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Sie werden den TTC OE verlassen: Nandor Ecseki (links) und Harald Andersson.

Tischtennis, 2. Bundesliga

Viel los beim TTC OE: Wechsel im Spielerkader und in der Geschäftsführung

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Neue Nummer eins aus Indien, drei weitere neue Spieler, Wechsel in der Geschäftsführung: Warum der Zweitligist einiges ändert

Seit Jahren gilt der TTC OE Bad Homburg in Tischtennis-Kreisen als aufstrebender Verein in Deutschland, vielleicht sogar als der aufstrebende Verein. Am Status des Fernziels der Ober-Erlenbacher, dem Aufstieg in die 1. Bundesliga, ist kürzlich aber erneut keine Änderung vorgenommen worden. Zum zweiten Mal in Folge hat der Verein darauf verzichtet, die Erstliga-Lizenz zu beantragen. Dabei ist die sportliche Qualifikation für den Aufstieg nach der Vizemeisterschaft im Vorjahr auch in dieser Saison realistisch. Bei einem Rückstand von zwei Punkten und zwei verbleibenden Spieltagen kann die Mannschaft sogar noch Zweitliga-Meister werden.

Im nächsten Jahr könnten dann aber aller guten Dinge drei werden. So interpretiert mancher Tischtennis-Fan die Kaderzusammenstellung, die der Verein schon zum jetzigen Zeitpunkt abgeschlossen hat, obwohl die Wechselfrist erst im Mai endet. Das Signal ist schon von den Ranglistenpunkten und Erfolgen der Neuzugänge abzulesen: Die Qualität der Mannschaft wird nochmals angehoben.

Als letztes Mosaikstein für den Kader 2019/20 gab der TTC OE die Verpflichtung von Harmeet Desai bekannt. Der 25-jährige Profi aus Indien ist die Nummer 105 der Weltrangliste, und nicht wenige trauen dem Mann, der bei den Asian Games schon die Bronzemedaille gewann, mehr zu. Desai habe für die meisten Spiele zugesagt und halte sich oftmals in Deutschland auf, da er am Master-College des momentanen Bundesliga-Tabellenführers TTC Ochsenhausen mittrainiert, erläutert Mirko Kupfer, Sportlicher Leiter der Ober-Erlenbacher.

Drei Spieler gehen

Regelmäßig in Oberschwaben zu üben und im Hochtaunus zu spielen, dieses Motto gilt auch für die beiden jungen Neuverpflichtungen Samuel Kulczycki (16/Polen) und Lev Katsman (17/Russland). Dazu kommen mit Nils Hohmeier ein deutscher U23-Nationalspieler, die bisherige Nummer eins Rares Sipos (18/Rumänien) und mit Kapitän und Doppel-Spezialist Dominik Scheja sozusagen die Konstante im Team. Harald Andersson (zurück nach Schweden), Nandor Ecseki (zum schwedischen Champions-League-Teilnehmer Eslövs AL BTK) und Alexander Valuch (Ziel unbekannt) stehen als Abgänge fest. „Wir hätten sie gerne gehalten“, sagt Kupfer. Entweder seien die Vertragsangebote nicht angenommen worden oder die Spieler haben höherklassig spielen wollen.

„Unser Etat wird sich weiterhin im Bereich von 80 000 Euro bewegen“, sagt Kupfer, auch um Spekulationen zuvorzukommen, der Verein habe „aufgerüstet“. Zwei, drei neue Sponsoren habe man schon dazugewinnen können, die Zusammenarbeit sei aber langfristig angelegt und nicht mit höheren Zuwendungen verbunden, mit denen der Etat aufgestockt werden könne. „Unter 200 000 Euro macht es aber überhaupt keinen Sinn, in die Bundesliga hochzugehen“, sagt er.

Die Aussage Kupfers ähnelt den Statements seines bisherigen Kollegen Johannes Herrmann. Während Kupfer – seit Juli 2018 im Amt – ein Geschäftsführer der Unternehmer-Gesellschaft (UG) für den Bundesliga-Spielbetrieb der Ober-Erlenbacher bleibt, wurde Herrmann der Vertrag als UG-Geschäftsführer zum 30. Juni nach sechsjähriger Tätigkeit gekündigt. „Die zukünftige Ausrichtung des Bundesligaspielbetriebs ergaben unterschiedliche Auffassungen“, hieß es am Mittwoch in einer sehr knapp gehaltenen Pressemitteilung des TTC OE.

Die Personalie Johannes Herrmann

Am Donnerstag äußerte sich nun Martin Baugard zu dieser Personalie. Er ist einer der sieben Gesellschafter und war früher Vereinsvorsitzender. „Wir wären ohne Johannes Herrmann niemals in die 2. Bundesliga aufgestiegen“, sagte Baugard, „wir würden niemals in einer solchen Halle spielen, er hat sich um unser Vereinslogo gekümmert. Er hat viel Positives bewirkt.“

Was die „fristgerechte Kündigung des Vertrages“, so Baugard, betrifft, hielt er sich bedeckt. Die zukünftige Ausrichtung des Vereins sehe vor, sich in der 2. Bundesliga zu konsolidieren, zurück zu einer konstruktiven Teamarbeit zu kommen und Begeisterung wecken zu wollen, sowohl im Verein als auch unter Tischtennis-Anhängern.

Was die Finanzen angeht, hört sich diese Aussage weitaus defensiver an, als man es vom TTC OE in jüngerer Vergangenheit kannte. Die beiden anderen Ziele könnten auch aus dem Munde des scheidenden Geschäftsführers stammen.

Den Erstliga-Aufstieg, das bestätigte Johannes Herrmann am Donnerstag gegenüber dieser Zeitung, hätte er schon gerne bald realisiert, habe sich bei der Strategie aber immer am Verein orientiert. Der TTC OE sei sein „Herzensprojekt“ gewesen, in das er über Jahre viel Zeit investierte, was in keinem Verhältnis zu seiner vertraglich vereinbarten Entlohnung gestanden habe. Umso mehr ärgere er sich nun über das „abrupte Ende“. In einer Gesellschafter-Sitzung am Montagabend sei ihm der Entschluss mitgeteilt worden und er darüber sehr überrascht gewesen. „Ich habe so viel für den Verein gemacht. Da hätte ich erwartet, dass wir vorher wenigstens miteinander reden. Wir hätten überlegen können, wie wir weiterhin zusammenarbeiten.“

Das war vonseiten der Gesellschafter, die auch im Club engagiert sind, so aber offensichtlich nicht gewollt. Zeitnah, sagt Martin Baugard, werde der zweite Geschäftsführer-Posten neu besetzt. Und Johannes Herrmann sagte, dass der Vertrag zwar zum 30. Juni auslaufe, er aber schon jetzt nicht mehr in die Geschäfte der UG und des Vereins involviert sei.

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