+
Der jüngste Erfolg: Die A-Jugend des 1. FC-TSG Königstein feiert nach einem 12:1-Endspielsieg den Gewinn des Kreispokals.

Fußball, Hochtaunus

Warum die Jugendarbeit des 1. FC-TSG Königstein so erfolgreich ist

Die Jugendabteilung des 1. FC-TSG Königstein sticht im Fußballkreis Hochtaunus heraus: Erfolge gibt es viele, groß ist der Zuspruch von Nachwuchsspielern. Aber was steckt hinter den guten Resultaten des Vereins?

„Fußball mit Konzept“ steht auf der Startseite der Homepage des 1. FC-TSG Königstein. Diese Leitlinie trifft besonders auf die Jugendarbeit des Vereins zu. Die Königsteiner wollen mit einer konsequenten und nachhaltigen Jugendarbeit eine gute und solide Basis schaffen, um so ihr Ziel zu erreichen: „Bester Ausbildungsverein des Hochtaunuskreises zu werden“, so formuliert es Ioannis Tsabasopulos, der seit drei Jahren hauptamtlicher Sportlicher Leiter Jugend bei den Königsteinern ist und außerdem Sportlehrer an einer Gesamtschule. Für die Umsetzung dieses Ziels müssen verschiedene Faktoren im Zusammenspiel funktionieren, denen wir einmal auf den Grund gehen.

Die Philosophie:  Das Hauptaugenmerk des Vereins liege auf der Ausbildung der Einzelspieler, sagt Tsabasopulos. Die Platzierungen der einzelnen Teams würden in der Entwicklung des Vereins nur eine untergeordnete Rolle spielen. „Wir müssen nicht immer Erster sein mit allen Mannschaften“, betont der 33-Jährige, der seit Sommer zusätzlich die B1-Jugend trainiert. Auch der Seniorenbereich soll von dieser Ausrichtung langfristig profitieren. „Wir wollen Jahr für Jahr einige Spieler in die 1. Mannschaft führen“, sagt Tsabasopulos. Derzeit seien einige Spieler aus der Region im Gruppenliga-Kader vertreten. In der nächsten Saison hofft man auf zehn Spieler aus der eigenen Jugend für die „Erste“. Als „hervorragendes“ Beispiel für die Entwicklung von Jugendlichen führt Tsabasopulos die vergangene Saison an: „Wir haben elf Kinder an die NLZ (Nachwuchsleistungszentren, Anm. d. Red.) der großen Vereine, wie Eintracht Frankfurt oder SV Wehen Wiesbaden abgegeben. Zudem noch sechs weitere an Hessenligisten.“ Solch einen Aderlass muss auch der breit aufgestellte FC erstmal auffangen. Der Sportliche Leiter sieht die Abgänge gelassen: „Es ist tolle Werbung für den Verein. Wir freuen uns für die Jungs.“

Die Mannschaften: Trotz zahlreicher Abgänge hat der 1. FC-TSG 24 Jugendmannschaften gemeldet. Das sind mehr als 400 Spieler. Spitzenreiter sind die E- und D-Jugend mit je fünf Teams. Das sind erstaunliche Zahlen in der heutigen Zeit. In der A-Jugend hätte man auch zwei Mannschaften stellen können, denn der Kader sei mit 29 Spielern sehr groß. Aber mit Blick auf die schulischen Verpflichtungen habe man sich so entschieden, erklärt Tsabasopulos. In der C-Jugend sei man ideal aufgestellt, erzählt er. Die C1 spielt in der Verbandsliga Süd und somit auf zweithöchster Ebene. Die C2 (jüngerer Jahrgang) ist in der Gruppenliga Frankfurt angesiedelt. Die C3 und die C4 treten auf Kreisebene an. Grundsätzlich gibt es in Königstein zwei Arten von Mannschaften: die Leistungsteams und die Entwicklungsteams. Die Einteilung erfolgt vom Club unter verschiedenen Aspekten (wie sportliche Leistung und persönliche Motivation).

