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Bela Wendnagel, einer der besten Bad Homburger im Spiel gegen Wald-Michelbach, wird gefoult.

Fußball Hochtaunus, Spiel der Woche

Wieder kein Sieg für Vatanspor Bad Homburg

Der TSV Vatanspor bleibt auch im fünften Verbandsligaspiel des Jahres ohne Sieg. Der Abstieg für die Bad Homburger Fußballer rückt näher. Dabei hat es gegen Wald-Michelbach so gut begonnen für die Gastgeber.

Das hatte es in mehrfacher Hinsicht so bei den Verbandsligafußballern von Vatanspor Bad Homburg in diesem Jahr noch nicht gegeben. Weil Gegner Eintracht Wald-Michelbach um eine Spielverlegung auf Samstag gebeten hatte, startete der TSV am späten Nachmittag quasi zeitgleich mit der Bundesliga-Schlusskonferenz. Während in der Beletage des deutschen Fußballs regelmäßig späte Tore die Zuhörer vor den Fernseh- und Radiogeräten verzücken, zeigte sich der stark abstiegsgefährdete Gastgeber zeitgleich sehr treffsicher. Nur eben in der Anfangsphase des Spiels vor nur 70 Zuschauern im Sportzentrum Nord-West, wo die TSV-Akteure auf dem Rasenplatz loslegten.

Erstmals in diesem Jahr nicht auf dem ungeliebten Kunstrasen und nach gut zehn Minuten mit 2:0 in Führung: Das war ein völlig neues Gefühl für die Homburger. Jedoch schien ihnen die frühe Führung nicht zu bekommen.

Nach gut 120 Sekunden hatte Bela Wendnagel zwei Gegenspieler stehen gelassen und steil auf Soufian Chihab gepasst, der aus etwa zwölf Metern präzise ins linke Toreck schoss. Torwart Tim Wiegand konnte sich noch so sehr strecken, der Ball war drin. Zehn Minuten später sprang nach einem Freistoß von Wendnagel der Ball an die Hand von Innenverteidiger Boubcar Siby. Schiedsrichter Pascal Müller aus Offenbach pfiff Elfmeter. Dino Cakovic trat an und verwandelte eiskalt zum 2:0. Danach war es jedoch mit der Homburger Herrlichkeit vorbei, Wald-Michelbach bestimmte das Spiel, Marke Abstiegskampf.

Schon nach der ersten Eintracht-Ecke bugsierte Felix Fischer den Ball ins Netz zum Anschlusstreffer. Und die Gäste hatten weitere Möglichkeiten. „Jetzt wird es aber lustig dahinten“, entfuhr es unter den Zuschauern „Larry“ Schlosser, dem langjährigen Mannschaftsbetreuer der Spielvereinigung 05 in der Hessenliga.

Gar nicht lustig wurde es jedoch für Mohamed Youssef. Der erhielt nach einem Foul an Jan Gebhardt die Gelbe Karte. Das sollte Folgen haben, denn auch in der 50. Minuten konnte Youssef den Wald-Michelbacher Torjäger nur mit einem Foul stoppen und sah dafür berechtigterweise die Gelb-Rote Karte.

Kurz vor diesem Platzverweis war der Ausgleich gefallen. Boubcar Siby sprang nach einer Flanke am höchsten. Und wieder war es einer der großen Innenverteidiger der Gäste, der per Kopf den Ausgleich erzielte.

Vatanspor-Trainer „Ibo“ Cigdem hatte zur Pause schon Bedenken gehabt („Gut sind wir nicht, aber wir hatten das Glück auf unserer Seite“). Als die Partie abgepfiffen war, sprach er nicht mehr von Glück oder Pech, sondern er lobte sein Team, das „alles reingeschmissen hat“ und dem er keinen Vorwurf machen wollte, weil es „wegen Unterzahl einfach nicht gereicht hat“.

Da hatte er Recht, denn seine Mannschaft hatte mit einem Mann weniger das Spiel bis zum Schlusspfiff offen gehalten. Außerdem musste der Ausfall von Verteidiger Boris Lukic verkraftet werden, der in der 61. Minute mit einer offensichtlich schweren Knieverletzung nach einem Zweikampf vom Platz geführt werden musste. Die Diagnose steht noch aus.

Die Gäste waren mit dem 2:2 nicht zufrieden. Das war ihnen nach dem Abpfiff deutlich anzusehen. Zeitweise lautete der Titel des Spiels: „Wald-Michelbach gegen Rachid Doering“. Der Homburger Keeper parierte etliche sichere Torchancen und brachte die Torjäger Gebhardt und Malcolm Darffour zum Verzweifeln. Wendnagel und der eingewechselte Christopher Skoczny hatten auf der anderen Seite auch Chancen für die kämpfenden Homburger, weshalb auch der ein oder andere TSV-Spieler nach Spielende enttäuscht zu Boden sank.

Die Punkteteilung in Unterzahl ist unter dem Strich aller Ehren wert, hilft aber Vatanspor im Kampf um den Klassenerhalt nicht wirklich weiter. Der Abstand zum direkten Kontrahenten auf dem definitiv ausreichenden Tabellenplatz zwölf beträgt weiterhin neun Punkte.

Rachid Doering überzeugt auf der „Dauerbaustelle“

Die Torwartposition ist und bleibt für Vatanspor-Trainer Ibrahim „Ibo“ Cigdem eine Dauerbaustelle. Schon zu Saisonbeginn war der vom Türk. SV Bad Nauheim gekommene Yüksel Deliktas nicht einsatzbereit. Er musste noch eine Rotsperre aus der Vorsaison absitzen. Marcel Dumann kehrte nach wenigen Wochen wieder zum FV Stierstadt zurück. Der Dritte im Bunde, Marco Kapias, wollte sich im polnischen Profi-Fußball bewähren. Mit dem 21-jährigen Rachid Doering holte man sich dann einen guten Mann aus der 2. Mannschaft des FV Bad Vilbel. Der aktuelle Stand, was die Torleute betrifft: Deliktas ist langfristig verletzt. Der zurückgekehrte Kapias ebenso. Er erlitt vergangene Woche in Walldorf einen Meniskusschaden, der eine Operation notwendig macht. Gut, dass der TSV Doering hat. Dem darf aber nichts passieren, es gibt keine Alternative. Gegen Wald-Michelbach rettete Doering einen Punkt. Er hielt überragend und sei auch sonst sehr beliebt, wie der Sportliche Leiter Stefan Lang sagt: „Er passt hervorragend zu uns, ist sehr ehrgeizig und hat einen tollen Charakter.“

WOLFGANG KULLMANN

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