Triathlon, Hochtaunus

WM-Titel als Krönung einer perfekten Saison

  • Thorsten Remsperger
    VonThorsten Remsperger
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Sie holte Gold beim Triathlon-Sprint an der Algarve. Wie Jule Behrens vom Königsteiner LV ihren bis dato größten Triumph als Ausdauersportlerin erlebte.

Jule Behrens nach den deutschen Jugendmeisterschaften der Leichtathletik im Trikot des Königsteiner LV.

Quarteira/Königstein -Weltmeisterin? Jule Behrens lächelt verschmitzt. "Das hört sich schon noch komisch an." Zweimal hat der U20-Champion im Triathlon-Sprint seit dem Titelgewinn "drüber geschlafen". So richtig begreifen kann die 18-Jährige, die als Leichtathletin für den Königsteiner LV startet, es aber immer noch nicht. Dabei hatte sie sich schon etwas ausgerechnet für den Wettkampf in Quarteira an der portugiesischen Algarve. Wenn nicht sie, wer auch sonst?

Jule Behrens, eine kleine, fast zierlich wirkende Läuferin, die sich für das Training und den Wettkampf ihre blonden Haare zu einem Zopf flicht, hat eine Saison hinter sich, die nicht besser für sie hätte laufen können. Im Juni hatte sie in Kitzbühel die Junioren-Europameisterschaft im Einzel und mit dem Team (Mixed Relay) gewonnen, im September folgte in Jena der deutsche U20-Meistertitel. Für die verschobene WM (von den Bermudas nach Portugal) habe sie sich dann selbst "schon etwas Druck gemacht", erzählt Behrens. Ein Platz unter den Top 3 sollte es schon sein. "Die meisten Konkurrenten hatte ich ja in dieser Saison schon geschlagen."

Ihre Mutter Alexandra Rechel ist eine "Ironman"-Triathletin

Seit dem 29. Oktober hält sich die Tochter von Triathletin Alexandra Rechel, die sich schon viermal für den Ironman auf Hawaii qualifizieren konnte, in Portugal auf. In Alhandra hatte sie zunächst bei der Mixed-Staffel-EM mit ihrer Mannschaft des DSW Darmstadt - ebenfalls dabei: Henry Graf vom MTV Kronberg (siehe Extra-Text) - die Bronzemedaille geholt. Dann ging's rüber nach Quarteira, um sich auf die WM vorzubereiten.

Medaillengewinnerinnen mit Maske: die Schwedin Tilda Mansson, Jule Behrens vom Königsteiner LV und die Spanierin Maria Casals Mojica (von links) bei der Siegerehrung in Quarteira.

Frühmorgens zeigte das Thermometer für ihren Wettkampf zwar schon 13 Grad Celsius an. Jedoch ging's ja erst ins Meer. Auch im Neoprenanzug empfand Behrens dies noch als "sehr kalt und windig". Nach 750 Metern Schwimmen hatte sie 40 Sekunden Rückstand auf die Spitze. "Das habe ich mir besser erhofft." Nach einem schnellen ersten Wechsel sei sie mit dem Rad dann "hart angefahren" - und beendete die drei Runden (insgesamt 20 Kilometer) in einer 30-köpfigen Spitzengruppe.

"Da hat schon alles ordentlich wehgetan"

Nach einem Kilometer zu Fuß befand sie sich dann gemeinsam mit Maria Casals Mojica an der Spitze des Feldes, "da hat schon alles ordentlich wehgetan". Als Tilda Mansson näher zu kommen drohte, forcierte Behrens bei Kilometer zwei nochmals das Tempo, um die restlichen drei Kilometer sicher von vorneweg zu laufen. "Ich konnte den Zieleinlauf richtig genießen", erzählt Jule Behrens lächelnd. Sie nahm den blauen Banner des Veranstalters auf der Ziellinie in die Hände und lief erschöpft, aber lächelnd ins Triathlon-Glück. Am Ende lag sie nach 1:01:01 Stunden sieben Sekunden vor der Schwedin Mansson und 16 Sekunden vor der Spanierin Casals Mojica. Es war der gleiche Zieleinlauf wie bei der EM vor fünf Monaten.

Was danach passierte, lief für Jule Behrens ein bisschen ab wie im Film. Viele Glückwünsche nahm sie persönlich entgegen, auch von ihrer Mutter, die sie nach Portugal begleitet hatte. Auf ihrem Handy "explodierte" ihr WhatsApp-Account, "ich komme gar nicht hinterher, alle Nachrichten zu beantworten". Die Müdigkeit stellte sich auch bald ein. Aber nach einer kurzen Erholungsphase reichte natürlich die Kraft, um mit mehreren Triathletinnen der internationalen Konkurrenz gemeinsam eine Strandparty zu feiern. Auch das hätte nicht viel schöner für Jule Behrens sein können.

Im Perspektivkader für Paris 2024

Noch bis zum morgigen Mittwoch hält sich die frisch gekürte Weltmeisterin mit ihrer Mutter an der Algarve auf, um das Erlebte zu verarbeiten. Danach geht's zurück nach Potsdam. Dort lebt die Darmstädterin inzwischen, um am Olympia-Stützpunkt zu trainieren und ein Freiwilliges Soziales Jahr zu absolvieren. Bei der Landespolizei möchte sich die Titelträgerin bewerben. Ihr Fernziel sind die Sommerspiele in Paris, dem Perspektivkader gehört sie gemeinsam mit Olympionikin Laura Lindemann schon an.

Erst einmal wird aber für die nächste Saison trainiert. Es wird ein Jahr der Titelverteidigungen werden. Jule Behrens gehört in der Altersklasse U20 dem jüngeren Jahrgang an und kann bei der EM und WM der Juniorinnen nochmals starten. Und wer weiß, vielleicht geht's sogar mit nach Hawaii. Aber als Zuschauerin. Im Oktober 2022 soll dort endlich wieder eine Ironman-WM sein. Und ihre Mutter Alexandra möchte sich nicht nur ein weiteres Mal qualifizieren, sondern auch gerne erstmals teilnehmen.

Rubriklistenbild: © BEAUTIFUL SPORTS/KJPeters via ww

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