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Philipp Hees (FC Mammolshain) nach dem Schlusspfiff in Steinbach.

Fußball Hochtaunus, Spiel der Woche

Wilde Schlussphase in Steinbach: Mammolshain zeigt Nerven - 0:2

Hat jetzt schlicht das erfahrenere oder doch das leidenschaftlichere Team im Topspiel der Fußball-Kreisliga A gewonnen? Die beiden Trainer sind sich nicht einig.

Die sich ihm zuvor gebotenen 90 Minuten fasste Vait Arslanoski am Sonntagnachmittag folgendermaßen zusammen: „Erfahrung hat Geilheit geschlagen.“

Der Trainer des FC Mammolshain erlebte, wie seine junge Elf beim FSV Steinbach fast durchgehend spielbestimmend war, sich am Ende jedoch gegen abgeklärte Hausherren mit 0:2 geschlagen geben musste. Die angesprochene „Geilheit“ äußerte sich ab der ersten Minute in einer aggressiven Zweikampfführung und schnell herausgespielten Tormöglichkeiten. Allein Angreifer Kenam Zejnelovic hatte sechs hochkarätige Chancen, konnte aber keine nutzen. Untypisch für den groß gewachsenen und wendigen Stürmer, steht er doch mit acht Saisontreffern an der Spitze der Torjägerliste in der A-Liga.

Seinen Meister fand Zejnelovic in dieser Partie jedoch in Keeper Mario Blümel. Der Schlussmann zeigte in seiner Abschiedspartie (siehe Extra-Text) eine absolute Glanzleistung, vereitelte bereits nach vier Minuten die erste Großchance von Zejnelovic dank guter Antizipation beim Herauslaufen. In der elften Minute sahen sich die beiden wieder, diesmal kam zwar der Angreifer zum Abschluss, doch Blümel hatte gut verkürzt und lenkte den Ball zur Ecke. Eine Minute zuvor waren die Gastgeber vollkommen überraschend in Führung gegangen. Sebastian Macht brachte eine Freistoßflanke aus rund 30 Metern so auf das Tor, wie man es machen soll: Kommt kein Spieler mehr an den Ball, dann sollte dieser in Richtung Torlinie fliegen. Genau dies geschah. In einem Pulk aus Spielern erreichte niemand mehr die Kugel und Torwart Dennis Weck musste mit ansehen, wie das Spielgerät links unten einschlug (10.).

Der Treffer zeigte Wirkung bei den Gästen, die nun nicht mehr ganz so dynamisch unterwegs waren, das Spielgeschehen aber trotzdem weiterhin bestimmten. Steinbach konzentrierte sich weitestgehend aufs Verteidigen und machte dies in gewohnter Ruhe und mit mannschaftlicher Geschlossenheit.

Arslanoski reagierte früh und wechselte bereits in der 20. Minute Martin Siever ein. Am Hauptproblem – der Chancenverwertung – änderte die Personalrochade allerdings nichts. Nach rund einer halben Stunde eroberte Zejnelovic den Ball stark am gegnerischen Strafraum, hatte dann alle Zeit der Welt, traf jedoch nur den Außenpfosten. Danach vereitelte einmal mehr Blümel eine Möglichkeit im Herauslaufen (36.). Zum Abschluss der ersten Hälfte versprang Zejnelovic nach einer mustergültigen Flanke der Ball bei der Annahme, ansonsten wäre er frei aus drei Metern zum Abschluss gekommen.

Den entscheidenden Mann der Partie brachte FSV-Trainer Christian Sudler in der 52. Minute aufs Feld. Stürmer Mohamed Naoir kam für den angeschlagenen Mujtab Paywandi und traf nur drei Minuten später zum 2:0. Zunächst konnte Mammolshain einen Freistoß abblocken, der zweite Ball kam aber umgehend zurück und wurde im Strafraum von Silas Witzke in Richtung Tor gestochert. An sich war der Ball harmlos, doch Routinier Naoir schaltete schnell und verpasste der Kugel aus einer Körperdrehung heraus mehr Drall und lupfte sie so in die Maschen (55.).

