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Sport im NNP-Land

Zweiter Sport-Lockdown: Schlag ins Gesicht

  • Marion Morello
    vonMarion Morello
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Es war zwar zu befürchten, aber bis zuletzt haben die Sportler, Trainer, Betreuer und viele Vereinsfunktionäre gehofft, dass dieser Kelch an ihnen vorübergehen würde: Der Amateursport in Deutschland wird ab dem 2. November und voraussichtlich bis Ende November auf Eis gelegt.

Der zweite komplette Sport-Lockdown in diesem Jahr. Und das, obwohl inzwischen ersichtlich ist, dass der Sport nicht der Treiber der Infektionen ist. Ein Schlag ins Gesicht all derer, die die Hygiene-Konzepte nicht nur umgesetzt, sondern auch strikt befolgt haben. Wir haben die Stimmung im NNP-Land eingefangen.

Thomas Weikert (ITTF-Präsident und aktiver Tischtennisspieler im Verbandsliga-Team des TTC Elz): „Der Sport ist ein wichtiger Faktor für das Zusammenleben und für die Wirtschaft. Nach meiner Erfahrung haben die umfangreichen Schutzmaßnahmen und Hygienekonzepte des DTTB (aber auch anderer Spitzenverbände) und der Landesverbände dazu geführt, dass die Ansteckungsgefahr auf ein Minimum reduziert worden sind, zumal sich sowohl Athleten als auch Zuschauer als sehr diszipliniert gezeigt haben. Eine erneute Schließung ist weder notwendig noch erforderlich (sowohl im tatsächlichen als auch juristischen Sinne). Es hat sich nach meinem Kenntnisstand erwiesen, dass die größte Ansteckungsgefahr anlässlich privater Aktivitäten besteht, dort muss die Politik ansetzen und nicht die Masse der sporttreibenden Vereine und ihre Mitglieder erneut zur Untätigkeit zwingen.“

Mark Zingel (stellvertretender Jugendfußball-Abteilungsleiter im SV Rot-Weiß Hadamar): „Es hat sich gezeigt, dass auf dem Fußballplatz die Ansteckung eher unwahrscheinlich ist, daher finde ich es nicht gut, was da kommt. Uns wurde ein umfangreiches Hygiene-Konzept auferlegt, das wir erfüllt haben. Schon beim Lockdown im Frühjahr haben wir sehr viele Nachwuchsfußballer verloren, weil sie gemerkt haben, dass es mit der Playstation auf der Couch auch ganz schön ist. Es ist sehr schwierig, die Kinder bei Laune zu halten. Wir müssen ein Konzept entwickeln, um die Kinder bei der Stange zu halten, zumal ihnen ohnehin die sozialen Kontakte genommen wurden.“

Dieter Voltz (Klassenleiter der Fußball-A- und -B-Junioren sowie Schiedsrichter): „Wir befürchten, dass viele Kinder die Lust am Fußballspielen oder am Sport verlieren und sich andere Hobbys suchen. Was die Schiedsrichter angeht, so scheint das vielen ,Jacke wie Hose’ zu sein. Die Einstellung vieler Schiedsrichter-Kameraden, vor allem der jüngeren, lässt ohnehin sehr zu wünschen übrig. Die Beteiligung an den Pflichtsitzungen, die ja seit einigen Monaten in digitaler Form stattfinden, ist zum Teil bedenklich.“

Alex Schraut (Spielertrainer des Fußball-Kreisoberliga-Tabellenführers TSG Oberbrechen): „Ein erneuter Sport-Lockdown wird dem Amateurfußball sicher einen heftigen Dämpfer geben, ihn aber nicht umbringen. Allerdings zeigt alleine der Fakt, dass interaktiver Sport unter freiem Himmel eine dreimal höhere Wirkung als Antidepressiva hat, was für ein sozialpsychisches Ventil den Menschen genommen wird (Quelle aus meinem Studium: Sport in Gesundheit und Prävention, Deutsche Sporthochschule Köln). Am Ende stehen sowohl die Solidarität, als auch die Vernunft der Menschen auf der Probe, bei der man das eigene Ego hinten anstellen sollte. Auch für meine Mannschaft hieße das, dass wir unseren unglaublichen Lauf an der Tabellenspitze der Kreisoberliga unterbrechen und die unbändige Form resetten müssten. Wie wir uns in dunkelsten Lockdown-Zeiten kontaktlos fit halten und auch da einen Vorsprung gegenüber anderen Teams erarbeiten können, wissen wir genau. Das haben wir schon einmal eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die individuelle, akribische Arbeit mit jedem Einzelnen während des ersten Lockdowns war keine Frage sehr intensiv, hat aber Früchte getragen und sich gelohnt. Es gibt immer Lösungswege, wobei gerade jetzt Geduld und Durchhaltevermögen notwendig sind.“

marion morello

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