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Ein Naturbursche: Timon Konstantinidis unterwegs in den Schweizer Alpen.

NNP-Serie: Die Kapitäne

Ein Weltenbummler im Trikot des SV Thalheim

  • Yannick Wenig
    vonYannick Wenig
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Sie genießen den Respekt ihrer Mitspieler und der Trainer, tragen die Binde am Arm mit Stolz und haben etwas zu sagen: die Kapitäne. Im Vereinsdress auf dem Platz kennt man sie als "Leader" ihrer Mannschaft. Wir wollen wissen, wer der Mensch ist, der in diesem Trikot steckt. Heute lernen wir Timon Konstantinidis vom Kreisoberligisten SV Thalheim etwas näher kennen.

Atemberaubende Natur, unendliche Weite, eine der schönsten Städte der Welt und die "Big Five": Während seines sechsmonatigen Aufenthaltes - Travel and Work - in Südafrika hat Timon Konstantinidis nach seinem Abitur die Schönheit der Natur und der afrikanischen Kultur kennen- und lieben gelernt. Doch am meisten prägte ihn die andere - von den meisten Touristen unentdeckte - Seite Südafrikas. Den Großteil seiner Zeit verbrachte er damals in Kapstadt, jobbte in einem Hostel.

"Durch meine Arbeit habe ich einen Kollegen kennengelernt, der mir auch das Leben in den Townships gezeigt hat," erzählt der 27-Jährige. "Wenn man die Armut dort sieht, bekommt man auf alles einen völlig neuen Blickwinkel." Großfamilien leben dort in klitzekleinen Blechhütten, ohne Strom, ohne fließendes Wasser.

"Ich habe viel gelernt. Vor allem habe ich mein Leben hier in Deutschland schätzen gelernt", berichtet Timon Konstantinidis von seiner prägenden Erfahrung. "Die Menschen in den Townships sind arm an Vermögen, aber reich an Gutmütigkeit, Lebensfreude und Respekt. Das hat mich wirklich beeindruckt." Durch diese Erfahrung hat der Kapitän des SV Thalheim seine Leidenschaft für das Reisen entdeckt. "Im Sommer 2020 hatte ich eigentlich einen Asien-Trip geplant. Im Dezember wollte ich einen Freund in Namibia besuchen, den ich in Südafrika kennengelernt habe und der mich schon zweimal hier besucht hat", berichtet er. Beides fiel aufgrund der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen flach. Stattdessen flog der Niederhadamarer nach Rhodos. Auch zu Griechenland hat Timon Konstantinidis ein besonderes Verhältnis: "Ich bin Halbgrieche, da mein Vater dort geboren und aufgewachsen ist und im Alter von 18 Jahren nach Deutschland kam."

Timon Konstantinidis arbeitet als Operator bei einem Online-Marketing-Unternehmen mit Hauptsitz in Köln. "In Pandemie-Zeiten ein Segen", wie er sagt. "Für mich hat sich kaum etwas geändert. Wir haben ohnehin eine flexible Home-Office-Regelung."

Sehr wohl hat sich für den Marketing-Spezialisten in den letzten Jahren aber sportlich etwas verändert. Über den TuS Gückingen und den SV Rot-Weiß Hadamar 2 fand er seine sportliche Heimat in Thalheim. "Damals war es eine Art Projekt. Der Verein bietet mit dem Platz und dem gesamten Umfeld gute Verhältnisse und ein Riesenpotenzial", sagt er.

Das Potenzial hat er mit den Thalheimern bereits unter Beweis gestellt. Aus der B-Liga ging es unter dem damaligen Trainer Jörg Guckelsberger binnen weniger Jahre bis in die Kreisoberliga hoch. Als Kapitän und Wortführer hat auch Timon Konstantinidis großen Anteil an diesem Erfolg. "Es ist viel passiert, seitdem ich in Thalheim bin. Der Fokus liegt jetzt mehr auf dem, was auf dem Platz passiert", sagt Timon Konstantinidis. Auch wenn das Team aus Thalheim in der aktuell unterbrochenen Spielzeit Schlusslicht der Kreisoberliga ist, fühlt sich Timon Konstantinidis dort wohl. "Wir sind schon ein geiler Verein", sagt er.

Bis Ende 2018 war der schnelle Offensivspieler des SVT "nebenher" bei den 2017 gegründeten "Black Goats" Niederhadamar beim American Football als Running Back, respektive Linebacker aktiv. "Die doppelte Belastung war einfach zu viel. Gerade auch durch das Verletzungsrisiko", weiß Timon Konstantinidis.

Das musste er auch am eigenen Leib erfahren. Bei einem Football-Spiel zog er sich eine langwierige Verletzung an der Hand zu, die ihn zur Pause zwang. "Selbst wenn alles gut ging, hatte man den einen oder anderen Tackle vom Vortag beim Fußball am Sonntag schon noch in den Knochen." Gänzlich fern bleibt er dem American Football heute aber nicht: Am Sonntagabend schaltet er regelmäßig bei den Übertragungen der nordamerikanischen Profiliga NFL ein und fiebert von der Couch aus mit seinem Lieblingsteam, den Seattle "Seahawks", mit.

Auch wenn sich die Wohnsituation von Timon Konstantinidis demnächst ändern wird - schon in Kürze soll die gemeinsame Wohnungssuche mit Freundin Lisa beginnen - wird er diese schönen Tradition ganz sicher beibehalten.

In der nächsten Folge präsentieren wir einen gestandenen "Captain" aus der Kreisoberliga, der gerne Zeit am anderen Ende der Welt verbringt.

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