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Erlebten bis zur Winterpause Höhen und Tiefen: Steffen Moritz (links) mit seinem FC Waldbrunn und Andreas Petri mit Aufsteiger RSV Weyer. 

Serie: Winterpause im NNP-Land

Der RSV Weyer hofft - der FC Waldbrunn träumt

Winterpause im NNP-Fußball-Land. Das ist die Gelegenheit, die Spielklassen von den Oberligen abwärts bis zu den Kreisligen C Limburg-Weilburg etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Heute blicken wir hinter die Kulissen der Verbandsliga Mitte, in der mit dem FC Waldbrunn und dem RSV Weyer zwei Vertreter aus dem NNP-Land kicken.

VON PATRICK JAHN

Dass sich der FC Waldbrunn nach zwei Jahren, in denen die Spielgemeinschaft mit Platz neun und elf ordentliche Abschlüsse erreicht hatte, längst etabliert hat, steht außer Frage. Dass die Mannschaft des Spielertrainer-Duos Christian Mehr und Steffen Moritz allerdings nach 19 von 32 absolvierten Partien auf dem Platz an der Sonne überwintert, hätte sich im Westerwald wohl niemand erträumt. Gleich zum Auftakt hatte der FCW im Derby bei Aufsteiger RSV Weyer mit dem 4:1 ein Ausrufezeichen gesetzt. Vielleicht waren auch gerade diese 90 Minuten prägend für den weiteren Saisonverlauf. Die Waldbrunner waren nicht unbedingt die bessere Mannschaft gewesen, präsentierten sich aber enorm abgezockt.

Nach einer 3:2-Niederlage beim SV Bauerbach verlief vor allem der restliche August phänomenal. Fünf Spiele, 13 Punkte, schier unglaubliche 21:3 Tore. Die Offensivmaschinerie um den treffsicheren Steffen Moritz lief auf Hochtouren. Ganz so hervorragend sollte es dann nicht weitergehen, doch die Waage zwischen Sieg, Unentschieden und Niederlage sollte sich halten, so dass Waldbrunn weiter ganz oben dabei blieb. Bei Mitfavorit FC Gießen reichte es dann Mitte Oktober zu einem 2:2, ehe die nächste tolle Serie von neun Punkten aus drei Spielen folgte.

Gegen Ende des Spieljahres setzte es beim 3:4 gegen Abstiegskandidat und Angstgegner SV Bauerbach einen unerwarteten Dämpfer. Zum Abschluss katapultierte ein 3:1-Auswärtssieg in Kinzenbach das Mehr-/Moritz-Team jedoch auf Rang eins. Das letzte Spiel des Jahres, das ultimative Gipfeltreffen gegen den zweitplatzierten SV Zeilsheim, musste witterungsbedingt abgesetzt werden. Dennoch: Die Verantwortlichen des FC Waldbrunn dürfen auf ein fantastisches erstes Halbjahr zurückblicken. Das große Plus der Westerwälder dürfte vor allem die gute Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern sein, die sich stets geschlossen präsentiert. Trotz des Höhenflugs würde vermutlich niemand das Wort "Aufstieg" in den Mund nehmen. Aber: Wer nach 19 Spielen auf Rang eins steht, muss sich unter Umständen vielleicht sogar mit diesem Thema befassen.

Mit 36 Punkten und der besten Offensive der Liga (55 Tore, 21 davon gehen auf das Konto von Steffen Moritz) hat der Verein eine mehr als ordentliche Basis gelegt. Klar ist aber auch, dass die Ausgeglichenheit dieser Spielklasse so ihre Tücken mitbringt. Der FV Breidenbach beispielsweise rangiert als Achter nur sieben Zähler hinter dem Spitzenreiter. Eine Prognose über den weiteren Verlauf erscheint also schwierig. Der SV Zeilsheim dürfte aber die besten Karten haben, am Ende ganz oben zu stehen.

RSV Weyer mitten in der "Verlosung"

Spannend entwickelt sich auch der Kampf um den Klassenerhalt. Je nachdem, wie viele Vereine aus der Hessenliga absteigen, drohen im Extremfall bis zu fünf Absteiger. Das Interessante: Anders als in den Vorjahren gibt es noch keinen Club, der abgeschlagen am Tabellenende steht. Natürlich wird die Aufgabe für Schlusslicht FC Cleeberg angesichts von 16 Punkten schwierig, der Rückstand zum rettenden Ufer beträgt jedoch "nur" acht Punkte. Inmitten dieser "Verlosung" befindet sich auch der RSV Weyer. Als Aufsteiger gestartet, war allen Beteiligten von Beginn an klar, dass es nur darum gehen kann, die Klasse zu halten. Alleine der Aufstieg nach dem berauschenden 5:0-Erfolg gegen TuBa Pohlheim in der Aufstiegsrunde war der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte der Grün-Weißen. Ziemlich deftig verlief dann aber der Saisonstart der Mannschaft von Trainer Frank Wissenbach. Drei Pleiten zum Auftakt machten schnell deutlich, wie der Wind eine Etage höher weht. Dass sich der Verein versuchte, in der neuen Umgebung zu akklimatisieren, wurde mit dem ersten Saisonsieg beim SC Waldgirmes 2 belohnt (2:1). Das Kuriose: Auf eigenem Platz setzte es weiter Niederlagen, während es auswärts besser lief. Auch beim SV Bauerbach gelang dem RSV ein nicht zu erwartender deutlicher Erfolg (4:1). Bedingt durch viele Personalprobleme folgten für die Weyer dann aber grausame Wochen. Fünf heftige Niederlagen bei niederschmetternden 1:26 Toren bedeuteten vorläufig den letzten Platz.

Doch wo Schatten ist, da folgt auch Licht, denn gegen den VfB Marburg gab es am 6. Oktober endlich den ersehnten ersten Heimsieg. Mit taktischer Disziplin und mannschaftlicher Geschlossenheit war vor allem dieses Spiel ein Beleg dafür, dass die Grün-Weißen in der Verbandsliga bestehen können. Vor allem gegen Ende des Jahres waren die Jungs von Frank Wissenbach in Punktelaune. Satte zehn Zähler aus den letzten fünf Runden dürfen dem RSV Hoffnung auf den Klassenverbleib machen. Mit insgesamt 19 Punkten ist das rettende Ufer wieder in Sicht. Überraschungen sind vonnöten. Vielleicht klappt das ja sogar im ersten Spiel nach der Winterpause beim FC Waldbrunn. 



Verbandsliga Mitte

1. FC Waldbrunn 19 11 3 5 55:30 36

2. Spvgg. Eltville 20 11 3 6 41:37 36

3. SV Zeilsheim 19 10 6 3 45:23 36

4. FC Gießen 2 20 11 2 7 54:40 35

5. FC Ederbergland 20 10 3 7 54:36 33

6. FC TuBa Pohlheim 19 12 3 4 37:27 30

7. VfB Marburg 20 9 2 9 41:40 29

8. FV Breidenbach 19 9 2 8 41:45 29

9. SG Kinzenbach 18 8 3 7 37:40 27

10. FV Biebrich 20 8 2 10 50:45 26

11. SC Waldgirmes 2 19 8 1 10 38:41 25

12. SF/BG Marburg 19 7 3 9 37:43 24

13. SV Bauerbach 20 6 3 11 40:54 21

14. Germ. Schwanheim 20 6 3 11 51:60 20

15. SSV Langenaubach 20 6 2 12 42:47 20

16. RSV Weyer 19 6 1 12 28:59 19

17. FC Cleeberg 19 4 4 11 23:47 16

FC TuBa Pohlheim wurden 7 Punkte wegen Ausschreitungen abgezogen. Punktabzug wegen fehlender Schiedsrichter: FC TuBa Pohlheim 2, Germania Schwanheim 1.

Torjäger

1. Manuel Todt (FC Ederbergland) 23

2. Steffen Moritz (FC Waldbrunn) 21

3. Orkun Zer (FV Biebrich) 18

4. Felix Baum (FV Breidenbach) 16

5. Manuel Brehm (SV Bauerbach) 14

6. Devante Burnett (Germ. Schwanheim) 13

7. Fabio Dahlem (SC Waldgirmes 2) Ahmet Gök (Germ. Schwanheim) Sascha Huhn (SF/BG Marburg) Michael May (SSV Langenaubach) Carlos McCrary (SV Zeilsheim) 12

12. Kevin Rennert (TuBa Pohlheim) 11

13. Necmi Gür (FV Biebrich) Leon Kunz (SSV Langenaubach) Natnael Tega (FC Gießen 2) 10

16. Lukas Scholl (FC Waldbrunn) David Seibel (RSV Weyer) Ahmet Marankoz (TuBa Pohlheim) Patrick Veith (Spvgg. Eltville) 9

20. Thomas Wilhelmy (FC Waldbrunn) Marvin Helm (SG Kinzenbach) Sandro Noriega (FV Breidenbach) Luca Teller (FC Gießen 2) Maximilian Wiessner (SV Bauerbach) Arthur Besel (VfB Marburg) Maxim Zich (FC Ederbergland) 8

27. Emre Duran (SC Waldgirmes 2) Mirko Freese (SV Bauerbach) Jan Löwer (FV Biebrich) Aleksandar Mastilovic (SV Zeilsheim) Tomi Pilinger (SF/BG Marburg) Sebastian Wanke (FV Breidenbach) 7

33. Arne Breuer (FC Waldbrunn) Jann Bangert (FC Gießen 2) Eric Bender (Spvgg. Eltville) Robin Dörr (FC Cleeberg) Ernes Hidic (VfB Marburg) Dominik Huisgen (FC Cleeberg) Marlon Klärner (Spvgg. Eltville) Justin Matthews (Germ. Schwanheim) Ingo Miß (FC Ederbergland) Samuel Kemoh Sesay (FC Gießen 2) 6

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