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Warum Florian Crasnaru jetzt die TSGO-Damen trainiert

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Von: Thorsten Remsperger

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Motivator am Spielfeldrand: Der neue TSGO-Trainer Florian Crasnaru ist als „Vollblut-Handballer“ bekannt.
Motivator am Spielfeldrand: Der neue TSGO-Trainer Florian Crasnaru ist als „Vollblut-Handballer“ bekannt. © Marcel Lorenz

Mit Florian Crasnaru hat die TSG Oberursel sich einen erfahrenen Mann auf die Trainerbank der Oberliga-Damen geholt. Wenn seine Spielpremiere auch noch ein wenig auf sich warten lässt, schildert er uns schon die ersten Eindrücke mit seiner neuen Mannschaft.

Oberursel – Als Spieler zog er einst im Rückraum in der 2. Liga und Regionalliga die Fäden, beispielsweise für die TSG Friesenheim, die Sportfreunde Budenheim und TuS Wörrstadt. Später wirkte er als Spielertrainer und Trainer auf Verbandsebene unter anderem beim TV Flörsheim, TuS Holzheim und der HSG Hochheim/Wicker. Jetzt soll Florian Crasnaru, 52-jähriger Eventmanager mit rumänischen Wurzeln, eine bis dato recht verkorkste Saison von TSG Oberursels Oberliga-Handballerinnen zu einem guten Ende führen. Mit dem neuen Mann auf der TSGO-Kommandobrücke unterhielt sich TZ-Sportchef Thorsten Remsperger.

Herr Crasnaru, Sie sind in der Handball-Szene des Rhein-Main-Gebietes einschlägig als Trainer von Männermannschaften bekannt, haben schon bei mehreren Vereinen von der Bezirksliga A bis zur Oberliga Hessen erfolgreich gewirkt. Wie kommt’s, dass Sie nun ein Team von Handballerinnen unter Ihren Fittichen haben?

Ich habe ein paar Jahre bei Mannschaften bis zur Landesliga hinter mir, bei denen es mir auch Spaß gemacht hat, es wird in den Spielklassen aber nicht so leistungsbezogen Handball gespielt. Jetzt habe ich die Chance bekommen, einen Oberligisten zu trainieren – mit einem Verein, der unglaublich viel pusht und unterstützt. Die Mannschaft trainiert dreimal die Woche. Dadurch setze ich mir selbst auch wieder neue Reize.

Die letzte Station auf dieser Leistungsebene liegt ja schon länger zurück, das war bis November 2010 beim TuS Holzheim.

Damals hatte ich in jeder Woche rund 25 Stunden investiert, das war fast ein Full-Time-Job, und ich konnte es nicht mehr mit meinem Berufs- und Familienleben unter einen Hut bekommen. Inzwischen sind meine Söhne 15 und 20 Jahre alt, und ich kann den Trainerjob besser mit meinem Beruf vereinbaren. So kann ich im Handball wieder etwas Fahrt aufnehmen.

Wie kam der Kontakt zur TSG Oberursel zustande?

Durch Empfehlungen. Daraufhin kam der Verein im November auf mich zu. Allerdings konnte ich berufsbedingt nur für zwei Trainingseinheiten in der Woche zusagen. Als es dann mit dem anderen Trainer (Etienne Emmert, Anm. d. Red.) nicht so gut gepasst hat, haben wir uns wieder unterhalten und eine gute Lösung gefunden. Meine Co-Trainerin Nora Brandscheid kann die dritte Einheit übernehmen. Zwischen der Mannschaft und ihr lief die Kommunikation schon hervorragend, nun auch mit mir, und gemeinsam geben wir jetzt Gas.

Welchen Eindruck haben Sie in Ihren ersten Trainingswochen gewonnen?

Das ist eine ganz tolle Truppe. Ich habe hier auch das Gefühl, selbst noch einiges dazulernen zu können. Die Mädels haben natürlich hier und da andere Befindlichkeiten als Sprüche klopfende Männer zwischen 18 und 35 Jahren. Ich habe mich gefreut, sie als echte Team-Sportlerinnen kennenzulernen. Sie sind handballverrückt, das Umfeld auch, ich muss aber weit hinten anfangen.

Wie meinen Sie das?

Bei meinen letzten Mannschaften wie Eltville oder Hochheim/Wicker stand das taktische Fundament und ich musste an der „Innenausstattung“ wie der Technik feilen. Bei uns geht’s jetzt erst einmal um ein stabiles taktisches Konstrukt für Abwehr und Angriff. Das soll keine Kritik an meinen Vorgängern sein, vieles konnte wegen der Hallenproblematik in den letzten Monaten mit der neu formierten Mannschaften ja gar nicht richtig angegangen werden. Es gibt tolles Spielerinnen-Material, aber es gibt auch viel zu tun.

Wie weit sind Sie schon gekommen?

Das ist gar nicht so einfach. Zum Beispiel trainieren die A-Jugendlichen nur einmal in der Woche mit. Am vergangenen Dienstag wurde eine Spielerin positiv auf Covid 19 getestet und man musste abwarten, ob weitere Mädels aus der Mannschaft betroffen sind. Deswegen haben wir auch das Testspiel gegen die TSG Eddersheim und das nächste Punktspiel verlegt (die Mannschaft steigt somit am 22. Januar gegen die HSG Bensheim/Auerbach II wieder in die Runde ein, d. Red.).

Wenn Sie das Lernen ansprechen: Was war Ihre erste Lektion mit dem neuen Team?

Ich muss lernen, dass nicht alles ganz so schnell gehen wird. Wenn ich bei einer Mannschaft anfange, möchte ich meinen Schützlingen am liebsten jeden Tag einen Ball in die Hand drücken. Es geht aber erst einmal darum, gute Nerven zu haben und die Bedingungen anzunehmen. So trainieren wir manchmal nur auf einem Streifen oder einer Hälfte in der Hochtaunushalle. Wenn es darum geht, das Beste aus dem zu machen, was du hast, bin ich aber Meister (lächelt).

Als Ziel hat der Verein den Klassenerhalt ausgegeben, richtig?

Ja, was anderes kommt für uns in dieser Saison auch gar nicht in Frage. Ich habe beim Spiel in Bürgel, das ich mir live angeschaut habe (24:26, d. Red.), und beim Videostudium den Eindruck gewonnen, dass der jungen Mannschaft dazu auch gar nicht viel fehlt.

Werfen Sie eigentlich selbst noch den Ball aufs Tor?

Ich spiele wieder in meinem Heimatverein TuS Dotzheim bei den Alten Herren – mit einigen ehemaligen Oberliga-Spielern, in der B-Klasse. Ist eher Standhandball, es kommt nichts mehr raus aus der Schulter, und auswackeln, kann man auch keinen mehr. Es macht mit diesem witzigen Haufen aber Spaß und wenn es passt, spiele ich dort noch mit. Wir haben 10:4 Punkte, weil wir zweimal keine Mannschaft zusammenbekommen haben und nicht antreten konnten. Am nächsten Morgen fühlt man sich dann manchmal wie 70 oder 80. Das ist der Preis für jahrelanges Heldentum (lacht).

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