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Das Equipement liegt bereit. Wie lange bleiben Tennisschläger und -bälle noch ungenutzt in Warteposition?

Der Sport-Shutdown

Weikert: "Ohne baldige Lockerungen ist der Sport tot"

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Die Reproduktionszahl ist wie erhofft unter 1,0 gesunken, die Zahl der Neuinfizierten geht zurück, die Bundesregierung startet erste vorsichtige Lockerungen der seit dem "Shutdown" am 16. März eingeleiteten Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus'. Die Kontaktsperre gilt aber bis einschließlich 3. Mai, bis zu diesem Tag sind auch sämtliche Sportanlagen und -hallen gesperrt.

Und dann? Wie auch immer es weitergehen mag: Die Sportler aus dem NNP-Land sitzen auf heißen Kohlen, wollen loslegen - wenigstens mit dem Training. Allein durch die Landschaft zu joggen macht auf Dauer keinen Spaß und passt zudem nicht immer unbedingt zur ausgeübten Sportart.

Pläne zu angepasstem Sporttreiben

Die Politik hatte die Verbände aufgefordert, konkrete Pläne zu einem "angepassten Sporttreiben" vorzulegen. Das hat zu einem regen Austausch geführt. Um ein langsames Wiederaufleben des Sports in Deutschland, Hessen und den Kreisen Limburg-Weilburg, Westerwald und Rhein-Lahn ermöglichen zu können, hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) gemeinsam mit den Verbandsärzten "10 Leitplanken" festgelegt, mit denen dieses Unterfangen unter den völlig neuen Bedingungen gelingen könnte.

Dass bei einem möglichen Neustart die sogenannten "kontaktlosen" Sportarten Vorteile gegenüber den Mannschaftssportarten haben, steht außer Frage. Kontaktlos sind beispielsweise Golf, Tennis, Tischtennis und Leichtathletik. Wie sieht es im NNP-Land aus, sitzen die Sportler in den Startlöchern?

Golf: Alfred Werner, Präsident des Golfclubs Eschhofen, gibt sich pragmatisch: "Ohne Anlage kein Golf", bringt er es auf den Punkt. "Solange es keinen gemeinschaftlichen Bescheid gibt, erklären wir uns solidarisch mit allen anderen Sportarten." Da es in Limburg (noch) keine eigene Anlage gibt, profitieren die gut 70 Mitglieder seines Clubs vom Nutzungsrecht für den Golfplatz in Dillenburg. In Anbetracht der bekannten Vorgaben mit Abstandhalten und Verhindern von Gruppenbildung biete sich Golf natürlich eher als alle anderen Sportarten an, in Kürze vielleicht wieder betrieben werden zu dürfen, sagt Alfred Werner. "Die Plätze werden grundsätzlich überwacht, man muss sich anmelden, benötigt eine Platzreife, man kann ganz allein oder - wenn gewünscht - maximal zu zweit spielen und bewegt sich in der freien Natur meist mit großem Abstand." Darüber hinaus bringen die Spieler ihre eigenen Bälle mit, die sie markieren können. Somit muss auch kein anderer Golfer "fremde" Bälle anfassen. Eine Möglichkeit sei es zudem, jeweils nur zwei Spieler auf die Bahn zu lassen und exakte Startzeiten festzulegen. Alfred Werner hat sogar noch ein passendes Wortspiel parat: "Golf gilt als Koronar-Sport, also: Koronar gegen Corona."

Tennis: Hier ist es ähnlich. Ein Sport unter freiem Himmel. Die Spieler stehen in ausreichendem Abstand voneinander entfernt. Möglicherweise macht es Sinn, auf Doppel-Wettbewerbe zu verzichten. Der Hessische Tennis-Verband ist optimistisch, dass der Spielbetrieb bald wird starten kann, und hat seine Mitgliedsvereine bereits Ende März darauf hingewiesen, dass die diesjährige Medenrunde nicht vor Juni beginnen werde. "Sollte es die Entwicklung zulassen, ist der Start des kompletten Mannschaftswettspielbetriebs für den 8. Juni 2020 vorgesehen", heißt es in der Mitteilung. Sollte das funktionieren, würden die Tennisspieler tatsächlich fast noch im normalen Zeitplan liegen.

