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Der goldene Traum ist in Erfüllung gegangen: Svenja Schwarz zeigt bei den Special Olympics in Abu Dhabi stolz eine ihrer zwei Goldmedaillen.

Hochtaunus, Special Olympics

Warum Svenja Schwarz aus Oberursel eine Ausnahmeläuferin ist

Svenja Schwarz aus Oberursel, zweifache Goldmedaillen-Gewinnerin in Abu Dhabi, im Gespräch mit der TZ.

Sie läuft und läuft und läuft. Nichts und niemand scheinen Svenja Schwarz aufhalten zu können. TZ-Reporterin Esther Fuchs unterhielt sich mit der zweifache Goldmedaillen-Gewinnerin von den Special Olympics (die weltweit größte Sportbewegung für Menschen mit geistiger Behinderung und Mehrfachbehinderung) in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Arabischen Emirate - und erhielt von der 29-Jährigen aus Oberursel sogar eine kleine Kostprobe, wie man Schnelligkeit und Grazie im Langstreckenlauf verbinden kann.

Svenja, wie lange laufen Sie eigentlich schon?

Seit dem siebten Schuljahr. Da war ich 13 Jahre alt. Also seit 16 Jahren.

Wieso haben Sie sich für das Laufen entschieden?

Das Laufen ist eine Herausforderung für mich. Ich kam zum Laufen, weil einfach jeder in meiner Familie läuft. Außerdem habe ich schon immer am Wald gewohnt. Meine Schule lag auch am Wald. Und meine Schulfreunde liefen auch. Das war eine richtige Gemeinschaft und eine richtig tolle Schule, das muss ich echt sagen.

Gab es eine Schlüsselsituation oder eine Art Initialzündung, die Ihr Lauftalent offenlegte?

Unser früherer Nachbar in Louisiana ist immer mit seinem Kind im Buggy laufen gegangen. Das fand ich cool. Irgendwann bin ich einfach mal mit. Keiner hat geglaubt, dass ich die ganze Strecke schaffe. Als wir wieder zu Hause waren, scherzte er mit meinen Eltern und sagte: "Das ist der zweite Forrest Gump!" Als wir dann in Belgien wohnten, wurde mein Talent in der Schule weiter gefördert.

Mit dem Staffelstab in der Hand: Svenja Schwarz gibt alles.

Wie oft und wie lange trainieren Sie in der Woche?

Das kommt darauf an, was so ansteht. Vor Wettkämpfen fünf Mal die Woche. Ansonsten drei bis vier Mal in einer Woche. Für Abu Dhabi bin ich sogar nach Spanien gereist und hab' in der Hitze trainiert.

Nutzen Sie das Laufband oder laufen Sie lieber unter freiem Himmel?

Das Laufen unter freiem Himmel macht mir richtig viel Spaß. Ich liebe es, an der frischen Luft zu sein. Sobald es aber kalt und eisig wird, trainiere ich in der Halle oder muss auch mal aufs Band.

Was ist Ihre Spezialdisziplin?

In Einzelwettkämpfen laufe ich alles von 1500 bis 10000 Meter. Bei den Europameisterschaften bin ich sogar die 4x100 Meter und in Abu Dhabi die 4x400 Meter in der Männerstaffel gelaufen.

Wo liegen Ihre Bestzeiten?

Meine beste Zeit, die ich jemals gelaufen bin, waren 5:34 Minuten auf

1500 Meter. In Kiel bei den Nationalen Spielen habe ich die 10000 Meter in 42:23 Minuten geschafft. Das war schon super.

In Abu Dhabi holten Sie Gold. Welche Erfolge hatten Sie zuvor bereits errungen?

In Abu Dhabi, wo ich bis dato noch nie war, habe ich ja zwei Goldmedaillen gewonnen: im 1500- und im 5000-Meter-Lauf. Im Ziel war ich einfach nur fassungslos. Die Spiele in Kiel 2018 liefen mit zwei ersten Plätzen ebenfalls schon super. Bei den Europäischen Spielen in Antwerpen 2012 gewann ich ebenfalls zweimal Gold.

Waren die Trainingsbedingungen in Abu Dhabi wirklich so hart, wie es die Kollegen geschildert haben?

Es ist wahnsinnig heiß. Mich stört das aber nicht. Ich bin das aus Louisiana gewöhnt. Als wir in Abu Dhabi ankamen, sagte ich: "Yes, endlich mal wieder schönes Wetter."

