Auch wenn’s manchmal wehtut: Moses Nickmann (links) vom TuS Dietkirchen braucht noch Punkte gegen „Kellerkinder“ der Gruppe B, während Raffael Grigorian vom SV Zeilsheim mit der Qualifikation für die Aufstiegsrunde liebäugelt.
+
Auch wenn’s manchmal wehtut: Moses Nickmann (links) vom TuS Dietkirchen braucht noch Punkte gegen „Kellerkinder“ der Gruppe B, während Raffael Grigorian vom SV Zeilsheim mit der Qualifikation für die Aufstiegsrunde liebäugelt.

Fußball im NNP-Land

Von einem Punkte-Geschenk für Weyer, „Überkreuz-Planspielen“ in der Hessenliga und Schwerstarbeit für das Sportgericht

  • Marion Morello
    VonMarion Morello
    schließen

Es ist einiges los im NNP-Fußball-Land. Über drei völlig unverhoffte Punkte freut sich der RSV Weyer in der Verbandsliga Mitte, und in den beiden Hessenliga-Gruppen geht es in die heiße, richtungsweisende Phase in die Auf- oder Abstiegsrunde. Darüber hinaus hat Kreisrechswart Heinz Schneider alle Hände voll zu tun.

Fußball-Verbandsliga Mitte

Damit hatte beim RSV Weyer irgendwie niemand gerechnet. Weil der FC Gießen 2 am vergangenen Sonntag gegen die Grün-Weißen vom Weilersberg einen nicht spielberechtigten Akteur (Aykut Öztürk) auf dem Platz hatte, wird der 4:1-Sieg kurzerhand in eine 0:3-Niederlage, also drei Punkte für den RSV Weyer, umgewandelt. Einzelrichter Horst Holl berief sich bei seinem Urteil - gegen das noch eine zweiwöchige Einspruchsfrist läuft - auf Paragraf 31,1 der Strafordung (fahrlässiger Einsatz nicht spielberechtigter/einsatzberechtigter Spieler) und verhängte zudem eine Geldstrafe in Höhe von 100 Euro gegen die Gießener. Aykut Öztürk, so hat Horst Holl ermittelt, war am Tag zuvor im Regionalliga-Spiel des FC Gießen in der 75. Minute eingewechselt worden. Nach Paragraf 26b Nr. 1 der Spielordnung „dürfen Amateure und Vertragsspieler eines Vereins, die am 01.07. das 23. Lebensjahr vollendet haben (Ü23) erst nach einer Schutzfrist von zwei Tagen in den nächsten Spielen der unteren Mannschaften (in Konkurrenz) ihres Vereins eingesetzt werden“, heißt es amtlich. Diese Voraussetzung war bei Aykut Öztürk nicht erfüllt. Der RSV Weyer hat somit - sofern es nicht zum Einspruch kommt, 17 Punkte und wäre Tabellenvierter.

Fußball-Hessenliga

Mit dem SV Rot-Weiß Hadamar und dem TuS Dietkirchen kicken bekanntlich zwei Vereine aus dem NNP-Land in der Fußball-Hessenliga, Gruppe B – der sogenannten „Südwest-Staffel“. Doch was passiert eigentlich in Gruppe A, der „Nordost-Staffel“? Die zweigeteilte Hessenliga – angesichts von 22 Vereinen alternativlos – verspricht Spannung wie selten zuvor. Fakt ist: In beiden Gruppen tragen jeweils elf Vereine in Hin- und Rückspiel eine Qualifikationsrunde aus. Am 11. Dezember besteht Klarheit, wer im neuen Jahr in der Auf- und wer in der Abstiegsrunde an den Start gehen wird. Die ersten Fünf jeder Gruppe spielen in der Zehner-Aufstiegsrunde, die letzten Sechs kämpfen in einer Zwölf-Abstiegsrunde um den Klassenerhalt.

Die Meinungen, welche Gruppe die stärkere ist, gehen natürlich auseinander. Klar ist: Das Niveau der Hessenliga hat sich in den letzten Jahren verändert. Die spielerische Komponente ist bei nahezu zwei Dritteln aller Mannschaften nicht mehr die erste Geige. Fußball ist und bleibt Ergebnissport, was dazu führt, dass richtig sehenswerte Spiele immer seltener werden. Das Problem hat die Bundesliga allerdings genauso.

In der Hessenliga, Gruppe A, gibt es zwei, wenn nicht sogar drei Top-Favoriten. Die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz wird dieser Rolle als Tabellenführer mit insgesamt erst fünf Verlustpunkten vollauf gerecht. Die Regionalliga ist das erklärte Ziel, daraus macht in Osthessen niemand ein Geheimnis. Aber wie so oft, haben die Barockstädter losgelegt wie die Feuerwehr, ehe die Leistungen in den letzten Wochen nur noch weniger gut waren. Regionalliga-Absteiger Eintracht Stadtallendorf, aktuell Dritter, hinkt den Erwartungen zwar ein Stück weit hinterher, wird es aber sicherlich in die Top Fünf packen. Der andere Absteiger aus der Regionalliga, FC Bayern Alzenau, spielt bisher eine sehr enttäuschende Saison, hat erst zwei Spiele gewonnen und rangiert auf Platz acht. Da muss deutlich mehr kommen, soll es noch für die Aufstiegsrunde reichen. Aber: Die Gruppe A ist ohnehin extrem eng, denn den Fünften trennen gerade einmal vier Pünktchen vom Tabellenletzten, SV Steinbach. Eine Prognose fällt daher äußerst schwierig.

Die positive Überraschung ist ohne Wenn und Aber der 1. FC Erlensee. Als Tabellenzweiter mit satten 23 Punkten scheint die Qualifikation für die Aufstiegsrunde reine Formsache – das hätten wohl nur die kühnsten Optimisten so erwartet.

Ganz klare Kandidaten für die Abstiegs-Staffel sind Schlusslicht SV Steinbach (11.), der SV Buchonia Flieden (10.) und der SV Neuhof (9.). Vereine wie der Hünfelder SV – etwas überraschend auf Platz vier –, der eigentlich stärker eingeschätzte 1. Hanauer FC (5.), der KSV Baunatal (6.) und der FSV Fernwald (7.), der personell besser aufgestellt ist, als im Vorjahr, werden freilich um die Plätze vier und fünf kämpfen.

Wichtig: Die Vereine nehmen nur die Punkte mit, die sie gegen Mannschaften geholt haben, die im neuen Jahr in der gleichen Runde kicken. Und genau diese Tatsache spricht ein bisschen gegen den TuS Dietkirchen. Womit wir auch schon in Gruppe B wären. Die Mannschaft von Trainer Thorsten Wörsdörfer hat bisher als Tabellen-Achter 14 Zähler geholt. Zehn davon allerdings gegen Teams, die vermutlich in der Aufstiegsrunde platziert sein werden. Platz fünf am 11. Dezember wäre natürlich für die Reckenforstler ein absoluter Traum, weil der Klassenerhalt dann feststünde, allerdings erscheint das eher unrealistisch. Wenn keine großen Wunder mehr geschehen, dürften der FC Eddersheim (1.) und der SV Rot-Weiß Hadamar (2.) bereits so gut wie für die Aufstiegsrunde qualifiziert sein. Sieben Punkte Vorsprung auf Rang sechs sollten weder hüben wie drüben in acht beziehungsweise neun verbleibenden Partien noch verspielt werden. Vermeintliche Top-Favoriten wie der SC Hessen Dreieich (5.) oder Türk Gücü Friedberg (9.) erfüllen – nach aktuellem Stand – die Erwartungen bei Weitem nicht. Vor allem für die Friedberger dürfte es schwierig werden, noch in die Top Fünf zu kommen.

Mehr erwarten durfte der neutrale Beobachter sicherlich auch von Rot-Weiß Walldorf (6.). Klar, läuft alles normal, werden es neben Eddersheim und Hadamar auch Dreieich und Walldorf packen. Da mit dem SC Waldgirmes (3.) aber ein weiterer Verein oben mitmischt, ist ein „Hauen und Stechen“ zu erwarten. Und dann wäre da ja auch noch der SV Zeilsheim (4.), der bisher wirklich zu überzeugen wusste und sich nicht ohne Weiteres von seiner guten Position verdrängen lassen wird.

Eine überraschend gute Rolle spielt auch Viktoria Griesheim (7.), das ebenfalls noch in der Verlosung steckt. Aber dass die Darmstädter ihre teilweise starken Leistungen bis zum Ende durchdrücken werden, erscheint unwahrscheinlich. Lediglich am Tabellenende müsste feststehen, dass Schlusslicht FV Bad Vilbel und der VfB Ginsheim (10.) ziemlich sicher in der Abstiegsrunde landen werden.

Da beide Gruppen – bis auf wenige Ausnahmen – extrem eng beieinander liegen, muss jedem Verein klar sein, dass jedes weitere Spiele von enormer Bedeutung sein kann. Doch gerade diese Tatsache macht die Hessenliga so interessant. Es bleibt hochspannend... PATRICK JAHN

Sportgericht

Dass die am vergangenen Sonntag beim Stande von 0:0 in der 85. Minute wegen einer schweren Verletzung des Schiedsrichters abgebrochene A-Liga-Partie FSG Dauborn/Neesbach - RSV Weyer 2 für den 28. Oktober neu angesetzt werden muss, war eine der leichteren Entscheidungen, die der Vorsitzende des Sportgerichts Limburg-Weilburg, Heinz Schneider, treffen musste. Was dem Offheimer viel mehr zu schaffen macht, sind „üble Beleidigungen und Tätlichkeiten vor allem gegen Schiedsrichter“, die in den letzten Wochen und Monaten vermehrt um sich gegriffen hätten.

So soll es unter anderem zuletzt am Rande des Spiels TuS Linter 2 gegen den FC Zaza Weilburg 2 (2. Kreisklasse/B-Liga-Reserven) zu unschönen Szenen und sogar einem Polizei-Einsatz gekommen sein. Im Visier der Zaza-Crew: Schiedsrichter Yannick Silbereisen (SV Oberweyer). Er hatte in den 90 Minuten neun Gelbe Karten sowie zwei Zeitstrafen gegen die Weilburger verhängen müssen - dem hielten die Nerven einiger Zaza-Akteure offenbar nicht länger Stand. Wie Zeugen berichten, soll es zu übelsten Beleidigungen gekommen sein, die die zwischenzeitlich geduschten und umgezogenen Zaza-Reserven-Spieler in Richtung des als Zuschauer beim Spiel der 1. Mannschaften am Spielfeldrand weilenden Schiedsrichters entsandten. Ein zufällig anwesender Mitarbeiter des Limburger Ordnungsamts zog schließlich die Reißleine und rief die Polizei, die anschließend „deeskalierend“ auf die Beteiligten eingewirkt hätte.

Zudem hat es Heinz Schneider einmal mehr mit WGB Weilburg zu tun; diesmal allerdings mit der 2. Mannschaft, die in der C1 in Konkurrenz spielt. Dort scheint man es mit der Satzung nicht so genau zu nehmen. Wie zu hören war, setzten die WGB-Verantwortlichen in schöner Regelmäßigkeit Spieler der 1. Mannschaft wahllos in der Reserve ein. Dies gilt es jetzt zu prüfen und gegebenenfalls zu bestrafen. MARION MORELLO

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare