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Die Meistermannschaft des SV Thalheim. Hintere Reihe (von links): Kassim Hackel, Marius Schiffer, Louis Eichmann, Lars Andres, Jonas Hannappel, Marcel Hannappel, Jan Schierloh, Jonas Eichmann, Nicolai Schuy, Marcel Löbach, Tizian Böcher, Spielausschuss Detlev Schmidt und Steffen Daum. Mittlere Reihe (von links): Thomas Poppe, Torben Zey, Dennis Melbaum, Robin Eisinger, Max Woitzik, Timon Konstantinidis, Präsident Jörg Wagenbach und Trainer Frank Guckelsberger. Vordere Reihe (von links): Dennis Habel und Cafer Ceri. 

Meister im NNP-Land

Die wundersame Entwicklung des SV Thalheim

In unserer Serie „Meister im NNP-Land“ beschäftigen wir uns heute mit dem SV Thalheim. Der Titelträger der Fußball-Kreisliga A Limburg-Weilburg hat in den vergangenen Jahren einen kometenhaften Aufstieg erlebt. Der Sprung in die Kreisoberliga dürfte zweifelsfrei die Krönung für die Dornburger sein.

VON PATRICK JAHN

Vor gar nicht allzu langer Zeit herrschte in Thalheim die blanke Fußball-Tristesse. Nachdem die Rot-Weißen nach der Saison 2006/2007 in die Kreisliga C abgestiegen waren, hatte die Thalheimer auf der Fußball-Landkarte so gar niemand mehr im Blickfeld. Neun Jahre lang dauerte das Dasein in der untersten Spielklasse des Kreises Limburg-Weilburg, doch dann ging es plötzlich rapide bergauf. 

Nach dem Aufstieg in die Kreisliga B in der Saison 2015/2016 setzte der SVT zum Durchmarsch an. Nach nur einem Jahr B-Klasse stand auch dort die Meisterschaft. Die Folge: A-Klasse. Wer nun dachte, die Thalheimer seien am Ziel ihrer Träume, hatte sich getäuscht. Respektabel war die letzte Spielzeit verlaufen, obwohl auch dort schon mehr als Platz fünf drin gewesen wäre. Hungrig sind sie geworden in Thalheim.

Der Fußball spielt wieder die erste Geige, und das Team hatte sich vor der abgelaufenen Saison noch einmal verstärkt. Und das, obwohl mit Aytekin Uyanik der treffsicherste Akteur abgewandert war. Trainer Frank Guckelsberger hatte nie ein Geheimnis daraus gemacht, in die Kreisoberliga aufsteigen zu wollen. Klar war ihm aber auch, dass seine Jungs noch viel lernen müssen und dieser Prozess nun einmal Zeit in Anspruch nimmt. Zwei Spieltage waren absolviert, da waren die Thalheimer mit sechs Punkten und 8:1 Toren auch gleich einmal Tabellenführer. 

Dass die Mannschaft in der A-Liga aber nichts geschenkt bekommen würde, zeigte sich auch. Gegen WGB Weilburg setzte es eine nicht zu erwartende 0:1-Heimniederlage, und beim abstiegsgefährdeten FC Dorndorf 2 gab es mächtig Haue – 2:5 hieß es ausgerechnet im Derby. Der SVT fing sich daraufhin, sammelte in den folgenden fünf Partien 13 von 15 möglichen Zählern. Dann kamen die „Spitzenspiel-Wochen“, die am Saisonende noch eine gewichtige Rolle spielen sollten. Gegen den TuS Waldernbach verlor die Truppe von Frank Guckelsberger zwar mit 3:4, dafür siegte sie eine Woche danach überraschend mit 1:0 beim Spitzenreiter FC Steinbach. Ein Sieg, der sich in der Endabrechnung als eminent wichtig erwies. 

