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Am Boden wollen diese beiden zum Ende der Saison nicht liegen: Nick Erwe (links) vom RSV Würges und Robin Butzbach (rechts) von der SG Kirberg/Ohren/Nauheim kämpfen um den Klassenerhalt. Im Hintergrund der Würgeser Ali-Reza Kazerooni.

Fußball-Gruppenliga Wiesbaden

Zwei Entspannte, drei Angespannte

Winterpause im NNP-Fußball-Land. Das ist die Gelegenheit, die Spielklassen von der Hessenliga abwärts bis zu den Kreisligen C Limburg-Weilburg etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Heute blicken wir hinter die Kulissen der Gruppenliga Wiesbad en.

VON PATRICK JAHN

Stark vertreten ist der Fußballkreis Limburg-Weilburg in der Fußball-Gruppenliga Wiesbaden mit dem RSV Weyer, dem SV Rot-Weiß Hadamar 2, dem RSV Würges, dem SV Elz und der SG Kirberg/Ohren/Nauheim. Vor allem in den heimischen Kreisligen drücken etliche Vereine den Gruppenliga-Vertretern aus dem NNP-Land die Daumen. Je mehr Mannschaften in die Kreisoberliga Limburg-Weilburg absteigen, desto größer wird die entsprechende Zahl dort und in der A-Liga. All das sind Dinge, die in erster Linie den Vereinen aus der Gruppenliga herzlich egal sein können, denn zunächst einmal steht das eigene Fortkommen im Vordergrund. Zwei Teams, die sich in Sachen Klassenerhalt wohl keine Sorgen machen müssen, sind der RSV Weyer und der SV Rot-Weiß Hadamar 2.

Vor allem der RSV Weyer, der einige Wochen sogar die Tabellenspitze geziert hatte, ist die Positiv-Überraschung der bisherigen Runde. Unvergessen dürfte vor allem der Saisonstart bleiben. Die Mannschaft von Trainer Frank Wissenbach kam raketenartig aus den Startlöchern: Nach neun Siegen, einem Remis und nur einer Niederlage war die Hälfte der Hinrunde schon vorüber, die Grün-Weißen aber das Maß aller Dinge. Kaum einer hätte mit einem derartigen Lauf rechnen können. Es waren Wochen, in denen schlichtweg alles passte. Plötzlich aber stockte der RSV-Motor, und es lief nicht mehr viel zusammen. Aus den anderen neun Partien folgten nur noch zwei mickrige „Dreier“, siebenmal setzte es Pleiten, darunter auch ein fürchterliches 3:8 auf eigenem Platz gegen den aktuellen Spitzenreiter FC Bierstadt. Trotz allem rangiert der

RSV Weyer insgesamt auf dem tollen vierten Tabellenplatz. Die Voraussetzungen für die Restsaison sehen also mehr als gut aus. Ebenfalls erfreulich: Torjäger Michael Schmitz führt mit 25 Treffern sogar die Torschützenliste der Gruppenliga an. Nicht minder lobenswert ist zudem Tabellenplatz eins in der Fair-Play-Tabelle. Auch das darf gerne so bleiben.

Von einem guten Saisonstart beim SV Rot-Weiß Hadamar 2 zu sprechen, wäre schlichtweg falsch. Die Hessenliga-Reserve kassierte nach einem 1:1 zum Auftakt gegen den SV Elz ein bedenkliches 1:8 auf eigenem Platz gegen Aufsteiger SC Meso-Nassau Wiesbaden. Nachdem die zu diesem Zeitpunkt noch von Spielertrainer Sascha Merfels betreuten Hadamarer einen 1:0-Überraschungssieg beim VfB Unterliederbach gefeiert hatten, ging es fortan so richtig bergab. Aus den dann folgenden neun Spielen gelang den Fürstenstädtern nur noch ein Sieg, die Tabellensituation war entsprechend dem 15. Rang extrem angespannt. Sascha Merfels warf daraufhin das Handtuch, und Heiko Weidenfeller wurde kurz darauf als neuer Coach installiert. Plötzlich fand Hadamar 2 in die Spur, allerdings darf hierbei auch nicht außer Acht gelassen werden, dass die Unterstützung aus dem Hessenliga-Kader wieder deutlich zugenommen hatte. Die Mannschaft hatte personell jetzt mehr Qualität und konnte sich ziemlich zügig befreien. Bis zur Winterpause sammelten Weidenfeller & Co. aus acht Spielen satte sechs Siege. Mit nun 28 Zählern sollte es den Rot-Weißen gelingen, ziemlich zeitig die 40-Punkte-Marke zu durchbrechen. Aber Hand aufs Herz: Alles andere käme schon einer derben Enttäuschung gleich. Als Unterbau der Hessenliga sollte der Verein in der Lage sein, eine mehr als ordentliche Rolle in der Gruppenliga zu spielen. Bester Torschütze der Hadamarer Zweitvertretung ist Yuki Noguchi mit zehn Treffern.