Tischtennis: Einer, der sich sowohl mit der Basis als auch mit der Weltklasse auskennt, ist Thomas Weikert. Selbst aktiver Spieler im Verbandsliga-Team des TTC Elz, muss er sich in seiner Funktion als Präsident des Tischtennis-Weltverbandes (ITTF) auch um Weltmeisterschaften, Olympische Spiele und etwa den World-Men's-Cup kümmern, der vom 16. bis 18. Oktober in Düsseldorf stattfinden soll. Diesbezüglich ist Thomas Weikert derzeit noch optimistisch. Immerhin ist der DTTB-Stützpunkt in Düsseldorf inzwischen wieder für die Top-Athleten zu Trainingszwecken geöffnet. Doch es soll auch im Tischtennis-Kreis und auf Landesebene irgendwann wieder losgehen. Ideen gibt es zur Genüge, wie man die bestehenden hygienischen und abstands-technischen Hürden nehmen könnte. "Wenn wir bei Punktspielen auf die Doppel-Wettbewerbe verzichten würden, wären acht bis zwölf Spieler in der Halle. Die Zwei-Meter-Abstandsregel wäre gewährleistet", sagt der Jurist. Auch für eine Trainingseinheit - zum Beispiel in der Elzer Erlenbachhalle - sieht Thomas Weikert Möglichkeiten: "Man könnte bis zu fünf Platten aufbauen; in jede Ecke eine und eine in die Mitte. Daran könnten insgesamt zehn Spieler trainieren." Bälle und Tische müsse man vor Spielbeginn und am Ende desinfizieren. Oder man arbeitet am besten gleich mit sehr vielen Bällen. An den Halleneingängen sollte eine Handdesinfektion möglich sein. Geduscht wird sowieso zu Hause. Thomas Weikert wird deutlich: "Die derzeitigen Maßnahmen, mit denen der Sport lahmgelegt wird, sind kaum durchzuhalten. Dann ist der Sport tot. Wir müssen versuchen, das Geschehen wieder zu normalisieren. Allerdings sollte Tischtennis nicht allein die Initiative ergreifen." Wichtig sei, dass die Leute wieder tun könnten, was ihnen Spaß mache. Es sei nicht zu verstehen, dass es ein generelles Hallenverbot gebe, so Weikert. In dieser speziellen Situation sei es nicht damit getan, dass generell entschieden werde. "Hier sind Flexibilität und Augenmaß gefragt, man muss die Vereine und Verbände Vorschläge machen lassen, darüber beraten und am besten absegnen." Und die frohe Botschaft: Am Montagvormittag stellte der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) weitere Lockerungen in Aussicht.

Leichtathletik: Ebenfalls eine klassische Individualsportart, bei der man sich gut aus dem Weg gehen kann. Martin Rumpf, 2. Vorsitzender des Hessischen Leichtathletik-Verbandes (HLV) und Vorsitzender des Leichtathletikkreises Limburg-Weilburg sowie der LSG Goldener Grund teilt voller Freude mit, dass die Stützpunkte in Frankfurt-Kalbach und an der Hahnstraße für die Bundeskader-Athleten jetzt wieder geöffnet sind. Allerdings müsse man dort den 1:1-Plan einhalten; sprich: ein Athlet plus ein Trainer. In der Halle dürfen sich maximal sechs Personen tummeln, im Freien acht. Und wie sieht es bei der LSG aus? "Da die Fußballer der SG Selters in nächster Zeit ohnehin wohl noch nicht trainieren dürfen, hätten wir den Sportplatz in Niederselters für uns allein", berichtet Martin Rumpf. Problematisch sieht es für die geplanten Veranstaltungen aus, unter anderem die Hessischen Meisterschaften. Auch der KiLa-Cup wackelt. Allerdings gilt überall: "Not macht erfinderisch". Martin Rumpf: "Wir könnten uns vorstellen, dass die Vereine überschaubare Wettkämpfe intern im kleinen Rahmen austragen und ihre Ergebnisse dann übermitteln, damit wir eine Gesamtwertung erstellen können." Auch Wettkämpfe für die älteren Athleten mit jeweils nur einer einzigen Disziplin sind denkbar. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg ...

Die Lücke in der Verordnung

Ende letzter Woche ist der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) nach vorn geprescht. "Wir wollen durch angepasste Regeln im Sport ein bestmögliches Maß an ,sozialer Distanz' ermöglichen, um unserer gemeinsamen Verantwortung dabei auch weiterhin gerecht zu werden, die Zahl der Neuinfektionen auf einem für unser Gesundheitssystem beherrschbaren Niveau zu halten. Gleichzeitig wollen wir aber auch der durch Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen resultierenden Vereinsamung und dem Bewegungsmangel sowie den hohen sozialen und psychischen Belastungen in den Familien entgegenwirken", heißt es in der Stellungnahme.

Explizit hatten am Freitag der Deutsche Golfverband (DGV) und der Deutsche Tennis-Bund (DTB) nachgelegt und ihrerseits um eine baldige Freigabe der Anlagen gebeten, da es sich um "kontaktlose" und unter freiem Himmel zu betreibende Sportarten seien, bei denen der Mindestabstand problemlos einzuhalten sei.

Die Antwort der hessischen Landesregierung ließ nicht lange auf sich warten. Das Sozialministerium berief sich auf die "Konsolidierte Lesefassung. Vierte Verordnung zur Bekämpfung des Coronavirus vom 17. März 2020 sowie die am 20. April 2020 in Kraft getretenen Änderungen. Darin heißt es unter Paragraf 1 (1): "Die nachfolgenden Einrichtungen, Betriebe, Begegnungsstätten und Angebote sind zu schließen oder einzustellen: 6. der Sportbetrieb auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen, öffentliche und private Schwimm- und Spaßbäder, Thermalbäder, Fitnessstudios und ähnliche Einrichtungen." Weiter unten heißt es, dies gelte nicht für Trainingszwecke des Spitzen- und Profisports sowie die Vorbereitung auf und die Abnahme von sportpraktischen Abiturprüfungen. Aber dann wird es interessant und interpretationsbedürftig: "(2) Untersagt werden (...) 3. sonstige Sportangebote, die ihrer Art nach mit körperlichem Kontakt verbunden sind." Die im Beitrag dieser Zeitung aufgegriffenen Sportarten sind allesamt nicht mit "körperlichem Kontakt" verbunden. Die in den Vereinen und Verbänden Verantwortlichen werden sich ganz sicher an diesem Punkt der Verordnung festbeißen. 

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