Eintracht-Serie

Kevin-Prince Boateng: Einer, der den Unterschied ausmacht

Es gab viele besondere Momente in der Pokalsieger-Saison der Frankfurter Eintracht, einige waren wegweisend über den Tag hinaus. Wir stellen sie in einer Serie in loser Folge vor – beginnend mit dem ersten Tor.

Es war der 15.August im vorigen Sommer, da ploppte das Gerücht auf, die Frankfurter Eintracht wolle Kevin-Prince Boateng verpflichten. Jenen Kevin-Prince, den vermeintlichen „Bad Boy“, der auf der Kanareninsel bei UD Las Palmas kickte und längst aus den Augen und dem Sinn der deutschen Fußballfans war. Viele haben das für einen Scherz gehalten. Was will die Eintracht denn mit dem? Doch Trainer Niko Kovac und Sportvorstand Fredi Bobic haben ernst gemacht – und es war die beste Entscheidung der Frankfurter Macher in den vergangenen Jahren. An diesem Tag hat der Erfolgsweg begonnen, der am 19. Mai mit dem Pokalsieg zur Krönung geführt hat.

Am ersten Spieltag in Freiburg (0:0) wurde Boateng nur ein paar Tage nach seiner Verpflichtung eingewechselt, am zweiten Spieltag gegen den VfL Wolfsburg (0:1) spielte er zum ersten Mal über 90 Minuten, unspektakulär, unauffällig. Am dritten Spieltag aber, es war der 9. September in Mönchengladbach, stand Boateng dann richtig im Mittelpunkt – und das gleich doppelt. Keine 60 Sekunden waren gespielt, da hätte die Eintracht eigentlich bereits in Führung gelegen. Sebastien Haller fälschte eine Direktabnahme von Mijat Gacinovic Richtung rechtes Toreck ab. Statt den Ball wenige Zentimeter weiter über die Linie rollen zu lassen, griff Boateng aus Abseitsposition jedoch noch ein – der Treffer zählte nicht. „Ich habe der Mannschaft ein Tor geklaut“, wusste er. „Ich habe da in Millisekunden entschieden, das war natürlich ein Fehler.“ Es sei das „einfachste Tor seiner Karriere“ gewesen, schmunzelte er später, „das wollte ich mir nicht entgehen lassen“. Boateng konnte witzeln, denn es war ein Fehler ohne Folgen, einer, den er selbst ausbügelte.

Denn nur zwölf Minuten später erzielte er das 1:0. Es war sein erstes Tor für den neuen Club, es war das erste Tor für die Eintracht in der Bundesliga-Saison, es wurde der erste Sieg. Der Fehlstart war vermieden, und Boateng formulierte eine Formel für die Erfolge, die sich im weiteren Hinrundenverlauf einstellen sollten: „Die Mannschaft hat stark gespielt, wir hatten ein bisschen mehr Glück und wir haben hinten dicht gehalten.“

Haller hatte aufgelegt, Boateng aus sechs, sieben Metern aus der Drehung eingeschossen. Und der neue Frankfurter Anführer setzte direkt noch einen Akzent: Er zog sein Trikot nach oben, zum Vorschein kam ein T-Shirt, beschriftet mit „#34“ und „Nouri“. Eine Botschaft an Abdelhak Nouri, den Profi von Ajax Amsterdam mit der Rückennummer 34, der nach einem Zusammenbruch im Test gegen Werder Bremen schwere Hirnschäden erlitten hatte. „Das ist eine Tragödie und seine Familie soll wissen, dass ich für ihn bete“, sagte Boateng, der Nouri selbst gar nicht persönlich kannte. Von wegen Bad Boy: Auch wegen dieser mitfühlenden Seite wurde er eine absolute Bereicherung für die Eintracht.

Es hat sich herausgestellt, dass Boateng genau jener Typ Mensch und Spieler ist, den die Frankfurter gebraucht haben. Er ist nicht gekommen, um noch ein bisschen in der Bundesliga zu kicken. Nein, der „Prince“, wie er gerufen werden will, hat Frankfurt als Herausforderung betrachtet. Und als Chance, in Deutschland noch einmal den Beweis anzutreten, welch guter Fußballer er ist.

Das ist ihm eindrucksvoll gelungen. Die Eintracht hat bekommen, was sie erhofft hatte. Einen Spieler, der den Unterschied ausmacht. Einen meinungsstarken Profi, und dabei übrigens ganz skandalfrei. Und Boateng hat ebenfalls bekommen, was er sich gewünscht hat. Eine Bühne für seine fußballerischen Künste. Und eine Plattform, um sein Image aufzupolieren.

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