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In Erfolg und Freude vereint: Uefa-Präsident Ceferin (links) und sein DFB-Kollege Reinhard Grindel.

Klarer Sieg

Fußball-EM 2024: 12:4 für Deutschland

Der DFB erzählte bei seiner Präsentation die bessere Geschichte. Präsident Grindel fordert nun ein Ende der Personaldiskussionen.

Wie genau es ausgegangen ist zwischen Deutschland, dem Ausrichter der Fußball-Europameisterschaft 2024, und dem zum fünften Mal in Folge gescheiterten Mitbewerber Türkei, das wollte Aleksander Ceferin, der slowenische Präsident der Uefa, auf der Bühne und vor allen nicht verraten. Es wäre zu schmerzhaft gewesen für die türkische Delegation, die zerknirscht in ihrer Ecke saß. Das Ergebnis hat Ceferin dann dem DFB-Präsidenten Reinhard Grindel außerhalb der offiziellen Verkündungszeremonie gesteckt: 12:4 Stimmen für Deutschland (bei einer Enthaltung) aus dem Exekutivkomitee des Europäischen Fußball-Verbandes.

Ein Sieg in der Höhe, wie er zu erwarten war, als die Bewerbung vor eindreiviertel Jahren an den Start ging – doch im Verlauf des Frühjahrs und Sommers 2018 glaubte man, die Tektonik habe sich verschoben. Die Türkei war sehr bemüht, das europäische Finalturnier endlich zu bekommen, Staatspräsident Erdogan lockte die Uefa-Entscheider mit großzügigen Zusagen, Mietkosten und Steuersätze betreffend, und der DFB gab das Bild eines zerstrittenen Verbandes ab, dessen herrisches Auftreten bei der Weltmeisterschaft in Russland Sympathien gekostet haben dürfte.

12:4. Warum es dann doch so deutlich wurde? Der Evaluierungsbericht der Uefa-Verwaltung, veröffentlicht am vergangenen Freitag, war eine klare Empfehlung für Deutschland als die sichere Nummer, um eine EM auszurichten, von der DFB-Präsident Grindel sagt: „Ich bin mir bewusst, dass sie für die Uefa von großer Bedeutung ist.“ Und man hat es bei den abschließenden Präsentationen gespürt: Der DFB hatte mehr auf dem Kasten als der türkische Verband. Dessen Video geriet ziemlich bieder, es war eine korrekte, aber uninspirierte Betonung technischer Aspekte, eine Aneinanderreihung von Schlagwörtern – aber keine Geschichte.

Der DFB indes erzählte sie mit seinem Clip. Der so ging: Uwe Seeler schaut sich alte Schwarzweiß-Dias an. Da kommt Philipp Lahm, überreicht dem Ehrenspielführer-Kollegen eine Virtual-Reality-Brille und lädt ihn ein zum Blick in die Zukunft. 14. Juli 2024, EM-Finale im Berliner Olympiastadion. So schön kann es werden. Zum Schluss des Videos die klassische Szene: Ein Umschlag wird geöffnet, ein Zettel kommt zum Vorschein: „And the winner is FOOTBALL.“ Die Idee wirkte: Nicht sich selbst in den Vordergrund stellen, sondern das, worum es geht.

Oliver Bierhoff meinte, den Ausschlag hätten wohl „die Historie und die Sicherheit“ gegeben, die Deutschland bieten könne. Es hatte ein einleitendes Filmchen der Uefa gegeben, und allerlei Helden daraus saßen für den DFB in den Reihen der Delegation: Berti Vogts, Rudi Völler, Philipp Lahm natürlich, Horst Hrubesch, Karl-Heinz Rummenigge, Cacau. Dezent präsentierte der deutsche Fußball, was er hat. Auch die Anwesenheit von Bundestrainer Joachim Löw dürfte nicht geschadet haben.

In dem fensterlosen Sitzungsraum, in dem sonst die Auslosungen für Champions und Europa League stattfinden, fiel es schwer, in ausufernden Jubel auszubrechen. Man hörte ein „Yes“ aus den vier deutschen Reihen, dann standen alle auf, schüttelten sich die Hände, teils wurde auch umarmt – und Reinhard Grindel trat auf die Bühne und ließ wuchtig seine Pranke auf den Rücken von Aleksander Ceferin niedersausen.

Mehr Freude sollte nicht sein, man hatte im Vorfeld für jedes Abstimmungsergebnis einen Verhaltenskodex festgelegt. Für Grindel soll jetzt auch nur der Blick nach vorne zählen: Er spricht von einer großen Aufgabe für den Spitzen- wie den Breitensport. „Wir wollen ein Team ’24 aufbauen, das um den Titel spielen kann. Es wird Investitionen in die Infrastruktur der Bundesligastadien geben. Der DFB und die DFL werden zusammenrücken.“

Mit der Uefa-Wahl war auch Grindels nähere Zukunft verknüpft, oder? Er hielt dagegen: „Ich habe gekämpft – aber nicht für mich, sondern für den deutschen Fußball.“ Er fordert, „dass die Personaldiskussionen nun aufhören“. Er vernehme starken Rückhalt „aus den Landesverbänden und aus der Bundesliga“. Ein Fass musste der DFB-Präsident dann doch aufmachen: „Ich leiste gute Arbeit – vielleicht werden das auch einige Medien noch erkennen.“

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