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Warum dem SV Seulberg die Puste ausging

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Von: Wolfgang Bardong

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Peter Nowak (rechts) bleibt dem SV Seulberg als Trainer erhalten.
Peter Nowak (rechts) bleibt dem SV Seulberg als Trainer erhalten. © Heiko Rhode

"Kopf hoch" heißt es nach dem Abstieg aus der Kreisoberliga für den SV Seulberg. Trost spendet auch der letzte Gegner.

Seulberg -Am Samstag ziehen die Fußballer des SV Seulberg einen dicken Schlussstrich unter die Saison. "Nachmittags noch eine letzte Trainingseinheit - abends dann zum Schützenfest an unserem Schützenhaus. Das war's dann."

Tja, wie es Robert Piston (27) aus dem dreiköpfigen Seulberger Trainerteam formuliert - das war es für die Seulberger dann vorerst einmal in der Kreisoberliga Hochtaunus. Fünf Spielzeiten hatten sie dort am Stück verbracht, nachdem sie 2016/17 als Meister der Kreisliga A (mit 72 Punkten vor dem damals mitaufgestiegenen FC Ay-Yildizbahc Usingen/65 Zähler) die Rückkehr in die KOL gefeiert hatten.

Die folgenden Jahre beendeten die Kicker aus dem knapp 8000 Einwohner zählenden südlichsten Friedrichsdorfer Stadtteil durchgehend mit zweistelligen Platzziffern (2017/18 Rang 10, 2018/19 Rang 11, 2019/20 coronabedingter Saisonabbruch nach 199 von 30 Spielen auf Rang 13, 2020/21 coronabedingter Saisonabbruch nach nur 9 von 32 Spielen auf Rang 12). Und jetzt?

Auf dem zwölften Tabellenplatz zitternd, waren die Seulberger ins Saisonfinale gegen die SG Oberhöchstadt gegangen. Jene Platzierung hätte ihnen einmal mehr - wenn auch knapp - zum Klassenverbleib ausgereicht. Letztlich aber wurde dem von Peter Nowak (58) als Chefcoach plus Robert Piston (27), Dominik Nürnberger (28) als spielendes Cotrainer-Gespann gemeinsam betreuten SVS ein Problem zum Verhängnis, das sich nach der Winterpause eingeschlichen hatte: fehlende Fitness. Die hatte bei der recht eingeschworenen Truppe aber ihren Grund . . .

"Drei gegen drei" im Training?

"Nach einer guten Vorbereitung auf die Rückrunde sind wir eigentlich ordentlich mit zwei Siegen und zwei Unentschieden ins neue Kalenderjahr eingestiegen", berichtet Piston, "ehe wir unser traditionell schlechtes Spiel gegen die SG Ober-Erlenbach machten und 0:8 verloren."

Im Anschluss stellte sich beim SVS eine extreme Ausfallsituation ein. Verletzungen, Corona-Probleme - für sich selbst führt Piston zudem noch eine Asthma-Allergie an. Die Trainingsbeteiligung schrumpfte, bis in einstellige Bereiche. "Was soll man mit nur fünf, sechs Mann im Training anstellen? Drei gegen drei spielen? Da lässt sich kaum etwas Vernünftiges machen", sagt der 27-Jährige.

Schmalhans regierte in den Folgewochen im Training. Was dem Ausdauervermögen der Spieler natürlich nicht guttat. Wohl verzeichneten die Seulberger Fußballer vor dem abschließenden Match gegen die SG Oberhöchstadt "endlich" wieder zweistellige Zahlen der Trainingsteilnehmer. Alleine dadurch war das Konditionsproblem jedoch bei weitem nicht gelöst.

"Wir hatten gegen Oberhöchstadt auf dem Papier eine richtig gute Truppe beisammen - die aber nicht fit war", sagt Piston. Und so kam es, wie es kommen musste.

