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David Egenolf (SG Eintracht Feldberg) schaut nach Spielende enttäuscht auf den Boden. Weißkirchens Kavin Ajmaja reißt vor Freude die Arme hoch.

Fußball, Spiel der Woche

Der FC Weißkirchen feiert seinen ersten Saisonsieg

Im Spiel der Woche gelingt dem FC Weißkirchen ein seltenes Erfolgserlebnis. Der Tabellenletzte der KOL schlägt die SGE Feldberg mit 2:0. Gäste-Trainer Klug kritisiert seine Mannschaft.

Die SGE Feldberg war mit dem klaren Ziel nach Weißkirchen gekommen, um dort drei Punkte gegen den Abstieg einzufahren. Doch Trainer Manfred Klug betonte bereits im Vorfeld, dass das Gastspiel beim Tabellenletzten nicht leicht werden würde. Er behielt Recht. Was er wohl nicht hat kommen sehen, war der Fakt, dass seine Mannschaft über 90 Minuten nicht aus den Startlöchern kam. Und so richtete Klug zu Beginn der zweiten Halbzeit ein paar lauterere und deutlichere Worte an die Spieler. „Ich hatte nicht den Eindruck gewonnen, dass der Wille für ein Comeback da war“, erklärte er später. Zu dem Zeitpunkt lag seine Elf nur mit 0:1 hinten, noch wäre alles möglich gewesen.

Den Führungstreffer für die Hausherren erzielte Pierre Grewis in der 43. Spielminute, nachdem er den Innenverteidigern entwischte und mit einem Steilpass bedient wurde. Bereits zuvor war der Stürmer einige Male relativ unbedrängt vor dem Kasten der Gäste aufgetaucht (1., 8., 30.). Dieses eine Mal behielt er die Nerven, traf die richtige Entscheidung und netzte im Eins-gegen-eins mit SGE-Torwart Alexander Dybeck cool ein.

An der Bank des FC Weißkirchen fiel der Jubel lautstark aus, belohnte man sich mit dem Tor doch für die Feldüberlegenheit. Allerdings verpasste man es in der Folge lange Zeit, ein vorentscheidendes, zweites Tor nachzulegen. In der 53. Minute scheiterte zunächst Grewis an Dybeck, in der 58. konnte der stark aufspielende Manuel Großmann den Keeper ebenso wenig überwinden.

Erst ein Strafstoß führte zum erlösenden 2:0. Benjamin Schmiedl kam in der 66. Minute zu spät und brachte den eingewechselten Dominik Jung zu Fall. Den anschließenden Foulelfmeter verwandelte Großmann sicher ins linke Eck. Möglicherweise hätte es den Strafstoß nicht geben dürfen, da zuvor ein Spieler Weißkirchens im Abseits gestanden haben könnte. Doch die vermeintliche Fehlentscheidung glich sich später wieder aus. Erneut ging Jung nach einem Rempler von Schmiedl im Sechzehner zu Boden (83.), diesmal blieb die Pfeife des Schiedsrichters allerdings stumm. Und noch ein drittes Mal machte Jung Bekanntschaft mit Schmiedl, als dieser ihn in der 84. Minute nahe der Eckfahne von schräg hinten umgrätschte.

Daraufhin kam es zu einer Rudelbildung auf dem Feld, auch einige Zuschauer mischten sich mit unsachlichen Zurufen ein. Schiedsrichter Jose-Angel Rodriguez-Abajo hatte kurzzeitig Probleme, die Szene zu beruhigen. Schmiedl sah Gelb, Großmann für eine Unsportlichkeit nach dem Foul Gelb-Rot.

Die Aufregung kurz vor Spielschluss ist aber eigentlich überflüssig gewesen, denn die Verhältnisse waren klar. „Unterm Strich kann man sagen, dass es nicht unverdient war, dass wir hier nichts mitnehmen konnten“, gestand Klug. Und sein Trainerkollege vom FC Weißkirchen, Stelios Doukas (siehe auch Extra-Text), konnte zufrieden feststellen: „Viele Dinge haben heute gut funktioniert, einige müssen wir noch verbessern, aber wir sind auf einem guten Weg.“

FC Weißkirchen: Ingrisch – Kazazi, Brandner, Brandt – Havaie, Bornemann (76. Gezai), Paulsen, Ajmaja (36. Jung) – Großmann – Grewis, Güral. Trainer: Doukas. SG Eintracht Feldberg: Dybeck – Kinkel, Schmiedl, Hunger (58. Heleciuga), Wienhold – Tomic, Albert (46. Stehr), Girbita, Egenolf – Bös (64. Hoffmann), Norton. Trainer: Klug. Tore: 1:0 Grewis (43.), 2:0 Großmann (66./FE). – Torchancen: 5:5. – Eckbälle: 18:4. – Zuschauer: 50. – Gelb-Rot: Großmann (83., Unsportlichkeit). – Gelb: Paulsen, Bornemann, Großmann, Gezai/Bös, Egenolf, Norton, Schmiedl, Heleciuga. Auffälligste Spieler: Havaie, Großmann, Jung/Girbita, Norton. Spielnote: 3. Ansehnliches KOL-Spiel mit mangelnder Chancenverwertung. SR: Jose-Angel Rodriguez-Abajo (Niedermittlau). Note: 3. Souveräner und ruhiger Auftritt. Übersah einen Strafstoß, der aber nicht spielentscheidend gewesen wäre.

Stelios Doukas: Ein Ex-Nationalspieler als Hoffnungsträger

Es lief bereits die Nachspielzeit, als Weißkirchens Top-Stürmer Claudio Bracci das 4:0 gegen die SGE Feldberg erzielte, nachdem er bereits zuvor zum 2:0 getroffen hatte. Die beiden Treffer markieren seine Saisontore 11 und 12. Allerdings läuft der Torjäger für die „Zweite“ Weißkirchens auf und knipste dementsprechend gegen die SGE-Reserve in der B-Liga.

Die Offensive der 1. Mannschaft tat sich anschließend trotz des 2:0-Erfolges in der KOL deutlich schwerer. Bis zum Strafraum sahen die Spielzüge vielversprechend aus, doch häufig kam nichts Zählbares heraus. Nicht umsonst sagt Weißkirchens Trainer Stelios Doukas: „Ich würde Claudio mit Kusshand nehmen. Aber die Entscheidung liegt bei ihm.“

Bracci möchte nach schwerer Verletzung und darauffolgender mehrjähriger Pause kein größeres Risiko eingehen. Niemand hat dafür mehr Verständnis als Doukas, einst selbst ein veritabler Stürmer, der aufgrund von gleich drei Kreuzbandrissen seine vielversprechende Karriere zu früh beenden musste. Der heute 38-Jährige durchlief alle Junioren-Auswahlmannschaften des DFB von der U15 bis zur U18. Auch der Verband Griechenlands, die Heimat seiner Vorfahren, habe sich damals um ihn bemüht. „Aber ich wollte nur für Deutschland spielen“, erzählte er, „hier bin ich geboren, hier habe ich das Fußballspielen gelernt.“

Heute bringt Doukas das Fußballspielen den Jüngeren im Oberurseler Stadtteil Weißkirchen bei. Sein Team ist jung, unerfahren und momentan unten drin in der Tabelle. Doch auch ohne Routinier Claudio Bracci glaubt Doukas an seine Jungs.

„Es wird von Spiel zu Spiel besser, wir sind im Kommen“, meinte er nach dem Sieg am Sonntag. Wer die Partie gesehen hat, der ist geneigt, ihm zu glauben.

ROBIN KUNZE

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