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Erik Lesser (l) und Franziska Preuss freuen sich im Ziel über WM-Silber. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Single-Mixed-Staffel

Preuß und Lesser holen Silber bei Biathlon-WM

Beinahe hätten die deutschen Biathleten das erste Gold bei den Weltmeisterschaften in Antholz gewonnen. Doch auch über Silber in der neuen Single-Mixed-Staffel freuten sich Franziska Preuß und Erik Lesser überschwänglich.

Antholz (dpa) - Vor der Siegerehrung schickte Erik Lesser schnell noch eine SMS an seine Freundin Nadine, dann führte er auf dem Podest ein Freudentänzchen auf. Wenig später umarte Bundestrainer Mark Kirchner ihn und Franziska Preuß lange und innig.

Mit Silber in der Single-Mixed-Staffel belohnten sich die beiden deutschen Biathleten für ihre schwierige Saison. "Das ist ein extrem geiles Gefühl, eine Genugtuung. Es fühlt sich mega an", sagte Lesser, der ohne erfüllte WM-Norm nur als Ersatzmann zu den Weltmeisterschaften im italienischen Antholz gekommen war.

Vor dem Final-Wochenende ist der Thüringer der einzige mit Edelmetall dekorierte deutsche Skijäger. Auch für Preuß, deren Teamkolleginnen Vanessa Hinz und Denise Herrmann in der Südtirol-Arena bereits Silber gewonnen hatten, war ihre fünfte WM-Medaille nach wieder mal einigen Rückschlägen eine besonders wertvolle: "Voll cool, das freut mich total."

Dank einer tollen Leistung am Schießstand holte sich das Duo die ersehnte Medaille in der erst zum zweiten Mal bei einer WM ausgetragenen Single-Mixed-Staffel. "Der Druck war groß. Hut ab", meinte Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner über die feine Darbietung der deutschen Zweier-Staffel - einen Tag nach dem am Schießstand verlorenen Einzel-Rennen der Männer.

Der 31 Jahre alte Thüringer und die 25-jährige Bayerin lagen nur 17,6 Sekunden hinter den siegreichen Titelverteidigern Marte Olsbu Röiseland und Johannes Thingnes Bö aus Norwegen. Rang drei ging an Frankreich. "Ich bin unfassbar glücklich, dass ich mich nach meiner beschissenen Saison so präsentieren konnte. Und mit der Franzi hier stehen kann", sagte Lesser. Seine Staffel-Nominierung war durchaus kritisch hinterfragt worden. "Wir haben unsere beiden besten und schnellsten Schützen ins Rennen geschickt", rechtfertigte Bundestrainer Kirchner seine Aufstellung. "Erik hat abgeliefert. Die beiden haben einen Riesenrespekt verdient."

Beim letzten Schießen übernahm Preuß mit einer blitzsauberen Stehend-Serie erstmals die Führung und legte laut Lesser damit den Grundstein für den Erfolg. Beim letzten Kräftemessen am Schießstand ging Lesser, der im Gegensatz zu Bö einmal nachladen musste, auf Nummer sicher. "Es ging darum, die Silbermedaille zu retten."

Lesser, der während der Saison auch aufgrund von gesundheitlichen Problemen nicht in Form gekommen war, war für die Single-Mixed sowie als Ersatzmann für das Einzel und die Staffel nominiert worden. In der ersten WM-Woche war er beim zweitklassigen IBU-Cup. Dort hatte er den erhofften Formanstieg nachgewiesen. Mit großem Erfolg.

Dennoch rechnet er nicht damit, in der Staffel am Samstag zu starten. Aber vielleicht gibt es eine Überraschung. Denn erst am Samstagabend fliegt der Vater einer Tochter nach Minsk zur Europameisterschaft. Danach wird er allerdings die Saison beenden, um sich schon auf die neue vorzubereiten und seine Rückenprobleme endgültig in den Griff zu kriegen. Denn ein Karriereende steht nicht zur Debatte: "So will ich natürlich nicht aufhören, denn ich weiß, dass ich noch mehr kann."

Auch für Preuß, deren Freund Simon Schempp wegen Formschwäche bei der WM fehlt und auch kommende Woche bei der EM anders als Lesser nicht startet, ist ihre insgesamt fünfte WM-Medaille der Lohn für ihr großes Kämpferherz. Zuvor war sie in Südtirol immer knapp an einer Medaille gescheitert.

Einst als ähnlich talentiert gehandelt wie Laura Dahlmeier, kämpfte Preuß von Karrierebeginn mit Krankheiten und Ausfällen - und das quasi jede Saison. Auch die Vorbereitung auf diesen Winter war für die 25-Jährige oft eine Qual: wegen Lungenproblemen lag sie im Sommer zwei Wochen im Krankenhaus, wegen einer chronischer Sehnenentzündung war Joggen lange tabu und lange Zeit schmerzte ihre ganze linke Seite. Den Jahreswechsel verbrachte sie erkrankt im Bett - ihr Immunsystem hatte sie mal wieder im Stich gelassen. Nach dem letzten Weltcup in Pokljuka Ende unternahm sie nach "schockierenden" Laufzeiten eine "Doktor-Rallye". Sie hat nun vor allem einen Wunsch: "Dass ich mal gute Jahre erwische, wo mal nichts ist."

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