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Gelungenes Comeback: Der lange am Rücken verletzte Nils Hohmeier feierte für den TTC OE seinen zweiten Saisonsieg im Einzel.

Tischtennis, 2. Bundesliga

Warum Hohmeier und Co. weiter auf den TTC OE setzen, trotz dessen finanzieller Sorgen

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Nils Hohmeier hat beim 6:2-Sieg gegen Leiselheim doppelten Grund zur Freude. Im Februar entscheidet sich die Zukunft des deutschen U23-Nationalspielers - und die seines Vereins. Der TTC OE Bad Homburg ist sportlich weiterhin ambitioniert, aber finanziell würde derzeit nicht für die 1. Tischtennis-Bundesliga reichen.

Ober-Erlenbach-Es sind ereignisreiche Tage derzeit im Leben des Nils Hohmeier. In wenigen Wochen wird es sich weisen, ob er den nächsten großen Schritt in seiner noch jungen Karriere als Tischtennisprofi gehen kann oder nicht. Das hängt eng mit seinem Verein zusammen, dem sportlich ambitionierten TTC OE Bad Homburg, der aber finanzielle Sorgen hat. Mindestens 100 000 Euro fehlen laut Angaben der Geschäftsführung, um den Aufstieg in die 1. Bundesliga angehen zu können. Die Zeit drängt, die Bewerbungsfrist läuft im Februar ab.

Ein persönliches Zwischenfazit konnte Hohmeier in der Wingert-Sporthalle mit einem Strahlen im Gesicht ziehen. Am Samstagabend, an seinem 22. Geburtstag, nach dem 6:2-Erfolg in der 2. Bundesliga gegen den TV Leiselheim, mit dem die Ober-Erlenbacher sich wieder auf Aufstiegsplatz zwei verbessert haben. "Es war schwer, wieder reinzukommen und unter Wettkampfbedingungen zu spielen", meinte Hohmeier, nachdem er nach der Partie mit Nachwuchsspielern aus dem Verein gerne noch ein paar Ballwechsel am blauen Tisch gespielt hatte. "Ich bin froh, dass ich so wieder zurückgekommen bin. Ich habe es wohl manchem Kritiker gezeigt heute", sagte er.

Eine hartnäckige Rückenverletzung hatte dem mit viel Vorschlusslorbeeren von Ligakonkurrent TuS Celle in den Taunus gewechselten Rechtshänder einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht. Nur drei Einsätze im Einzel bisher und sieben im Doppel - das hatte sich der U23-Nationalspieler, der am Bundesstützpunkt in Düsseldorf lebt und trainiert, anders vorgestellt. Gut, dass der deutsche Schülermeister (2013) und Jugend-Europameister im Doppel (2016) rechtzeitig für die heiße Phase der Saison wieder fit geworden ist. Weil Spitzenspieler Harmeet Desai wegen Visum-Problemen nicht aus Indien nach Deutschland einreisen kann (auch für das nächste Heimspiel am Samstag gegen den 1. FC Köln wahrscheinlich nicht), wird Hohmeier zum Faktor.

Bester Kader, der je beim TTC OE spielte

Gegen Medardas Stankevicius war der Nummer vier des TTC OE die fehlende Spielpraxis anzumerken. Er kämpfte sich aber in die Partie und behielt nach 1:2-Satzrückstand die Nerven. Mit hochgereckten Armen ließ er sich dann von den 180 Fans bejubeln.

"Ich habe hier so viel vorgehabt und es noch nicht zeigen können", sagte Hohmeier, "man muss sich in einer so starken Mannschaft erst einmal behaupten. Mit ihr hat der Verein einen ziemlichen Goldgriff gemacht." Nach sieben Jahren in Celle hatte der junge Mann aus dem gleichen Grund wie mehrere Top-Talente aus dem europäischen Ausland beim TTC OE unterschrieben. Rares Sipos (19) aus Rumänien, Samuel Kulczycki (17) aus Polen und Lev Katsman (18), der gute Chancen hat, bald unter neutraler Flagge im russischen Nationalteam bei Olympia aufzuschlagen - für viele bilden sie mit Desai (26) und Kapitän Dominik Scheja (23) das beste Team, dass die Ober-Erlenbacher je hatten.

"Aufpassen, dass das Team nicht zerfällt"

"Wir befinden uns alle in der gleichen Phase, verfolgen alle dasselbe Ziel: "Wir wollen als Spieler in die TTBL und wenn möglich mit Bad Homburg", sagt Hohmeier. Der Verein werde jetzt für seine Risikofreude belohnt, nicht etwa auf Routiniers zu setzen, die gegen Ende ihrer Laufbahn "noch etwas Geld mitnehmen wollen", sondern fast durchweg auf blutjunge Spieler. Jedenfalls werde der Club sportlich belohnt, den finanziellen Part könne er nicht beurteilen. Nur so viel sagte der Niedersachse: "Der Verein muss aufpassen, dass die Mannschaft nicht zerfällt, wenn man es jetzt nicht wagt, diesen Schritt zu gehen."

Hohmeier wäre gerne dabei. Er lässt sich daher noch Zeit mit seiner Entscheidung. Normalerweise wissen Tischtennisspieler im Februar längst, für wenn sie in der nächsten Runde aufschlagen. Auch die Teamkollegen warten. Glauben sie doch, dass es mit dem TTC OE in der 1. Liga für sie auch Einsatzzeiten geben würde. Am Samstag machte Nils Hohmeier nicht den Eindruck, als ob ihn die Situation belaste. Er hatte ja auch doppelten Grund zu feiern. Seine Eltern waren extra angereist. Mit ihnen und Vereinsvertretern ging's nach dem Zweitligaspiel weiter. Im Ober-Erlenbacher Weinstübchen, "da ist es ganz nett", lächelte Hohmeier. Eine Aufstiegsfeier könnte er sich dort im April ebenfalls gut vorstellen.

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