Basketball

Der Ex-Frankfurter Voigtmann steht zwischen WM-Qualifikation und Vaterschaft

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Der langjährige Skyliners-Center verdeutlicht, welch’ hohen Stellenwert die Nationalmannschaft bei ihm und auch anderen deutschen Basketball-Profis hat.

Es hätte wohl jeder Verständnis gehabt, wäre Johannes Voigtmann vorzeitig abgereist – oder erst gar nicht angereist. Seine Frau Amrei ist hochschwanger. Ende des Monats soll das erste gemeinsame Kind auf die Welt kommen, ein Sohn. Amrei sitzt zu Hause in der spanischen Wahlheimat Vitoria und wartet auf den Tag X. Johannes Voigtmann wollte eigentlich bei ihr sein, auch am vergangenen Wochenende. Doch er wollte auch der deutschen Basketball-Nationalmannschaft dabei helfen, den entscheidenden Schritt zur Weltmeisterschaft 2019 in China zu vollziehen. Also flog der 25-Jährige zu zwei Länderspielen nach Deutschland – und löste mit dem Team vorzeitig das WM-Ticket. „Es war mir wichtig, die WM-Quali gemeinsam zu schaffen. Alleine daran sieht man, welchen Stellenwert die Nationalmannschaft hat“, betont Voigtmann. Sein Einsatz und seine Einstellung stehen symbolisch für den aktuellen Zusammenhalt der Auswahl des Deutschen Basketball Bundes (DBB). Selbst Führungsspieler Dennis Schröder sagte beeindruckt, einen solchen „Teamgeist noch nicht erlebt“ zu haben.

Für Voigtmann lohnte sich die gewagte Reise in allen Belangen. Am Sonntagabend, nach getaner Arbeit, hüpfte der Centerspieler vor Freude mit Schröder und Co. durch Leipzigs Arena, als das WM-Ticket durch einen glücklichen 112:98-Sieg nach Verlängerung gegen Israel gelöst war. Mit dabei auch sein dicker Kumpel Danilo Barthel (FC Bayern), mit dem er einst von 2012 bis 2016 für die Frankfurt Skyliners in der Bundesliga spielte und der im Team von Bundestrainer Henrik Rödl ebenfalls längst zu den Stützen zählt. Obendrein erhielt Voigtmann zwischendurch nicht den befürchteten Notruf von Amrei. Und so machte er sich nach dem Spiel voller neuer Erwartungen auf den Heimflug nach Spanien.

Dort steht nicht nur die Geburt seines ersten Kindes bevor, sondern auch eine lange Saison mit seiner Mannschaft Saski Baskonia Vitoria, einer Top-Adresse im europäischen Basketball. „Wir haben hoffentlich nicht wenige Spiele“, sagt der 2,11-Meter-Hüne mit dem Wunsch, in allen Wettbewerben möglichst weit zu kommen. In der spanischen ACB-Liga scheiterte Vitoria vergangene Saison erst im Play-off-Finale mit 1:3-Siegen an Euroleague-Champion Real Madrid – nachdem es im Halbfinale den FC Barcelona mit Ex-Bundestrainer Svetislav Pesic ausgeschaltet hatte. „Es dauerte lange, die knapp verpasste spanische Meisterschaft zu verarbeiten. Man will es nicht wahrhaben“, gesteht Voigtmann. „Aber im Sommer konnte ich gut durchschnaufen. Jetzt geht eine lange Saison los.“ Ein weiteres großes Ziel von Saski Baskonia: Der Einzug ins Final-Four der „Königsklasse“ Euroleague. Das Turnier findet 2019 im heimischen Vitoria statt. „Diese Aussicht hat den Hype um unser Team nochmal potenziert. Es wurden schon 10 000 Dauerkarten für die Saison verkauft“, meint Voigtmann. Noch immer muss er sich mitunter an die heißblütige südeuropäische Stimmung auf den Rängen gewöhnen. „Es herrscht eine große Vorfreude der Leute auf die Saison. Darauf muss man vorbereitet sein. Es ist nicht einfach, damit umzugehen“, sagt der Ex-Handballer.

Noch vier Quali-Spiele

Der Nationalmannschaft wird Voigtmann in den verbleibenden vier Qualifikationsspielen wohl fehlen. Notgedrungen. Die Euroleague- und NBA-Teams werden ihre Spieler während der Saison vermutlich weiter nicht freistellen. Zumindest nicht für die nächsten Partien am 30. November in Griechenland und am 3. Dezember gegen Estland. Deutschland will trotz des bereits gelösten WM-Tickets „weiter gewinnen“, so Rödl. Denn die Ergebnisse haben Einfluss auf die Setzlisten bei der WM vom 31. August bis 15. September 2019 in China. Nach bisher acht Spieltagen in der europäischen Qualifikation ist Deutschland neben Griechenland und Litauen die einzige noch ungeschlagene Nation. Nicht nur bei NBA-Star Schröder wächst die Zuversicht für die WM. „Wenn wir alle beisammen haben, brauchen wir vor keinem Sorge haben“, sagt Schröder – und schränkt ein: „Gut, die USA natürlich.“ Auch für Voigtmann ist die WM das große Ziel. Dann als Papa. Und mit freiem Kopf.

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