Hatten Sie in Abu Dhabi noch Zeit zum Sightseeing?

Wir waren als Team unterwegs und besuchten unter anderem die Deutsche Schule. Mit meiner Familie habe ich einen Ausflug zum teuersten Hotel vor Ort gemacht und zu Mittag gegessen. Das war schon alles beeindruckend.

Was tun Sie, wenn Sie mal keine Lust auf Laufen haben?

Das kommt nur selten vor. Aber wenn ich wirklich mal keine Lust habe, unterstützen mich meine Eltern, die ja auch beide laufen.

Gibt es trainingsfreie Zeiten, zum Beispiel im Urlaub?

Ich muss mich immer irgendwie bewegen. Das liegt in unserer Familie einfach drin. Auch im Urlaub gehen wir laufen, wandern, fahren Rad oder gehen segeln.

Welche Laufstrecke im Taunus würden Sie uns empfehlen?

Ich laufe gerne eine Runde am Falkensteiner Friedhof und dann in den Wald. Von dort hat man einen tollen Blick auf die Burg. Die Cross-Country-Strecke der Frankfurt International School in Oberursel finde ich auch sehr gut.

Sie bekamen die Sportplakette des Landes Hessen überreicht . . .

Ja, als ich meinen Namen hörte, war ich total stolz auf mich. Dass ich so eine Anerkennung bekomme, hatte ich nicht erwartet. Sprinter Michael Pohl und Handbiker Mariusz Frankowski, die ebenfalls geehrt wurden, habe ich kennengelernt.

Gibt es für all Ihre Medaillen eigentlich einen Ehrenplatz?

Wir haben gerade eine Vitrine aufgebaut. Da liegt die Sportplakette jetzt drin. Den Rest drapiere ich in den nächsten Tagen in die Regale.

Was sind Ihre Zukunftspläne?

Mein größter Traum ist es, 2023 bei den Weltspielen in Berlin an den Start zu gehen und meine persönlichen Bestzeiten weiter zu verbessern (steht auf und gibt eine kleine Kostprobe ihres grazilen Laufstils).

Im Alter von 27 Wochen auf die Welt gekommen

Sie schmökert gerne, chattet mit ihren Freunden in Louisiana, reitet und singt. Eines aber liebt sie ganz besonders. Die 29-jährige Svenja Schwarz läuft seit dem zehnten Lebensjahr für ihr Leben gerne - und schnell. Allerdings muss sie sich, was die Laufgeschwindigkeit angeht, auf die Hilfestellungen ihrer Mutter verlassen.

"Meine Mutter sagt mir alle hundert Meter, ob meine Zeit okay ist, damit ich ein Gefühl für die Zeit bekomme. Denn ich merke nicht, ob ich zu schnell oder zu langsam laufe", sagt die Sportlerin. Svenja hat kein Kurzzeitgedächtnis.

Mutter und Tochter bilden ein eingespieltes Team. Sabine Schwarz ist Mutter, Managerin und zugleich auch noch Trainerin des Special-Olympics-Stars. Svenja Schwarz ist im Alter von 27 Wochen als Frühchen zur Welt gekommen. "Ich war 31 Zentimeter groß und wog nur 720 Gramm."

Ihre Entwicklungsverzögerung suchten die Ärzte zunächst in der bilingualen Erziehung des Mädchens, das in den USA und Belgien aufwuchs und heute in Oberursel lebt. Die Eltern erkannten jedoch, dass sich ihre Tochter viele Dinge nicht merken konnte.

In der International School of Brussels habe sie viel Unterstützung erfahren und konnte sich nach ihren Fähigkeiten optimal entwickeln. Dank gelebter Integration habe sie im Schulchor gesungen und bei Theaterstücken mitgespielt. In der Schule wurde Svenja Teil der Wettkampf-Schulmannschaft. Mit ihrem Team startete sie bei den "Belgischen Nationalen Spielen". Der Weg zur sportlichen Karriere war damit geebnet.

Im Anschluss an ihren Umzug nach Hessen trieb Svenja Schwarz ihre sportliche Laufbahn weiter voran. Sie genießt es, Langstreckenläufe durch die Taunuswälder mit ihrem Hund Gipsy zu absolvieren - und sie war gemeinsam mit Ariane Friedrich und Fabian Hambüchen das Gesicht der "1. Hessischen Landesspiele" und sie sitzt im Hessischen Athletenrat. Svenja Schwarz - eine Ausnahmeläuferin und Sympathieträgerin durch und durch. (efx)

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