+
Eine sportliche Familie: (v. li.) Vater Frank Itter, die Söhne Ben Jordi (5), Gian-Luca und Davide sowie Mutter Melanie (von links).

Itter-Zwillinge

Zwei hungrige Wölfe aus dem Taunus

  • schließen

Lars und Sven, die Bender-Zwillinge, bekommen möglicherweise schon in wenigen Jahren Konkurrenz in der Bundesliga – durch die Itter-Twins aus dem Usinger Land.

Gänsehaut ist auf dem Rasen in der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena spätestens beim Abspielen der Nationalhymnen garantiert. 30 000 Zuschauer – zumeist Jungen und Mädchen aus Schulen Baden-Württembergs – werden heute um 11 Uhr erwartet, wenn sich die U-16-Junioren Deutschlands und Frankreichs in einem Fußball-Freundschaftsspiel messen.

Zwei deutsche Spieler kommen aus dem beschaulichen Grävenwiesbacher Ortsteil Mönstadt und tragen sonst das Trikot des VfL Wolfsburg: die Zwillinge Gian-Luca und Davide Itter, Söhne von Frank Itter, der von 1996 bis 2000 für die Usinger TSG (unter anderem in der Landesliga Süd) um Punkte gespielt hat.

Beim Weg der Itter-Zwillinge, die zu den größten Talenten des Deutschen Fußball-Bundes gezählt werden können, vom Geburtsort Gießen bis ins Nachwuchs-Internat Wolfsburg spielte der Deutschen liebster Sport stets eine große Rolle.

Die Karriere der beiden begann im Alter von fünfeinhalb Jahren beim FC Cleeberg. Bei jenem Verein, bei dem Papa Frank nach seiner Usinger Zeit als Spielertrainer bis zum Ende seiner Laufbahn kickte.

Von den Bambini bis zur D-Jugend waren die Itter-Buben unter den Übungsleitern Wolfgang Schmidt und Dirk John für den FCC im Einsatz und machten spätestens dann nachhaltig auf sich aufmerksam, als sie als E-Jugendliche mit elf Jahren nach der Kreis- und Regional-Meisterschaft auch den Hessentitel gewonnen hatten.

Der Wechsel in die Nachwuchsabteilung der Frankfurter Eintracht war der nächste Schritt auf der Karriereleiter. Weiter ging’s mit dem Gewinn der süddeutschen Meisterschaft in der C-Jugend und dem DFB-Länderpokalsieg mit der U-15-Hessenauswahl. Bis zum Beginn dieses Jahres besuchten die Itter-Zwillinge das Sport-Gymnasium Carl-von-Weinberg-Schule in Frankfurt, zu dem sie von der Usinger Christian-Wirth-Schule gewechselt waren. Im Februar erfolgte mit dem Wechsel von der Frankfurter Eintracht zum VfL Wolfsburg der nächste große Schritt in Richtung Profi-Fußball. Nach Abwägung aller Vor- und Nachteile, Erfahrungsaustausch mit einer renommierten Agentur und der familiären Rückendeckung durch die Eltern Frank (Geschäftsbereichsleiter eines in Oberursel ansässigen Versicherungs-Unternehmens) und Melanie haben sich die am 5. Januar 1999 geborenen Zwillinge entschlossen, bis zum Ende der A-Juniorenzeit für die „Wölfe“ zu kicken. Damit herrscht für beide bis 2018 Planungssicherheit.

„Die Entscheidung, nach Wolfsburg zu wechseln, war genau die richtige“, blicken beide auf das ereignisreiche erste Vierteljahr in der VW-Stadt zurück. Zusammen mit 24 weiteren besonders talentierten Fußballern (U 15 bis U 19) sind sie im Internat des VfL (in Einzelzimmern) untergebracht, fühlen sich bei Internats-Chef Fabian Wohlgemuth und den vier dort arbeitenden Pädagogen bestens betreut und haben gerade mal 500 Meter Fußweg bis zur Schule.

Mit Yari Otto und David Nieland kannten Gian-Luca und Davide bereits zwei VfL-Kollegen aus dem deutschen Nationalteam und gewannen mit ihnen zusammen vor kurzem mit der Niedersachsen-Auswahl erneut den DFB-Länderpokal.

„Das Abitur wollen wir auf jeden Fall machen“, setzen die zwei Jungs aus dem Taunus neben dem Wunsch, Fußballprofi zu werden, noch auf ein zweites Standbein. Derzeit besuchen sie die Jahrgangsstufe 10 und haben bei G 8 das Abi bereits im Fokus. Da passt es gut, dass die Fahrt von ihrem Wohnort und dem Frankfurter Hauptbahnhof nach Wolfsburg dreieinhalb Stunden beträgt und man in dieser Zeit intensiv lernen kann. „Den einen oder anderem Film ziehen wir uns auf dem iPad aber auch rein“, verraten die beiden.

Viel schneller als jene dreieinhalb Stunden schaffen es auch die Eltern mit dem Auto nicht, die so gut wie jedes Heimspiel der VfL-Jugend besuchen, die in der B-Jugend-Bundesliga (U 17, Gruppe Nord/Nordost) vor dem letzten Saisonspiel am 31. Mai gegen Energie Cottbus hinter RB Leipzig (61 Punkte), Hannover 96 (56) und dem HSV (49) mit 48 Punkten auf Platz vier stehen und zuletzt in Hannover mit 3:1 gesiegt hatten.

„Ob wir in der Startformation stehen, entscheidet Bundestrainer Meikel Schönweitz; er hat 19 Spieler nominiert“, geben sich die Itters bescheiden. Bis dato haben beide sieben Länderspiele bestritten. Das Match gegen Frankreich bildet für die U 16 den Abschluss der Saison 2014/15, in der es bei zwölf Begegnungen zehn Siege sowie den Turniersieg beim UEFA-Development-Wettbewerb im Februar gab. Zugleich ist der heutige Test auch der Startschuss für die Vorbereitung auf die U-16-Europameisterschaft, die vom 11. bis 24. Juli 2016 in Baden-Württemberg ausgetragen wird und bei der die Itter-Zwillinge gern im Aufgebot stehen würden.

So ähnlich die beiden äußerlich auch sind (bis hin zum Seitenscheitel, dem Berufswunsch Fußball-Profi sowie der Vorliebe für Pizza und den FC Barcelona), so unterscheiden sie sich doch, was die Vorbilder auf dem grünen Rasen betrifft: Gian-Luca, der als Linksfuß zumeist in der Viererkette links spielt und auch auf der linken Bahn offensiv zum Einsatz kommt, schwärmt für Zlatan Ibrahimovic und Toni Kroos – Rechtsfuß Davide, der meistens im defensiven Mittelfeld aufläuft, hält es da eher mit Lionel Messi und David Alaba.

Im Fokus stehen aber auch Davide und Gian-Luca bereits: VfL Wolfsburgs Manager Klaus Allofs besucht regelmäßig die Heimspiele der B-Junioren, und auch VfL-Profi Maxi Arnold schaut ab und an im Internat vorbei. „Nächstes Jahr deutscher Meister und Berufung in den DFB-Kader für die Europameisterschaft“, so lauten die Ziele der Itter-Twins. Gian-Luca hat übrigens das erste Länderspiel für Deutschland (am 7. November 2013 beim 3:1 gegen Südkorea in Viersen) fast zehn Monate vor seinem Bruder bestritten. Der hatte am 14. September 2014 in Rehden beim 4:1 gegen Belgien debütiert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare