zudem hat die HTG mit Elizabeth Laken James erst kürzlich eine Aufbauspielerin aus den USA geholt. Für Sasha Polishchuk, die – vor allem – studienbedingt nicht mehr für die Falcons spielen wird. Damit ist das Kontingent von zwei Übersee-Spielerinnen für den Spielbetrieb in der 2. Liga auch erschöpft. Auf dem europäischen Markt sei es grundsätzlich schwer, an gute und auch bezahlbare Spielerinnen zu kommen. Das sagen Liz Rhein, die sich mit Coach Brown um Neuverpflichtungen kümmert, die Erfahrungen aus den letzten Jahren.

Also wird das hochklassigste Basketball-Team aus dem Hochtaunus weiterhin auf seinen inzwischen sehr kleinen Kader bauen (müssen). Zur Not können ja noch Regionalliga-Spielerinnen aushelfen. Und besser gespielt als zuletzt haben die Falcons tatsächlich selten.

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