Eintracht Frankfurt

Hradecky flutscht ein Punkt durch die Hände

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Geht es um seine Leistung, ist drumherum reden nicht die Sache von Lukas Hradecky. Geht es um seine sportliche Zukunft aber sehr wohl.

Geht es um seine Leistung, ist drumherum reden nicht die Sache von Lukas Hradecky. Geht es um seine sportliche Zukunft aber sehr wohl. Dem Torwart der ist in Bremen ein krasser Fehler unterlaufen, der einen Punkt gekostet hat. „Das war ein klarer Fehler, es tut mir leid für die Mannschaft“, sagte Hradecky.

Nach einer harmlosen Flanke von Zlatko Junuzovic und einer unglücklichen Kopfballabwehr von David Abraham war ihm der Ball durch die Hände geflutscht. „Da war wahrscheinlich Schnee drauf“, stellte Sportvorstand Fredi Bobic fest. Doch es war weder Schnee, der den Ball glitschig gemacht hätte, es war auch nicht die Sonne, die den Keeper geblendet hätte. Es war schlicht und einfach eine Fehlleistung und Fehleinschätzung. „Ich habe den Ball untergeschätzt“, sagte der Finne in seinem witzigen Deutsch, „irgendwie dachte ich, ich hätte ihn schon.“ Hatte er aber nicht.

Es war erst der zweite Patzer des Klassetorwarts in dieser Saison. Beim 4:2 gegen Köln war ihm etwas Ähnliches passiert, damals ohne Folgen. Vorwürfe gab es von keiner Seite. „Fehler macht jeder“, sagte Kevin-Prince Boateng, „Lukas hat uns in dieser Saison schon oft genug gerettet.“ Hradecky also war der Frankfurter „Sündenbock“ in Bremen. Sorgen für die nächsten Wochen macht sich deshalb trotzdem keiner. Der selbstbewusste Finne ist dafür bekannt, Fehler gut wegzustecken. „Er trinkt jetzt ein Bier und dann ist es gut“, schätzt Boateng die Lage ein, „wir müssen ihn nicht extra aufbauen.“

In der öffentlichen Wahrnehmung könnte es freilich etwas schwieriger werden. Denn wie die Trainerfrage ist es inzwischen nur noch nervig, dass es keine klaren Aussagen zur Zukunft des 28 Jahre alten Torwarts gibt. Mit dem Tor von Bremen hat das freilich nichts zu tun. „Das wäre zu einfach“, sagt Bobic, „er hat in der ganzen Saison einen guten Job gemacht und ist total fokussiert.“ Intern ist längst klar, dass Hradecky die Eintracht nach Auslaufen seines Vertrags in diesem Sommer ablösefrei verlassen wird. Die Chance auf ein Verbleiben des Keepers sei „sehr gering“, sagt Bobic, „die Tür ist noch nicht zu, aber sie wird irgendwann zu sein.“ Hradecky sagt: „Es ist noch nichts entschieden.“ Und meint damit aber wohl in erster Linie, dass sein neuer Arbeitgeber noch nicht feststeht. Bekannt ist das Interesse von Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen. Hradecky hat im letzten Dreivierteljahr immer wieder hoch dotierte Angebote der Eintracht für eine Vertragsverlängerung abgelehnt, also ist ziemlich sicher, dass er einen finanzkräftigen Interessenten an der Hand hat. „Wenn ich so halte, dann lohnt es sich nicht“, sagte er nach dem Bremen-Patzer mit Galgenhumor.

Die Eintracht sucht längst einen neuen Torwart. Immer wieder taucht das Gerücht auf, Hradeckys Vorgänger Kevin Trapp könnte auch sein Nachfolger werden. Diese Vorstellung hat zwar Charme, die Hürden aber sind wohl zu hoch. Denn finanziell können sich die Frankfurter den bei Paris St. Germain ins zweite Glied gerutschten Nationalspieler eigentlich nicht leisten. Ein Wechsel wäre höchstens auf Leihbasis und mit Beteiligung der Franzosen möglich. Und sollte der deutsche Trainer Thomas Tuchel tatsächlich nach Paris wechseln, würde womöglich auch Trapp wieder neu überlegen. Ein weiterer Kandidat könnte der dänische Nationalspieler Frederik Rönnow (25) von Bröndby IF sein.

( pes)

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