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Warum American Football immer mehr Menschen erreicht

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Von: Thorsten Remsperger

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Finn Schwarzkopf (21) und Jakob Bourzazar (2) aus dem U-19-Team der Bad Homburg Sentinels jubeln gemeinsam. Football ist eine Sportart, bei der Teamgeist im Vordergrund steht.
Finn Schwarzkopf (21) und Bouzarzar (2) aus dem U-19-Team der Bad Homburg Sentinels jubeln gemeinsam. Football ist eine Sportart, bei der Teamgeist im Vordergrund steht. © zibart.de

Wir fragen nach dem Super Bowl an der Basis nach. Bei den Bad Homburg Sentinels, dem aufstrebenden American-Football-Club der Region, macht sich der Hype bemerkbar. Aber nicht alles ist rosarot.

Bad Homburg – Rudimentäre Lateinkenntnisse helfen weiter. Der „Super Bowl LVII“ war die 57. Auflage des größten Einzelsport-Ereignisses der Welt. Diesen Status hat das Endspiel der National Football League (NFL) in den Vereinigten Staaten schon lange. Eine solche Strahlkraft wie in diesem Jahr hatte es aber noch nie. Und das liegt in erster Linie an der Entwicklung des Nationalsports der US-Amerikaner hierzulande. Für Football interessieren sich immer mehr Deutsche.

Erstmals führte die NFL mit dem spektakulären 38:35-Sieg der Kansas City Chiefs gegen die Philadelphia Eagles zum Ausklang der Saison ein Punktspiel auf deutschem Boden durch. Nach dem Auftritt von Tom Brady und Co. im November in der Münchener Allianz-Arena, für den es hieß, es hätten drei Millionen Tickets verkauft werden können, soll es in diesem Jahr gleich zwei Ligaspiele in Deutschland geben. Eines mit den Chiefs um Patrick Mahomes, dem Brady-Nachfolger als Quarterback-Superstar, eines im Frankfurter Waldstadion.

Die wachsende deutsche Anhängerschaft wird’s freuen. In der Nacht zu Montag (ab 0.30 Uhr) schauten 2,3 Millionen Menschen das erste Spielviertel, vor allem 14- bis 49-Jährige. Darunter auch Spieler und Mitglieder der Sentinels, dem hiesigen Zweitligisten, die eine Party in einem Bad Homburger Fitnesscenter feierten.

American Football: Im Aufschwung auch dank „Icke“

Von den deutschen Footballern und Fans haben es nicht wenige schon ins Fernsehen geschafft. Dank eines interaktiven Sendeformats baute das Moderatoren-Team um „Icke“ Dommisch immer wieder originelle Foto- und Videobeiträge aus sozialen Netzwerken ein. Nicht nur beim Super Bowl, sondern bei jeder Live-Übertragung, von denen es zuletzt an den Wochenenden auf Pro 7, das zur neuen Saison die Senderechte an RTL verliert, einige bis tief in die Nacht gab.

Durch den „überragenden Marketing-Job der NFL in Europe, vor allem in Deutschland“ (Sentinels-Präsident Maximilian Schwarz) und die sehr gute Arbeit des deutschen Fernsehsenders – „Der Sport wird auch Leuten näher gebracht, die vorher keine Ahnung davon haben“ (U-19-Headcoach Markus Laumann) – steigen nach Meinung der Sentinels-Verantwortlichen die Football-Aktien. Auch durch die „Wiederbelebung“ der Frankfurt Galaxy in der European League of Football (ELF) mit durchschnittlich 5000 Fans bei den Spielen am Bornheimer Hang werde der Sport populärer.

„Den Hype spüren wir auch“, sagt Sandra Laumann, als Vizepräsidentin für die Jugendarbeit des Bad Homburger Clubs zuständig. In ziemlich jedem Training – derzeit zweimal pro Woche im Sportzentrum Nord-West, ab März dann auf dem Ober-Eschbacher Sportplatz – gebe es neue Jugendspieler, die den Sport ausprobieren wollten. „Wir bekommen quasi täglich eine neue Anfrage“, meint die Frau des U-19-Coachs. Die rund 150 Kinder und Jugendliche kämen aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet.