Die Spieler: „Wir haben kein wirkliches Scouting“, betont Tsabasopulos, der seit über sieben Jahren im Verein tätig ist. „Die allermeisten Kinder kommen von selbst zu uns.“ Selbstverständlich trage auch der sportliche Erfolg zu einer erhöhten Nachfrage bei. Sollte mal ein interessanter Spieler bei einem anderen Verein entdeckt werden, suche er immer erst das Gespräch mit dem Trainer oder Sportlichen Leiter. Das Einzugsgebiet ist der Taunus, aber es gibt auch Einzelfälle, die „weit über 30 Kilometer“ Anfahrt haben. Tsabasopulos erzählt stolz: „So etwas nimmt man normalerweise nur für den FSV Frankfurt oder die Eintracht in Kauf.“ Des Weiteren versucht Königstein, für jedes Kind – je nach Motivation – das passende Angebot zu bieten. Sei es als Sprungbrett für ein NLZ oder einfach, um auf gutem Niveau zu spielen. Den Spaß für den Nachwuchs lassen sich die Eltern etwas kosten: Der Jahresbeitrag für das erste Kind einer Familie beträgt 260 Euro.

Das Team hinter den Jungs:  Ein wichtiges Qualitätsmerkmal sei, dass es pro Mannschaft zwei Trainer gibt. Nur so könne sichergestellt werden, dass kein Training ausfallen muss. Die Trainer sollen sich „wie Könige fühlen“, beschreibt Tsabasopulos das Verhältnis zwischen Verein und Coaches. „Die Trainer sind unser Kapital“, sagt er, der alle Trainerlizenzen bis auf den Fußball-Lehrer besitzt. In Bezug auf die Trainer-Spieler-Beziehung möchte der Verein einen regelmäßigen Wechsel. „Wir schauen, dass die Jungs ein bis zwei Jahre bei einem Trainer sind und dann wechseln. Das sorgt für neuen Input.“ Die Spieler können von individuell abgestimmtem Athletiktraining profitieren. Der FC arbeitet dafür mit dem Königsteiner LV zusammen. Torwarttraining wird schon ab der F-Jugend mindestens einmal pro Woche angeboten.

Die jüngsten Erfolge: Zuletzt glänzten A- und B-Jugend im Kreispokal. Die A-Jugend verteidigte mit einem 12:1 im Finale gegen den FV Stierstadt ihren Titel und ist für den Hessenpokal qualifiziert. Die Königsteiner B-Jugend ließ der JSG Merzhausen beim 9:1 im Endspiel keine Chance.

Darum verzichtet der Verein auf eine 2. Mannschaft bei den Aktiven

Ein Ziel des 1. FC-TSG Königstein ist es, die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen aus dem Stadtgebiet, wie der SG Blau-Weiß Schneidhain und dem FC Mammolshain, im Jugendbereich weiter zu intensivieren. Zurzeit nutze man schon mittwochs und freitags die Trainingsplätze in Schneidhain, da die beiden eigenen Sportplätze für die Jugendmannschaften nicht mehr ausreichten, erläutert Ioannis Tsabasopulos, Sportlicher Leiter Jugend. 2003 war der jetzige Verein aus dem 1. FC Königstein und der Fußballabteilung der TSG Falkenstein entstanden. Jetzt wünscht man sich weitere Zusammenschlüsse, „um größer und gefestigter mit Jugendabteilungen anderer Vereine mithalten zu können“.

Um diesen Prozess zu befördern und den guten Willen zu zeigen, habe der 1. FC-TSG Königstein im Sommer seine Reserve aus der Kreisliga A abgemeldet, um keine Konkurrenz zu den Stadtteilvereinen darzustellen. „Hätten wir eine zweite gemeldet, hätte Schneidhain wahrscheinlich überhaupt nicht melden können“, sagt Tsabasopulos. „Es war ein Signal von uns an die Nachbarn.“ Tsabasopulos wolle keine Feinde, sondern als Freunde zusammenarbeiten. Zuvor hatte der Club auch einen zu hohen Aufwand für die Abmeldung als Grund angeführt. Von den Nachbarvereinen sei bislang keine Reaktion zum FC gedrungen, sagt Tsabasopulos. Schneidhain habe sich aber für die „Hilfe“ der Königsteiner bedankt.

BJÖRN HAHN

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare