Niklaus Haupt (rechts), Beachhandballnationalspieler aus Oberursel, im EM-Spiel gegen Portugal.
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Niklaus Haupt (rechts), Beachhandballnationalspieler aus Oberursel, im EM-Spiel gegen Portugal.

Beachhandball, Europameisterschaften

Wie es drei Oberurselern bei der Beachhandball-EM erging

  • Thorsten Remsperger
    VonThorsten Remsperger
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Claire Ramacher, Sören Kilp und Niklas Haupt spielten im bulgarischen Warna für Deutschland. "Dress-Code" im Sand sorgt für Diskussionsstoff.

Oberursel -Man stelle sich einmal vor, für einen Platz in der Nationalmannschaft würde ein Casting durchgeführt werden. Hansi Flick wäre nicht nur Bundestrainer von Deutschlands populärster Auswahl, sondern wahrscheinlich angesichts des zu erwartenden Ansturms auch ein restlos ausgebuchter Fußballtrainer. Unvorstellbar das Ganze? Nach den Prinzipien einer Casting-Show ist Claire Ramacher tatsächlich Nationalspielerin geworden.

Vor zwei Jahren wurden junge Handballerinnen der Jahrgänge 2004 und 2005 dazu aufgerufen, sich für das neu zu bildende Jugendnationalteam im Beachhandball zu melden. Niklas Haupt, seit Jahren ein glühender Anhänger des Sports und inzwischen selbst Nationalspieler, zeigte Claire Ramacher, B-Jugend-Spielerin der TSG Oberursel, den Eintrag im sozialen Netzwerk. Die talentierte Linkshänderin stellte Videosequenzen zusammen, die sie für ihr Team, die "Flying Ducks", meist springend und Tore werfend im Sand zeigte, schickte sie ab - und wurde prompt zu ihrem ersten Lehrgang eingeladen.

U17-Nationalspielerin Claire Ramacher aus Oberursel mit einer Deutschland-Fahne am Strand von Warna.

Die Beachhandball-Laufbahn der 17-jährigen Oberurselerin fand in der EM-Teilnahme ihren vorläufigen Höhepunkt. Ebenfalls für den DHB am Strand von Warna (Bulgarien): die Oberurseler Sören Kilp (U17) und eben Niklas Haupt (Männer), die in der Halle für die TSG Münster spielend.

Die U17-Beachhandball-Nationalspieler Sören Kilp und Claire Ramacher aus Oberursel.

"Das war ein ziemlich krasses Erlebnis", erzählt Claire Ramacher, die als Hallenhandballerin im Frühjahr von der TSGO zum Drittligisten FSV Mainz 05 II gewechselt ist. "Es hat mega viel Spaß gemacht, für diese Erfahrung war es das wirklich wert."

Haarscharf an einer Medaille vorbeigeschrammt

Was nicht ganz in ihrem Sinne und dem ihrer Mitspielerinnen war: Als Viertplatzierte schnitt der Blondschopf zwar unter den "drei Orschelern" am besten ab, aber dieser Rang wird eben auch oft als undankbar wahrgenommen, weil eine Medaille ja in Reichweite war. Im Spiel um Platz drei wurde gegen ihr Team im letzten Angriff ein fragwürdiges Stürmerfoul gepfiffen, so dass Spanien nach dem 22:18 im ersten Abschnitt sich knapp mit 17:16 durchsetzte und den Sieg vorzeitig sicherte. Ein Shootout wird notwendig, wenn jedes Team einen Abschnitt gewonnen hat. Zuvor hatte es bis zum 0:2 im Halbfinale gegen die Niederlande vier Siege und zwei Niederlage für den deutschen Nachwuchs gegeben, und Angriffsspielerin Ramacher sich vor den Augen ihrer Eltern und Großeltern immer mehr gesteigert.

Auch Sören Kilp überzeugte im DHB-Trikot. Ihm kam als "Shooter" eine Schlüsselrolle zu. Diese werden immer im Angriff für den Torwart eingewechselt, und Shooter-Tore zählen doppelt. Für die U17 reichte es trotz der positiven Bilanz von drei Siegen und zwei Niederlagen nur für die Platzierungsrunde, die man bestmöglich abschloss (5.).

Haupt und die DHB-Männer von Bundestrainer Konrad Bansa (TSG Münster) hatten sich derweil mehr ausgerechnet als den zwölften Platz. "Wir sind nicht so reingekommen, wie wir uns das erhofft haben", sagt Haupt, "es hing an ein paar Aktionen in der Gruppenphase, nach denen es ganz anders hätte laufen können." Nach der Auftaktniederlage gegen Portugal schlug das DHB-Team zwar die Niederlande, nahm jedoch auch das 0:2 gegen Russland als Hypothek mit in die Hauptrunde. Dort gelang nur ein Sieg gegen Schweden, gegen Kroatien und Polen unterlagen die Deutschen.

"Die individuellen Fehler sind sicherlich der Unerfahrenheit auf diesem Niveau geschuldet", analysierte Bundestrainer Bansa. "Nur drei von uns waren schon bei einer EM bei den Männern dabei gewesen", erläutert Haupt. Der 26-jährige Student debütierte ebenfalls. Er stand in der Abwehr seinen Mann, wurde in allen neun Partien eingesetzt.

Norwegerinnen wollten nicht in Bikinihosen spielen

Für Aufsehen sorgte im Damenwettbewerb, den Deutschland gewann, dass die Norwegerinnen vom europäischen Verband eine Geldstrafe in Höhe von 1500 Euro (150 Euro pro Spielerin) aufgebrummt bekamen, da sie Shorts statt der vorgeschriebenen Bikinihosen trugen. Damit wurde die Sexismus-Debatte im Sport neu entfacht.

Positives Feedback erhielten die bulgarischen Gastgeber. "Es war toll organisiert, eine tolle Stimmung. Man hat gespürt, wie sehr die Sportler solche Turniere vermisst haben", ist Haupt immer noch begeistert. Es ist zu hoffen, dass es in der Hallensaison, auf die er sich mit seinem Team ab August vorbereitet, so bleibt.

EM-Ergebnisse, Männer, Endspiel: Dänemark - Kroatien 2:0 ( 25:20, 28:22); Spiel um Platz 3: Russland - Spanien 2:1 (24:23, 14:16, 7:6); 12. Deutschland. - Frauen , Endspiel: Deutschland - Dänemark 2:0 (24:21, 25:20); Spiel um Platz 3: Spanien - Norwegen 2:0 (21:18, 23:22.). - U17 männlich , Endspiel: Schweden - Spanien 2:1 (21:30, 27:26, 19:18); Spiel um Platz 3: Ukraine - Kroatien 2:0 (24:21, 16:12); 5. Deutschland. - U17 weiblich , Endspiel: Ungarn - Niederlande 2:1 (20:25, 19:14, 7:4); Spiel um Platz 3: Spanien - Deutschland 2:0 (22:18, 17:16).

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