Shakehands nach dem Spiel: Viele Mit- und Gegenspieler von Axel Meyermann (rechts) sind nur halb so alt wie er.
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Shakehands nach dem Spiel: Viele Mit- und Gegenspieler von Axel Meyermann (rechts) sind nur halb so alt wie er.

Hockey, Hochtaunus

Die verrückte Karriere des Axel Meyermann

  • Thorsten Remsperger
    vonThorsten Remsperger
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Mit 39 Jahren griff der Bad Homburger Aufstiegsgarant erstmals zum Schläger - keine fünf Jahre später hütet Axel Meyermann ein Hockeytor in der Oberliga Hessen.

Vielleicht liebt es Axel Meyermann gerade deshalb so, ein Hockeyspieler zu sein, weil er zu den absoluten Spätzündern gehört. Was er aber gar nicht lange aushält: Wenn andere Torhüter in seine Nähe kommen. Da die Ausrüstung zum größten Teil aus Plastik bestehe, käme es zu Geruchsbildungen, erzählt er flachsend. Die macht dem Keeper des HC Bad Homburg vermutlich mehr zu schaffen als mancher scharfer Schuss auf sein Hockeytor, in dem er während der ordnungsgemäß beendeten Hallensaison zu einem der Erfolgsgaranten seiner Mannschaft avancierte. Sie stieg in die Oberliga Hessen auf.

Zwei Waschmaschinen-Gänge seien für seine Ausrüstung nach jedem Training oder Spiel genauso vonnöten wie eine gute Viertelstunde in der Kabine, bevor es überhaupt los geht. "Die Zeit muss man schon einplanen, wenn man Torwart sein möchte", sagt Meyermann und denkt dabei an Brustpanzer, Helm, Schienen, Schoner und Unterleibsschutz. Utensilien, die er dafür alle an seinem Körper trägt.

Logischerweise ist zwischen Hallen- und Feldsaison gerade Pause. Aber der Homburger Keeper mit dem kahl geschorenen Schädel und dem Rauschebart kann es kaum abwarten, bis er endlich die Ausrüstung wieder anlegen kann. Seine Karriere dauert ja erst knapp fünf Jahre an. Dabei ist Meyermann schon 44. Nur eine der Kuriositäten, die es über ihn als Hockeyspieler zu erzählen gibt.

Im Mittelpunkt des Geschehens: Bevor Axel Meyermann sich ins Tor stellt, nimmt er sich in der Kabine eine Viertelstunde Zeit, um seine Ausrüstung korrekt anzulegen.

Zunächst hatte sich der dreifache Familienvater gedacht, dass Hockey etwas für seine Kinder sein könnte. Weil Sohnemann Emil und seine jüngste Tochter Jule zumindest das Spiel in jungen Jahren ausprobierten, wollte der Papa auch wissen, wie man den Ball schlägt und mit dem Ball am Schläger läuft. Und Konni Wortmann, Trainerin im Elternhockey des HCH, scheint ihren Job zu verstehen. Jedenfalls fing Axel Meyermann, beruflich im Immobilien-Projektmanagement tätig, sportlich bis dato eher im Fußball und Tennis, Feuer für das Hockey. Erst einmal war er Feldspieler. Auch bei den HCH-Senioren war das noch so, die gerne auf das Oktoberfest in München oder zur Kieler Woche fahren - und dabei tatsächlich jeweils ein Hockeyturnier absolvieren. Unter anderem.

Als es für die HCH-Cracks im Sommer 2018 dann zu den deutschen Meisterschaften im Beachhockey an den Timmendorfer Strand ging, war das für Meyermann in zweierlei Hinsicht aufregend: Im kleinen Stadion im Sand gaben sich die Ü40-Oldies aus dem Taunus mit Olympiasiegern und früheren Nationalspielern wie Moritz Fürste die Klinke in die Hand. Und er ging zwischen die Pfosten, weil sonst kein Torwart im Team war. Prompt holten die "Masters" des HCH den Titel.

Wieder zurück im normalen Hallen-Spielbetrieb, baute sein Verein um Keeper Meyermann eine 2. Mannschaft auf, mit dem Hintergedanken, junge Spieler an die "Erste" heranzuführen. Jedoch traf dies auch auf den Spätzünder zwischen den Pfosten zu. "Die Jungs haben einen gebraucht, den sie abschießen können", lächelt Meyermann, "und mir macht das durchaus Spaß".

Auf zwei Dinge kommt es im Tor an

Überhaupt müsse ein Hockeytorwart aus seiner Sicht vor allem über zwei Eigenschaften verfügen: Mut ("Keine Angst vor dem Ball haben") und Reaktionsschnelligkeit. Weil sich der Quereinsteiger so schlecht nicht anstellt - obwohl er nur über rudimentäre Hockeykenntnisse verfüge, wie er selbst witzelt - debütierte er im Winter 2019 in der 1. Mannschaft. Und wegen personeller Engpässe avancierte Meyermann in der Feldsaison sogleich zum Stammtorwart.

So kam es, dass er erst in der höchsten hessischen Spielklasse seinen Mann stand und schließlich auch in der Halle mit dem HCH als Drittplatzierter der 1. Verbandsliga in diese aufstieg. In der 1. Mannschaft tummeln sich talentierte Studenten, Abiturienten und Schüler. Dann ein paar spielstarke Routiniers um die 30 wie Spielertrainer Moritz Schneider. Und Axel Meyermann, der wegen des Altersunterschieds der Vater von den meisten Teamkameraden sein könnte.

Wie er das sieht? "Ich lerne viel." Sehr angenehm empfindet er es, als gleichberechtigter Mitspieler behandelt zu werden. Andererseits plaudere er bei den Vätern der jungen Kameraden auch keine mannschaftsinternen Geheimnisse aus. Auf die Loyalität ihres Keepers können die Hockey-Jungs genauso vertrauen, wie auf seinen Mut und seine Reaktionsschnelligkeit.

So fit wie im vergangenen Jahr, sagt Meyermann, sei er seit dem Abitur nicht mehr gewesen. Wenn die Einsätze auch mit Schmerzen einhergingen. "Je nachdem, wie viele Bälle ich abbekommen habe." Sein Ehrgeiz sei weiterhin groß. Einen Tag benötige er, um ein verlorenes Spiel zu verarbeiten.

Doch eines ist auch klar: Wenn Talente auf seine Position drängten, stelle er sich nicht in den Weg. "Der Höhepunkt meiner Karriere war der Oberliga-Aufstieg", meint Axel Meyermann, "eigentlich hätte ich auf diesem ja aufhören müssen".

Sag' kein Wort

Der Auto hatte zu Beginn des langen Telefongesprächs mit Axel Meyermann etwas vereinbart. Kein Wort über Corona. Und siehe da: Es hat geklappt. Probieren auch Sie es mal aus. Es hilft!

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