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Wie ein Oberurseler Trio den Ironman auf Hawaii erlebte

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Von: Thorsten Remsperger

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Leon Kriszeleit beim Zieleinlauf in Kona.
Leon Kriszeleit beim Zieleinlauf in Kona. © Leon Kriszeleit

Hannah Hartlieb, Leon Kriszeleit und Benedikt Küstermann vom SC Oberursel starteten bei der WM - und gingen dabei über ihre körperlichen Grenzen hinaus.

Kona/Oberursel -Nichts ging mehr. 3,86 Kilometer war Hannah Hartlieb durch das warme und klare Wasser des Pazifiks geschwommen. Sie hatte 180,2 Kilometer auf dem schwarzen Asphalt der eintönigen Radstrecke zurückgelegt. Und sie war die ersten zwölf Kilometer, angefeuert von zahlreichen Zuschauern in Kailua-Kona, gelaufen.

Es folgte für die Athleten der anstrengendste Teil des abschließenden Marathons beim Ironman auf Hawaii, dem härtesten Triathlon der Welt. Mit dem „Energy Lab“ wird der Abschnitt bezeichnet, bei dem es nach dem Joggen auf dem Ali’i Drive, der Palani Road und den Geraden auf der Queen-K hinaus geht auf den Highway. Bergauf, bei brutaler Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit, Zuschauern ist es dort generell zu heiß. Hannah Hartlieb, Debütantin bei der Ironman-WM, blieb auf dem Highway stehen, alle Reserven aufgebraucht, sie musste sich übergeben. „Nichts ging mehr“, erzählt die 26-Jährige.

Die BWL-Studentin aus Oberursel war eine von drei Teilnehmern des SC Oberursel, die sich für Hawaii qualifiziert hatten und die kostspielige Reise auf das Eiland im pazifischen Ozean auf sich nahmen. 1200 Euro müssen Sportler für die Startgebühr berappen, 6000 bis 8000 Euro für Flüge und Unterkunft.

Einmal auf Hawaii dabei sein. Den Traum von so ziemlich jedem Triathleten erfüllte sich Hartlieb, nachdem sie sich 2021 in Frankfurt, damals für sie überraschend, als Vize-Europameisterin ihrer Altersgruppe die Startberechtigung gesichert hatte. Seitdem hat sie sehr viel Zeit und Kraft in Training, aber auch Sponsorensuche investiert. Auch ihr Vereinskamerad Benedikt Küstermann, 42, dreifacher Vater, er arbeitet als Zahnarzt, hatte sich in Frankfurt qualifiziert und wagte erstmals die Teilnahme.

Für Leon Kriszeleit, den dritten SCOler im Bunde, 33 Jahre alt, Abteilungsleiter eines Konsumgüterkonzerns, war es auf Hawaii das zweite Mal. In vier Trainingslagern hatte sich der Amateur, im Triathlon „Age Grouper“ genannt, auf den Saisonhöhepunkt vorbereitet. Noch besser wollte er sein als 2019, als er in 9:07,11 Stunden starker Zwölfter seiner Altersklasse geworden war.

Pralle Sonne, schwarzer Asphalt

Wie Hartlieb waren sowohl Küstermann als auch Kriszeleit absolut zufrieden mit ihren Leistungen beim Schwimmen und Radfahren. Und wie ihre Vereinskameradin erlebten sie „brutal harte Bedingungen beim Laufen“ (Kriszeleit). „Man läuft raus in die pralle Sonne, auf schwarzem Asphalt, an Lavafeldern vorbei“, erzählt Küstermann. „Da ist man ganz schön mit sich selbst beschäftigt, da wird’s kernig.“

Was Kriszeleit kritisiert: Acht Verpflegungsstellen habe es für die Läufer weniger gegeben als 2019, zwei sehen wegen fehlender Helfer kurzfristig gestrichen worden. „Man bekommt viereinhalb Kilometer nichts zu trinken, hat aber 1200 Euro bezahlt, um überhaupt starten zu können - für mich eine absolute Frechheit.“

Während Küstermann, der auf einem anderen Leistungsniveau unterwegs ist, immer wieder Gehpausen einlegte, und das für ihn auch absolut okay war, wuchs Kriszeleit über sich hinaus, blieb im Rhythmus und konnte „auf der letzten Rille laufend“ noch einige Konkurrenten überholen. Nach 8:55,23 Stunden kam er ins Ziel, viel schneller als beim ersten Mal, als 65. der Gesamtwertung und 45. Nicht-Profi des Rennens. „Super happy“ ist er darüber. Sein Wermutstropfen: In der niedrigeren und höheren Altersklasse hätte das für die erhoffte Top-fünf-Platzierung gereicht, nicht aber bei den stark besetzten 30-35ern, da wurde Kriszeleit unter 346 Teilnehmern Fünfzehnter. „Irgendwann werde ich zurück auf die Insel müssen, um mir doch eine dieser Holzschalen zu holen“, lächelt Kriszeleit.

Wie er hatte Benedikt Küstermann die letzten Meter bis zum Ziel unter dem Jubel der Massen besonders genossen. „Man hat geschafft, was man schon immer schaffen wollte“, sagt er (seine Zeit: 10:27,05). Ambitionen für eine weitere Hawaii-Teilnahme habe er eher nicht.

„Jetzt weiß ich, was den Mythos ausmacht“

Und Hannah Hartlieb? Sie ging einfach weiter. Kühlte auf der Energy Lab, die so heißt wegen der wissenschaftlichen Laboratorien, die sich in dieser Gegend befinden, an den Verpflegungsstationen ihren Körper runter, so gut es ging. Wasser trinken, Gel schlucken. „Ich habe mich auf die Natur konzentriert, die Menschen und den Gedanken, dass ich hier gerade genau das mache, was ich schon als Kind erleben wollte.“

Nach 12:54,16 Stunden ging sie, völlig erschöpft und überglücklich, über die Ziellinie. „Vor meiner Reise konnte ich mir kaum vorstellen, was es mit dem Mythos Hawaii auf sich hat“, sagt Hannah Hartlieb. „Jetzt weiß ich es, und das Gefühl ist unbeschreiblich und surreal.“

Hannah Hartlieb überglücklich im Ziel.
Hannah Hartlieb überglücklich im Ziel. © Hannah Hartlieb/Instagram
Benedikt Küstermann an der Pazifikküste in den Tagen vor dem Start.
Benedikt Küstermann vor dem Start. © Benedikt Küstermann/Instagram

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