Bis zur Winterpause war die Konkurrenz des SVT etwas stabiler. Trotzdem sorgten 22 Punkte aus den letzten zehn Spielen immerhin dafür, dass das Team angesichts von sieben Zählern Rückstand auf das Führungsduo noch in Schlagdistanz war. Um diese sieben Punkte noch aufzuholen, war klar, dass in 2019 nahezu alles stimmen musste. Zum einen standen die eigenen „Hausaufgaben“ an oberster Stelle, zum anderen musste auf die Patzer der Konkurrenz gehofft werden. Und weil die Thalheimer einfach willig waren, wurden sie belohnt. Fünf Siege zum Auftakt waren eine mehr als gute Grundlage, um noch einmal einen Angriff Richtung Tabellenspitze zu starten. Dann standen die Spitzenspiele vor der Tür: Mit dem 1:1 beim TuS Waldernbach konnte die Guckelsberger-Elf leben, doch der 3:2-Last-Minute-Sieg nach 1:2-Rückstand gegen den scheinbar enteilten Primus aus Steinbach setzte noch einmal Kräfte frei. Anders die Steinbacher, die zwischenzeitlich sieben Punkte Vorsprung hatten. Bei der Mannschaft um Spielertrainer Kilic Görgülü ging die Angst um, den sicher geglaubten Titel noch zu verspielen. Weil Steinbach die Woche darauf nur Remis spielte, wurde es ganz eng an der Tabellenspitze (70 Punkte, 68 Punkte, 67 Punkte). Jetzt ging es an die Nerven, denn die letzten drei Spieltage hatten es in sich. Steinbach spielte nur 1:1 beim FC Dorndorf 2, also die große Chance für die Thalheimer, auf Platz eins zu springen. 

Doch was passiert? Völlig überraschend geht der SVT auf eigenem Platz gegen die FSG Wirbelau/Schupbach/Heckholzhausen baden (2:3) und rutschte sogar auf den bedeutungslosen dritten Tabellenplatz ab. Der Traum der Dornburger drohte zu platzen. Doch das Blatt wendete sich tatsächlich noch einmal. Durch Steinbachs Niederlage gegen Dauborn/Neesbach (2:4) und die gleichzeitigen Siege von Thalheim (4:0 beim TuS Linter) und Waldernbach (3:2 gegen die SG Taunus) waren die Jungs von Frank Guckelsberger wieder Zweiter – das Mindestziel also. Doch es kam noch besser: Am letzten Spieltag erreichte Waldernbach nur ein Unentschieden, während Thalheim und Steinbach siegten. Alle drei Teams hatten also 77 Punkte. Die sogenannte Dreier-Tabelle aus allen Duellen der Spitzenteams griff nun – und somit war der SV Thalheim Meister. Eine unglaubliche Geschichte! 

Trainer Frank Guckelsberger kennt die Gründe für den Erfolg: „Der Schlüssel zur Meisterschaft war sicherlich eine überragende Rückrunde. Die Mannschaft hat sich gegenüber der Vorrunde an den richtigen Stellen taktisch und spielerisch verbessert. Wir haben uns den Titel verdient.“ Auch im Ausblick auf die neue Spielzeit zeigt sich der Trainer mutig: „Vorausgesetzt wir bleiben so zusammen, muss sich mein Team auch in der starken Kreisoberliga nicht verstecken. Dennoch ist natürlich der Klassenerhalt das große Ziel. Trainer und Vorstand sind mega stolz auf die Jungs. Wir freuen uns auf die neue Umgebung.“ 

Mit 121 Treffern war der SV Thalheim vor allem in der Offensive das Maß aller Dinge. Mit Dennis Melbaum, Dennis Habel und Torben Zey markierten gleich drei Akteure über 20 Treffer. An der Defensive muss Frank Guckelsberger allerdings noch arbeiten. 60 Gegentreffer sind für einen Meister schlichtweg zu viel. 

Am Thalheimer Märchen wird aber auch diese Tatsache nichts ändern. Drei Aufstiege binnen vier Jahren – ein absoluter Hammer! Und in Thalheim sind sie noch lange nicht satt. Die Nassauische Neue Presse gratuliert zur Meisterschaft in der Kreisliga A und wünscht in der Kreisoberliga viel Erfolg!

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