Mammolshain versuchte es weiter, verlor aber schließlich die Hoffnung auf ein Comeback und dann auch noch die Nerven. Nach einem riskanten Tackling gegen Patrick Gießen an der Torauslinie sah Muhammed Idrisoglu die Rote Karte (84.) und sein Teamkollege Zakaria Akaouch folgte ihm sogleich aufgrund einer Gelb-Roten, weil er reklamiert hatte. Und dann wurde es wild.

Zakaria Akaouch (rechts) muss nach Roter Karte und mutmaßlicher Beleidigung durch einen Zuschauer von seinem Trainer Vait Arslanoski beruhigt werden.

Kurz vor der Eskalation

Akaouch hatte beim Schiedsrichter reklamiert und sah seine zweite Gelbe Karte. Der Mammolshainer wurde daraufhin wohl von einem Zuschauer verbal provoziert und verlor die Beherrschung. Langsam, aber sehr zielgerichtet lief er die kleine Böschung hoch in Richtung einer Bank, von der sich ein Zuschauer erhoben hatte, konnte aber im letzten Moment gebremst werden. Drei Mitspieler brauchte es allerdings, um Akaouch zurück aufs Feld zu zerren, wo ihn Trainer Arslanoski „übernahm“ und ihm eindringlich ins Gewissen redete.

Währenddessen sah Mammolshains Co-Trainer Ersin Ali Dincer nach einem Kommentar in Richtung Schiedsrichter Heiko Langhammer (Königstädten) ebenfalls noch glatt Rot. Der Referee hatte sich selbst in die Bredouille gebracht, da er zuvor kleinlich und teils sogar unerklärlich gegen die Gäste pfiff. Eine Entschuldigung für verbale Entgleisungen seitens Spieler und Trainer ist dies natürlich nicht.

Das Spiel der Woche konnte geordnet beendet werden, und auch nach dem Abpfiff ging es fair zwischen den beiden Mannschaften zu. „Nicht die bessere, aber die leidenschaftlichere Mannschaft hat gewonnen“, sagte Steinbachs Trainer Sudler nach den 90 Minuten. Das bestätigte auch Kollege Arslanoski, der mit der Leistung seines Teams zufrieden war.

„Nächste Woche holen wir uns wieder die drei Punkte“, richtete der Mammolshainer Trainer den Blick bereits wieder nach vorne. Aufgrund von Patzern der Konkurrenz tritt der FCM gegen die SG Eschbach/Wernborn II wieder als Tabellenführer an.

Steinbachs Torwart Mario Blümel (links) vereitelt eine Torchance.

Mit Mario Blümel geht „ein starker Torwart und ein toller Typ“

Wer das „Spiel der Woche“ live verfolgen konnte, der weiß, wie wichtig Mario Blümel für den FSV Steinbach sein kann. Der Schlussmann vereitelte mehrere Großchancen der Mammolshainer und war ein Garant für den 2:0-Erfolg. Künftig muss es zwischen den Pfosten des FSV jedoch ein anderer richten. Blümel war von seinen Mitspielern bereits vor dem Anstoß verabschiedet worden, da er zurück in sein Heimatdorf Zahna (Sachsen-Anhalt) zieht. „Der Abschied ist schon ein wenig emotional“, gestand der 30-Jährige nach dem Spiel, „die Jungs haben mich hier super aufgenommen und es hat großen Spaß gemacht.“

Vor anderthalb Jahren kam er zum FSV und erlebte den Aufstieg aus der B- in die A-Liga mit. Für ihn der schönste von vielen tollen Momenten in Steinbach. Zuvor spielte er bereits ab 2011 in Frankfurt, erst für den FC Rödelheim, dann für den SV Blau-Gelb. In Zahna setzt er seine Fußballerlaufbahn fort, ein Teil seines Herzens bleibt aber in Steinbach. „Ich hoffe, wir können Kontakt halten“, sagt er, „zur Weihnachtsfeier würde ich vorbei kommen, wenn ich denn eine Einladung bekomme.“ Daran soll es sicherlich nicht scheitern. „Wir verlieren nicht nur einen starken Torwart“, sagt Trainer Christian Sudler, „sondern auch einen tollen Typen. Er wird uns fehlen.“

ROBIN KUNZE

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