Weil eine verstärkte Nachfrage von Kindern auch bei anderen hessischen Vereinen herrsche, riefen die Clubs im Sommer erstmals selbst Turniere für die Altersklasse U 10 ins Leben. Gespielt werde in Fünfer-Teams die Flag-Variante, also körperlos, „es geht um den Spaß“, erläutert Sandra Laumann. Die Tackle-Variante wird ab der nächsten Altersklasse (U 13) praktiziert.

American Football: „Harter Sport, kein höheres Risiko“

Womit wir bei einem Ruf wären, der dem Football vorauseilt: ein gefährlicher Sport zu sein. Erschütternde Zahlen gibt es aus der NFL. So erlitt laut einer Statistik ungefähr jeder fünfte Profi in der Saison 2021/22 entweder eine Gehirnerschütterung (insgesamt 187) oder einen Kreuzbandriss im Knie (200). „American Football ist ein harter Sport, allerdings sprechen wir hier in Europa von einer anderen Intensität als in den USA“, sagt dazu Maximilian Schwarz, der auch ein Trainer des Männerteams der Sentinels in der GFL 2 ist. Verletzungen passierten, er sehe für Spieler aber kein übermäßiges Risiko im Vergleich zu anderen Sportarten.

Am Anfang habe sie als Mutter zweier footballbegeisterter Kinder auch Angst gehabt, sagt Sandra Laumann. Diese habe sich aber gelegt. Zum einen wegen der aufmerksamen Schiedsrichter, mindestens vier an der Zahl, die in Jugendspielen penibel die Regel anwendeten und bei bösen Foul rigoros mit Spielsperren durchgriffen. Andererseits wegen der Schutzkleidung. Für Neulinge verleihe der Verein auch Ausrüstungen, ansonsten gebe es über das Internet Anbieter, bei denen eine Leihe für rund 50 Euro pro Monat möglich sei.

Warum Football „der beste Teamsport“ ist

Ansonsten ist Football ein recht teurer Spaß, angefangen von Helmen für mehrere 100 Euro, je nach Hersteller. Um Teil des derzeitigen Hypes zu seien, darf es aber offenbar auch etwas kosten. Dafür gebe es für jeden einen Platz, erzählt Jugendtrainer Markus Laumann. „Football ist der beste Mannschaftssport, weil ihn jeder spielen kann, ob schnell oder langsam, groß und klein, schlank und kräftig.“ Beim Fußball werde bei einem Neuling vielleicht erst mal geschaut, was dieser am Ball so könne. „Bei uns wird direkt integriert.“ Am Ende des Trainings stelle sich ein Debütant dann der Mannschaft vor.

Weitere Faktoren für den hohen Zuspruch in seinem Team, das wieder in der Jugend-Bundesliga spielen möchte: eine im Vergleich zu anderen Vereinen der Region sehr große Gruppe („Bei 70 bis 80 Jungs ist eine ganz andere Dynamik drin, die strotzen vor Energie“) und viele geschulte Trainer mit Know-how. So könnte in kleineren Gruppen positionsspezifisch trainiert werden. Und wer „Bock“ darauf habe, selbst Coach zu werden, den bilde der Verein dazu aus, ergänzt Sandra Laumann.

Konträr zu dieser Entwicklung steht die Feststellung von Präsident Schwarz: „Durch die Corona-Jahre hat das Sportsponsoring generell gelitten. Das Geld sitzt bei den Unternehmen nicht mehr so locker.“ Es könnten mehr Menschen mit dem Sport etwas anfangen, das schon – aber man müsse ihnen weiterhin erklären, weshalb sie gerade Football unterstützen sollten. Wer Patrick Mahomes beim Spielen zusieht, bald vielleicht sogar in Frankfurt, der wird wissen, warum.

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