In den Kampf um den Klassenerhalt sind gleich drei Mannschaften aus dem NNP-Land verwickelt. Angesichts der Tatsache, dass es aller Voraussicht nach fünf Absteiger geben wird, und der Tabellenelfte, FC Eddersheim 2, mit 27 Zählern schon sieben Punkte mehr als der RSV Würges aufweist (12.), droht am Ende der Spielzeit vielleicht sogar der „worst case“. Der RSV Würges war mit acht Punkten aus fünf Partien eigentlich absolut ordentlich in die Saison gestartet. Daniel Hassler und Michael Morawiec-Zingel, die als Trainer-Novizen das Erbe von Friedel Müller angetreten hatten, durften zufrieden sein. Spätestens im Frühherbst durchlebten die Würgeser aber eine Phase, die sie in die Bredouille bringen sollte. Neben nur einem einzigen Punkt bei sieben Pleiten sorgte der eine oder andere Platzverweis, bedingt durch Undiszipliniertheiten, für Unruhe. Nachdem beim TuS Hornau (1:1) und gegen den SV Elz (2:2) dann zumindest wieder Punkteteilungen folgten, platzte beim 3:0 im Heimspiel gegen den SV Niedernhausen allem Anschein nach der Knoten. Zwar setzte es beim FC Eddersheim 2 noch ein 2:3, doch zum Jahresabschluss beförderte ein 2:0 im Derby gegen den SV Rot-Weiß Hadamar 2 die „Roten“ hauchdünn über den „Strich“. Mit nun 20 Punkten scheint der Klassenerhalt möglich, doch ein guter Start in die Restsaison wird unumgänglich sein. Jermaine Pedraza ist mit acht Treffern aktuell bester Schütze der Würgeser. Seine Tore wird der RSV auch in 2019 benötigen.

Bei Aufsteiger SV Elz war es vor der Saison vor allem das Ziel, die Defensive im Vergleich zur Abstiegssaison 2014/2016 zu stabilisieren. Dass dieses Unterfangen gelungen ist, zeigt ein Blick auf die Statistik. Mit 35 Gegentreffern haben die Gelb-Schwarzen beispielsweise genauso viele „Eier“ gefangen wie der Zweite, SpVgg. Eltville. Umso ärgerlicher also, dass sich die Elzer für oftmals gute Leistungen viel zu selten belohnt haben. Ein Beleg dafür: fünf Unentschieden aus den ersten acht Spielen. Bis auf eine 1:5-Klatsche gegen die SG Oberliederbach war der SVE zudem in jedem Aufeinandertreffen ebenbürtig. Sogar bei Spitzenreiter FC Bierstadt (1:1) zeigte der Liga-Neuling, wie diszipliniert er agieren kann. Extrem wichtig für die Truppe von Mehmet Dragusha - er geht im Sommer ins siebte Jahr als Spielertrainer beim SVE - war das Jahresende: Hier sammelten seine Jungs noch einmal sieben Punkte aus drei Spielen. Das Highlight : Nach 0:2-Rückstand beim SV Niedernhausen gewann Elz durch drei Treffer von Adrien Born noch mit 3:2. Der Charakter stimmt zweifelsohne, wichtig wird aber sein, noch effektiver zu werden. Für den SV Elz wird vor allem der Start in die Restrunde wegweisend sein. In den ersten drei Spielen warten Gegner aus dem unteren Tabellendrittel – hier müssen Erfolge her. Dann scheint der Klassenerhalt möglich. Dass sich das Toreschießen bei den Elzern auf mehrere Schultern verteilt, zeigt die Torjägerliste: Mit fünf Treffern ist Dennis Dietrich bester Schütze. In der Offensive muss sich das Dragusha-Team ohnehin ein bisschen steigern. Klar ist aber: Auch 1:0-Siege helfen weiter . . .

Dass die SG Kirberg/Ohren/Nauheim ein Abstiegskandidat sein würde, war zu erwarten. Nach dem Abgang von Volkan Subasi und der „Affäre“ um Jura Gros, der dann doch nicht für die Hünfeldener auflaufen sollte, waren die Voraussetzungen schon einmal denkbar schlecht. Und doch scheint die Mannschaft um Spielertrainer Daniel Dylong nicht chancenlos. Klar, die Fakten sehen nicht allzu gut aus. Kirberg/Ohren/Nauheim ist Schlusslicht der Gruppenliga, hat aber immerhin schon 15 Punkte gesammelt. Zur Erinnerung: In der gesamten Saison 2016/2017 waren es insgesamt 23 Zähler. Den Auftakt in die Saison hatte der Tabellenletzte gehörig in den Sand gesetzt. Zwar reichte es zu zwei Punkteteilungen direkt am Anfang, doch dann folgten zum Teil empfindliche neun Niederlagen in Folge. Erst mit dem „Derbysieg“ beim SV Rot-Weiß Hadamar 2 (3:1) spürte das Team, dass es in der Liga mithalten kann. Plötzlich folgte ein 3:2-Auswärtssieg beim TuS Hornau und zwei Wochen später gar ein erneuter 3:2-Erfolg beim RSV Weyer. Gegen Ende des Jahres wurden es zwar nur noch drei Punkte aus vier Partien, doch die Spielgemeinschaft hat ohne Wenn und Aber gemerkt, dass sie wettbewerbsfähig ist. Um aber wirklich eine ernsthafte Chance zu haben, die Liga zu halten, wird eine außerordentlich gute Restsaison 2019 vonnöten sein.

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