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Weltrekord-Schützin Janine Meißner vom BSC Hochtaunus.

Bogenschießen, BSC Hochtaunus

Was der Weltrekord von Janine Meißner mit einer 20-Cent-Münze zu tun hat

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Für Bogenschützin Janine Meißner vom BSC Hochtaunus geht eine denkwürdige Woche mit zwei internationalen Wettkämpfen zu Ende – und wie.

Sie hat schon an einigen internationalen Wettkämpfen teilgenommen, im Juni sogar als einzige deutsche Compound-Bogenschützin bei den European Games in Minsk. Dafür hat Janine Meißner vom BSC Hochtaunus unzählige Stunden trainiert und dabei oftmals erfahren, wie präzise sie schießen kann. Doch „um auch gut zu sein, wenn es drauf ankommt“, bedarf es noch etwas mehr, weiß die 25-Jährige aus Schmitten.

Jetzt war sie es auf den Punkt genau. Sie war so gut, dass sie nicht nur ihren eigenen Ansprüchen genügte – was unter Präzisionsportlern als nahezu unmöglich gilt – sondern auch eine Leistung vollbrachte, die bis zum Indoor-Weltcup im luxemburgischen Strassen noch niemand geschafft hat. In der Qualifikationsrunde erzielte die Nationalkaderschützin 596 von 600 möglichen Ringen – Weltrekord!

Die Zielscheibe steht in 18 Metern Entfernung

Man muss es präziser beschreiben, um es auch als Nicht-Bogenschütze einordnen zu können. Die Damen stehen mit ihren Hightech-Bögen 18 Meter entfernt von der Zielscheibe und feuern die Pfeile in zwei Serien je 30 Mal ab. Die Höchstpunktzahl 10 erhält man, wenn die Mitte getroffen wird. Der kleinste Kreis im gelben Rund ist nicht größer als ein 20-Cent-Stück.

Janine Meißner (BSC Hochtaunus) am Schießstand beim Weltcup in Strassen.

Janine Meißner übertraf bei den „GT Open“ die bisherige Bestmarke von Erika Jones um einen Ring. Die US-Amerikanerin hatte den Weltrekord 2014 im französischen Nimes aufgestellt. Kurioserweise teilt Meißner sich den Rekord nun mit Ella Gibson. Die Britin hatte tags zuvor ebenfalls 596 Ringe erzielt.

„Ich bin superglücklich, das war der Abschluss einer grandiosen Woche“, sagt Meißner. Begonnen hatte diese für sie mit dem Turniersieg beim „Kings of Archery“ in Eindhoven, dazwischen lag Lernstress für die angehende Lehrerin (mit zwei Unterrichtsbesuchen).

Lob an den Mentaltrainer

Vor allem ihr Mentaltraining habe sich dann beim nächsten internationalen Turnier binnen acht Tage bezahlt gemacht, strahlt die junge Frau aus dem Taunus, die mittlerweile in Karlsbad lebt. Ihr Mentaltrainer ist Axel Rabenow, bei dem die Sportschützin zunächst in Hannover mehrere Sitzungen absolvierte. Inzwischen erhält sie Anleitungen am Mobiltelefon oder durch Sprachnachrichten per WhatsApp.

„Durch die Übungen kann ich mit Stresssituationen ruhig umgehen“, erzählt Janine Meißner. Eine besteht zum Beispiel aus bewusstem Ein- und Ausatmen. Mehr und mehr schirmt sie sich dabei von der Außenwelt ab, konzentriert sich ganz auf sich und ihren Körper. Und den beherrschte Janine Meißner nach dem Weltrekord so gut, dass sie sich in vier Duellen der K.o.-Runde durchsetzte. Im Finale stand es dann gegen die Französin Sophie Dodemont nach 15 Pfeilen 148:148. Erst das Shootout verlor Meißner mit 9:10.

Ihre Freude schmälerte das nicht. Endlich hatte sie alles abgerufen – und mit 150 Ringen in der ersten K.o.-Runde einen weiteren deutschen Rekord aufgestellt. Beide nationalen Bestmarken hält sie nun ganz alleine. Einer der ersten Gratulanten war übrigens Mentaltrainer Rabenow. Er war auch als Schütze in Luxemburg am Start.

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