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Banger Blick in die Zukunft: Ashkan Asadian Ghaferokhi ist mit dem TSV Vatanspor auf den letzten Tabellenplatz zurückgefallen.

Fußball, Hochtaunus

Zwölf-Punkte-Abzug: Vatanspor Bad Homburg fühlt sich ungerecht behandelt

  • Thorsten Remsperger
    vonThorsten Remsperger
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Die Gruppenliga-Mannschaft des TSV Vatanspor wurde vom Fußballverband wegen Verstöße gegen die Transferregeln bestraft. Das hinterlässt Spuren im Verein.

Bad Homburg – Je länger der zweite Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie andauern wird, desto unwahrscheinlicher wird es, dass die Amateurfußballer ihre Spielzeit komplett zu einem Ende bringen können. Längst wird in den Verbänden über eine Verkürzung der Saison diskutiert: auf eine Halbserie mit anschließender Auf- und Abstiegsrunde oder nur auf eine Halbserie. Dazu fehlten beispielsweise in der siebtklassigen Gruppenliga Frankfurt West den Mannschaften noch sieben bis neun Spiele.

Auch ein Abbruch der Fußballsaison muss jedoch befürchtet werden, wenn die Spielpause zu lange anhält. Der TSV Vatanspor Bad Homburg gehört zu den Vereinen, der dagegen überhaupt nichts hätte. Dann würde die Tabelle nämlich nicht gewertet werden. In dieser ist die 1. Mannschaft des türkisch geführten Vereins aus Kirdorf auf den letzten Platz zurückgefallen.

Grund ist der vom Verbandsgericht des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) bestätigte Abzug von zwölf Punkten, durch den das Zählerkontingent der Bad Homburger auf zwei geschrumpft ist. Der Abstieg in die Kreisoberliga dürfte angesichts eines Rückstandes von acht Punkten auf das rettende Ufer für das Team von Trainer Sinan Bulut nur sehr schwer zu vermeiden sein. Das Sportgericht des Fußballkreises Hochtaunus hatte die Strafe im September ausgesprochen, weil der Verein Fehler beim Verpflichten von Spielern begangen hat.

„Kaum in der Lage, zu bestehen“

Der TSV Vatanspor hatte seine Fehler eingestanden und vor dem Verbandsgericht auf ein milderes Urteil gehofft. Jedoch wurde nur die Geldstrafe für den frühen Verbandsligisten von 800 auf 500 Euro herabgesetzt. Präsident Mehmet Vural kündigte gegenüber der Taunus Zeitung an, die Saison zu Ende spielen zu wollen. Jedoch sei man im Vorstand der Meinung, dass der Verein viel zu hart bestraft worden sei.

„Die Tatsache, dass der Verein mit so einer Strafe kaum in der Lage sein wird, zu bestehen, interessiert hier nicht“, kritisiert Vural in einer Mitteilung. Spieler überlegten teilweise schon, den Verein zu verlassen. Auch der Absprung von Sponsoren drohe.

„Wir können uns an keinen Fall erinnern, der so eine drakonische Strafe nach sich zog“, meint Vural, der seinen Verein im Vergleich ungerecht behandelt fühlt. Dazu führt er die Vorkommnisse nach einem Hessenpokalspiel im Hochtaunus an, als der Schiedsrichter in seiner Kabine eingeschlossen und die Polizei gerufen worden war. Damals verhängte der Verband einen Vier-Punkte-Abzug gegen die Mannschaft und eine Geldbuße gegen den Verein. Zudem wurden persönliche Strafen gegen zwei Funktionäre und einen Spieler ausgesprochen.

Vier Spieler für das C-Liga-Team

Zur genauen Begründung des Zwölf-Punkte-Abzugs ist vonseiten des Kreissportgerichtes nichts zu erfahren. Er halte sich an einen Beschluss des Kreisfußballausschusses, nach einer Verhandlung keine Stellungnahme zu tätigen, sagt dessen Vorsitzender Bernd Moses (Grävenwiesbach).

Nach Vurals Angaben habe der TSV vor der Saison vier Spieler für seine neu gebildete 2. Mannschaft in der C-Klasse angemeldet, obwohl die Akteure dem abgebenden Verein (aus dem Kreis Offenbach) gar nicht Bescheid gegeben hätten. Das sei nicht in böser Absicht geschehen. „Wir haben dann innerhalb einer Woche den Wechsel der Spieler wieder rückgängig gemacht und uns beim anderen Verein entschuldigt, was von diesem auch so angenommen wurde“, erläutert er.

Offenbar hatte Vatanspor keine Vereinswechselanträge ausgefüllt, die vom jeweiligen Spieler unterschrieben sein müssen. Das gilt als Grundlage für Spielertransfers im Amateurfußball. Zudem muss ein wechselwilliger Spieler seinem neuen Verein eine Vollmacht ausstellen, damit dieser den Neuzugang beim Verband anmelden kann und der Spieler bei seinem alten Verein abgemeldet wird.

Nicht das erste Mal gepatzt

Nach Informationen dieser Zeitung hatte beim Einhalten dieser Regeln der TSV Vatanspor nicht das erste Mal gepatzt. Er galt als Wiederholungstäter, war also wegen eines Verstoßes gegen die Transferregeln in den vorherigen zwölf Monaten schon einmal verurteilt worden.

Bei der öffentlichen Verhandlung des neuerlichen Falles durch das Kreissportgericht war dann kein Vertreter des TSV Vatanspor anwesend. Das bestätigt Präsident Vural und kann dies begründen. Zwei geladene Personen seien gar nicht mehr im Verein gewesen, für eine dritte eine Krankmeldung eingereicht worden. Auch deshalb sei der Verein in Berufung gegangen. Um nicht nur eine schriftliche Stellungnahme abgeben, sondern in einer mündlichen Verhandlung die Dinge erklären zu können. „Wir haben Fehler gemacht“, sagt Vural, der seit Januar im Amt ist. Die Chance, sich richtig zu verteidigen, sei dem Verein aber verwehrt worden.

Wie diese Zeitung erfuhr, urteilt das Verbandsgericht des HFV (Vorsitz: Andreas Dietzel/Hammersbach) in der Berufung in der Regel in einem schriftlichen Verfahren. Nur wenn einzelne Sachverhalte ungeklärt sind, kommt es zu einer mündlichen Verhandlung. In diesem Fall scheint das Sportgericht aber keine Nachfragen gehabt zu haben. Das können die Vorstandsmitglieder des TSV Vatanspor nicht verstehen. Diese Vorgehensweise könne nicht im Sinne eines Vereins sein, meint Mehmet Vural. „Wir sind schließlich immer noch im Ehrenamt im Vereinswesen unterwegs, sprich keine Profis.“

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