35 Minuten lang habe der SVS am vergangenen Freitag ein Spiel auf "absoluter Augenhöhe" abgeliefert, auch beflügelt vom frühen 1:0 (3.) durch Benjamin Pedreno Weber. Zehn Minuten vor der Pause wurde es laut Piston in konditioneller Hinsicht "jedoch schon wieder eng bei uns - alle wollten zwar, konnten aber nicht so richtig". Wie schon in den neun vorangegangenen Spielen, von denen der SVS acht nicht gewann und einzig die Prüfung gegen Schlusslicht DJK Bad Homburg II (3:0) bestehen konnte.

"Oberhöchstadt ließ uns gut laufen"

Zur Pause schied dann obendrein noch Robert Piston aus. "Ich war total verspannt in der Leistengegend", hatte er, ein klassischer "Sechser", schon das Aufbrechen einer alten Schambein-Entzündung befürchtet. Durch Pistons Ausfall war das Seulberger Grundgerüst für die zweite Hälfte erheblich "durchgeschüttelt" worden. Piston musste nun von draußen miterleben, "wie uns die Oberhöchstädter gut laufen ließen; Respekt vor dem Ehrgeiz, den die SGO im letzten Saisonspiel noch mal an den Tag gelegt hat".

Zudem erfuhr Piston, wie es zeitgleich bei Abstiegsrivale SGK Bad Homburg gegen den FC Oberstedten stand. "Wir sind mit einigen Stedtern gut befreundet, etwa mit Dominik Rau. Der hielt uns auf dem Laufenden", sagt Piston. Den Spielern auf dem Feld wurden absprachegemäß keine Zwischenstände mitgeteilt. "Connections" nach Kronberg zum Spiel des ebenfalls bedrohten EFC gegen Schlusslicht DJK II ließ man dagegen nicht spielen. Piston klärt auf: "Wir hatten uns keine Schützenhilfe durch die DJK-Reserve versprochen."

Dann brach die Schlussphase gegen Oberhöchstadt an. Die Partie kippte. Am Ende hieß es aus SVS-Sicht 1:3 - der Abstieg. "Klar war das für uns riesig enttäuschend, weil wir in der Saison tabellarisch meistens überm Strich standen", sagt Piston. Der erste Frust war aber aus seiner Sicht "relativ schnell verflogen". Was auch daran lag, dass die zahlreich erschienenen Zuschauer den Spielern Trost spendeten und man noch bis Mitternacht am Sportplatz zusammensaß. "Trost und ein ,Kopf hoch' kam auch von einigen Oberhöchstädter Spielern", denkt Robert Piston vor allem an SGO-Stürmer Lars Steier.

Martin Pöhland ergänzt Trainerteam

Und wie geht's für den SV Seulberg in der neuen Saison weiter, eine Etage tiefer? Die Trainingsleitung wird künftig von Peter Nowak und Martin Pöhland, einem ehemaligen Defensiv-Allrounder des SVS, gleichberechtigt in die Hand genommen. Piston und Nürnberger werden sich auf eigenen Wunsch wieder rein aufs Spielen beschränken, wobei Piston sich ab und an auch an der Gestaltung der Trainingseinheiten beteiligen möchte.

Was die Mannschaft angeht, gelte es aus Pistons Sicht "an der Teambreite zu arbeiten - das ist wichtiger als alles andere, wie man jetzt gesehen hat". Was Verstärkungen angeht, befinde man sich in Gesprächen, vornehmlich mit Talenten aus der JSG Friedrichsdorf. "Wird aber nicht leicht, weil sich die beteiligten Friedrichsdorfer Clubs untereinander nicht so grün sind", glaubt Piston.

Und wie sieht's mit Abgängen aus? Wer alles wird dem SVS nach dem Abstieg den Rücken kehren? Piston gibt sich vorsichtig zuversichtlich: "Ich habe von keinem gehört, dass er weg will."

Na denn. Am Samstag noch eine letzte Trainingseinheit, anschließend zum Schützenfest. Piston: "Dann Strich drunter - alles abhaken - und ab in die Pause." Recht hat er.

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