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Eindringlicher Appell an Fairplay: KFW Robert Neubauer.

Fußball

Wildwest statt Fairplay: Kreisfußballwart Robert Neubauer fassungslos

90 Einzelurteile, 1430 Euro an Geldstrafen und 252 Spiele Sperre in den vier Groß-Gerauer Kreisligen: Zahlen, die nachdenklich machen.

Bei der Rückrundenbesprechung der Fußball-Kreisligen A bis D Groß-Gerau in Leeheim standen die sportlichen Leistungen der Klubs nicht im Vordergrund. Vielmehr war es erneut das fehlende Fairplay, das nicht nur Kreisfußballwart Robert Neubauer Sorgen bereitet. „Es ist Wahnsinn, was auf den Sportplätzen passiert“, zeigte sich auch Reimund Weber vom Sportgericht fassungslos. Es sei an der Zeit, die Vertreter der Kreisvereine um Hilfe zu bitten.

Zwar fiel die Zahl der Einzelurteile gering aus, doch die Einzelheiten stimmen nachdenklich: Die Beleidigungen, Diskriminierungen und rassistischen Äußerungen gegenüber Schiedsrichtern und Vereinsvertretern hätten für Weber einen negativen Höhepunkt erreicht. So mussten einige Trainer für viele Wochen gesperrt worden. In den vier Kreisligen wurden insgesamt 90 Einzelurteile mit 1430 Euro an Geldstrafe verhängt. Dazu wurden Spieler für 252 Spiele auf Eis gelegt.

Wahrlich erschütternde Zahlen: In der A-Liga wurden 300 Euro an Strafen und 75 Spiele Sperre ausgesprochen, in der B-Liga sind es sogar 350 Euro bei 97 Spielen Sperre. In der C-Liga summierten sich 640 Euro und 45 Spiele Sperre, während die D-Liga mit 155 Euro/35 Spielen Sperre noch vergleichsweise glimpflich wegkommt.

Spitzenreiter der Negativ-Statistik ist laut Neubauer B-Ligist SV Dersim Rüsselsheim II mit 68 Gelben Karten, acht Mal Gelbrot und einer Roten Karte. Von jenen sechs Mannschaften, die in den A- bis C-Ligen auf den beiden letzten Rängen der Fairplaywertung liegen, sind fünf aus Rüsselsheim.

Auch im Juniorenbereich mangelt es an Disziplinlosigkeiten, wie 1200 Euro Strafe bei 121 Spielsperren belegen. Bei den E- bis G-Junioren mussten 205 Euro an Geldstrafen gegen Trainer und Betreuer ausgesprochen werden. Reimund Weber musste sogar von schlimmsten Auswüchsen berichten, wonach Mitglieder des Sportgerichtes am Telefon bedroht und auf Sportplätzen angegangen werden. Robert Neubauer macht deutlich, „dass so nicht mehr weitergehen kann“. In diesem Zusammenhang schickte er eine Warnung an die Vereinsvertreter: „Alle Personen an der Seitenlinie gelten als offizielle Vereinsvertreter.“

Was den Kreisfußballwart in Leeheim nicht minder verärgert hatte, war das wiederholt unentschuldigte Fernbleiben der Vereinsvertreter von SKV Mörfelden, Türk Gücü Rüsselsheim, VfR Rüsselsheim, Dersim Rüsselsheim, TSV Trebur und Kickers Mörfelden. Neubauer über die „schwarzen Schafe“ wörtlich: „Das ist Desinteresse an der Arbeit und sorgt bei den Mitarbeitern für Frust.“ Die SKG Walldorf hatte sich immerhin im Vorfeld der Pflichtsitzung entschuldigend abgemeldet.

Neben der Besprechung der Spieltermine empfahl Neubauer den Vereinen, im DFBnet Passbilder für die Spieler hochzuladen, da dies als Legitimation anerkannt werden soll. Zudem teilte er mit, dass ein genehmigtes Antreten zwei Tage vor dem Spiel beantragt werden muss – ansonsten müsse das Sportgericht eingeschaltet werden.

Bei einem Blick voraus, kündigte der KFW an, dass bei Temperaturen ab 34 Grad über eine Verlegung gesprochen werde. Die Saison 2018/19 soll am ersten August-Wochenende starten.

Kreisschiedsricher-Obmann Uwe Lang informierte darüber, dass beim aktuellen Neulingslehrgang 30 angehende Schiedsrichter dabei waren. Er gab allerdings zu bedenken, dass sich der Stand der Referees von 223 auf 170 dramatisch verringert hat. Auch eine Reduzierung von 15 auf 12 Pflichtspiele habe keine Besserung eingebracht.

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