Intermezzo in Bad Homburg: Quarterback Gabriel Cunningham.
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Intermezzo in Bad Homburg: Quarterback Gabriel Cunningham.

American Football, Hochtaunus

Warum sich die Sentinels von ihrem Quarterback trennen

  • Thorsten Remsperger
    VonThorsten Remsperger
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Für Gabriel Cunningham kommt bei den Bad Homburger Footballern das Aus. In der GFL2 backt der Club jetzt kleinere Brötchen.

Bad Homburg -Der American-Football-Club (AFC) Bad Homburg Sentinels bewegt sich sechs Jahre nach seiner Gründung auf einem Level, bei dem vermehrt das Geld und auch das Glück eine große Rolle spielen. In der zweithöchsten Spielklasse, der GFL 2 angekommen, wollten die "Wächter" eigentlich erneut vorne mitspielen. Jedoch ist das sportlich nicht wirklich möglich, wenn die Konkurrenz sich mehr "Import-Spieler" leisten kann. Also kostspielige Football-Profis aus den USA, die für den Sommer nach Deutschland kommen, um in einem Amateurteam den Unterschied zu machen.

Die Kirchdorf Wildcats und Straubing Spiders sind solche Mannschaften, gegen die für die Sentinels in dieser Saison kein Kraut gewachsen ist. Für Teams mit größeren finanziellen Möglichkeiten reicht die Qualität nicht, das mussten die Bad Homburger neulich bei der 6:21-Niederlage gegen Kirchdorf anerkennen. Hinzu kommt die Sache mit Glücksgöttin Fortuna. Mit der muss man als Sportlicher Leiter auf diesem Niveau wohl im Bunde sein, wenn's um das Verpflichten von Import-Spielern geht.

Maximilian Schwarz, der Entscheider bei den Sentinels, war nach dem Videostudium auf einer Football-Plattform, wo sich die US-Spieler für Dienste in allen Herren Ländern selbst anbieten, überzeugt von den Qualitäten des Quarterbacks Gabriel Cunningham. Auch das persönliche Gespräch am Telefon verlief gut.

Cunningham, 26, vorher in der brasilianischen Liga aktiv, flog im Mai, wenige Wochen vor dem Saisonstart, nach Deutschland und führte den Aufsteiger schließlich als Spielmacher in dieser Reihenfolge zu einem Unentschieden, einem Sieg und einer Niederlage. Gestern dann gaben die Sentinels die vorzeitige Trennung bekannt.

"Es ist für beide Seiten das Beste"

"Manchmal muss man solche Entscheidungen treffen, wenn man denkt, dass es für beide Seiten das Beste ist", lässt sich Schwarz in einer Mitteilung zitieren. Im Gespräch mit dieser Zeitung war ihm anzumerken, dass er Cunningham nicht zu nahe treten wollte. "Es hat aus sportlichen und persönlichen Gründen einfach nicht gepasst", merkte Schwarz an - um hinterher zu schieben: "In den Spielen war es oft eine One-Man-Show. Er ist ein Highlight-Spieler." Cunningham holte die wichtigen Punkte am liebsten durch Läufe selbst, aber ins schon bewährte Spielsystem der Sentinels fügte der US-Amerikaner sich anscheinend nicht ein.

Auch der Offensive Coordinator ging

Weder aus finanziellen Gründen sei die Trennung erfolgt - Cunningham spielte in Bad Homburg dem Vernehmen nach für "kleines Geld" - noch habe sie mit dem kurz zuvor erfolgten Rücktritt von Offensive Coordinator Andy McMillan zu tun. "Andy hatte das Gefühl, einfach nicht richtig an die Jungs ranzukommen", erläuterte Schwarz. Da sei es absolut okay, wenn man als reiner Ehrenämtler sich zu einem solchen Schritt entschließt.

Ohne den bisher wichtigsten Mann auf dem Spielfeld und einen der wichtigsten Trainer am Spielfeldrand schalten die Sentinels jetzt "zwei Gänge zurück". So sieht es jedenfalls Schwarz kommen. Die Abstiegsregelung sei für diese Saison ja ausgesetzt, auf einem guten Mittelfeldplatz wolle das Team jetzt landen und dann 2022 angreifen - wenn die Heimspiele der Sentinels wieder zu den Familienfesten werden sollen, die ihnen vor der Pandemie einen so guten Namen in der Football-Szene einbrachten.

Beim nächsten Spiel im Bad Homburger Sportzentrum Nord-West, dem Derby am Samstag, 10. Juli, um 17 Uhr gegen die Frankfurt Pirates, gelten weiterhin die Corona-Regeln. Dann sollen die deutschen Quarterbacks Leon Reitz und Jasper Small, beide auch im Aufstiegsspiel des Vorjahres im Einsatz, die Mannschaft führen.

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