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Walter Schimmel fand es in Kirdorf am schönsten

Walter Schimmel führte die SGK Bad Homburg einst als Trainer in die Landesliga. In der großen Fußballwelt mischt der Frankfurter indes noch heute munter mit: Der langjährige Vereinsfunktionär ist inzwischen Chauffeur.

Walter Schimmel müsste eigentlich Walter „Brauner“ heißen. Schimmel ist auch ein Begriff für weiße Pferde, die im Lauf der Jahre immer blasser werden. Walter Schimmel kennt man aber seit Jahrzehnten mit sonnenverwöhntem Teint. Egal ob Sommer oder Winter: Der Mann sieht immer so aus, als wäre er gerade von einem Segeltörn aus der Karibik zurückgekehrt.

Seine „70“ sieht man ihm nicht an. Man erkennt ihn auch nach Jahren sofort wieder. Gealtert ist er kaum. Nach wie vor tritt er gut gelaunt auf, so wie man sich an ihn erinnert in den, wie er selbst sagt, „zehn großartigen Jahren“ bei der SG Kirdorf.

Dort, am Wiesenborn, hat Walter Schimmel für eine positive Atmosphäre gesorgt. Manche sahen in ihm einen Sonnyboy unter den Trainern. Er hat aber nicht nur gute Laune verbreitet, sondern mit seinem Team sportliche Erfolge erzielt in der wahrscheinlich besten Zeit des Vereins. 1988 und 1989 wurde die SGK Vizemeister der Bezirksliga Frankfurt/West und 1990, passend zum 100-jährigen Jubiläum des Vereins, Meister und Aufsteiger in die Landesliga. Viele Spieler wie Frank Diergardt, Andreas Jordan und Stefan Büntemeyer sind im Homburger Stadtteil unter seinen Fittichen bekannt geworden.

Manch einer hat nie besser gespielt als unter Schimmel, gebürtiger Frankfurter und zu Trainerzeiten selbstständiger Friseurmeister. Zu Hochform lief er nach gewonnenen Spielen auch in der Kabine auf, wie er selbst erzählt. „Irgendwie muss ich ein Gesangstalent sein. Nach Siegen forderten mich meine Spieler immer wieder in der Kabine zum Singen auf, und ich trällerte Fußball-Lieder, die heute fast keiner mehr kennt“, schmunzelt Schimmel, wenn er an die schöne Zeit zurückdenkt.

Eines Tages rief Wolfgang Steubing, damals Vorstand bei Rot-Weiss Frankfurt, bei Schimmel an. Die beiden kannten sich schon länger, weil Steubing im Friseurladen Schimmels Kunde war. Es war quasi ein Hilferuf. Schimmel rettete schließlich im Verbund mit Alex Caspary als Trainer die Elf vom Brentanobad, die er mit null Punkten auf dem Konto in der Hessenliga übernommen hatte.

Inzwischen haben die beiden, Steubing und Schimmel, wieder zusammengefunden. Der Ex-Trainer ist seit knapp zwei Jahren Chauffeur des Börsenmaklers und Aufsichtsratsvorsitzenden von Eintracht Frankfurt. Zu Auswärtsspielen des Bundesligisten fährt Schimmel seinen langjährigen Weggefährten zum Beispiel.

Doch wieder weiter zurück in Schimmels Vita: Nicht weit von der Börse in der Schillerstraße betrieb Schimmel einst eine gut gehende Bierstube und auch ein Tabak-Toto-Lotto-Lädchen in der Fressgass. Wie vorher in seinem Friseurgeschäft ging Prominenz aus Sport und Politik bei ihm ein und aus. Speziell die Börsianer sorgten für guten Umsatz, wie er sich erinnert: „Die hatten immer einen guten Grund für ein paar Bierchen. Standen die Kurse schlecht, war es Kummer, wenn es gut lief, hatte man Grund zum Feiern.“

Ein wesentlicher Bestandteil seiner abwechslungsreichen Biografie sind auch die 17 Jahre, in denen Schimmel im Vorstand es FSV Frankfurt tätig war. Walter Schimmel hat hier alle Höhen und Tiefen miterlebt: vom Aufstieg bis in die 2. Bundesliga über die erfolgreichen Jahre in der zweithöchsten deutschen Spielklasse bis zum Absturz in die Regionalliga im vergangenen Jahr. Schimmel trat als Vizepräsident wie die anderen Vorstandsmitglieder des finanziell stark ins Wanken geratenen Clubs zurück. Schmutzige Wäsche waschen ist nicht sein Ding, aber man merkt ihm an, wie sehr ihn der Niedergang des Bornheimer Traditionsvereins getroffen hat.

Walter Schimmels Sympathien gehören heute fast allen Vereinen aus der Region, wie er sagt, auch bei „seiner“ SGK ist er manchmal in Kirdorf als Zuschauer dabei. Allerdings hat er auch einen familiären Draht nach Dortmund zur Borussia. Seine Tochter lebt in der Westfalenmetropole, und ihre beiden Buben spielen beim BVB. Da kommt der Opa nicht drumherum, auch den Schwarz-Gelben die Daumen zu drücken. Jedoch nicht, wenn es gegen die Eintracht geht.

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