+
Münchner Medienkritiker: Rummenigge (links) und Hoeneß.

Meinung

Kommentar zum FC Bayern: Geht's eigentlich noch?

  • schließen

Nach vier erfolglosen Spielen teilt der FC Bayern aus: Die Bosse Rummenigge, Hoeneß und Salihamidzic holen zur großen Medien-Schelte aus. Und unser Kommentator fragt: Geht's eigentlich noch?

Den wohl einzigen Satz dieser schon jetzt legendärsten Münchner Pressekonferenz seit Trapattonis Flasche-leer-Wutrede, der einem wirklich aus der Seele sprach, lieferte Karl-Heinz Rummenigge gleich in den ersten von bemerkenswerten 35 Minuten: „Geht’s eigentlich noch?“ Nur meinte der erzürnte Vorstandschef des Rekordmeisters damit etwas anderes als vermutlich fast alle, die nicht mit ihm auf dem Podium saßen oder wenigstens in FC-Bayern-Bettwäsche schlafen: Dass nämlich sein ehemaliger Mitspieler Olaf Thon den aktuellen Club-Größen Hummels und Boateng „Altherrenfußball“ attestierte, eine Majestätsbeleidigung! Tatsächlich sollte man die Frage an die hohen Herren von der Säbener Straße zurückgeben: „Geht’s eigentlich noch?“

Dies vornweg: Gewiss werden in der bisweilen überdrehten Fußballmedienwelt immer wieder Grenzen gebotener Kritik überschritten, wird in Bewertungen von Trainern und Spielern oft zu sehr zwischen Extremen geschwankt, ob von Journalisten oder als Experten angeheuerten Altstars. Da sollte sich jeder in dieser Branche immer wieder mal hinterfragen. Der beispiellose bayerische Rundumschlag aber gegen den Stil der Berichterstattung nach ein paar etwas weniger erfolgreichen Spielen, mit dem Aufmarsch der gesammelten Führungsspitze, unter Zuhilfenahme des Grundgesetzes von der unantastbaren Würde des Menschen – das war alles doch mehr als eine Nummer zu groß. „Despektierlich“, „unverschämt“, „respektlos“, gar „widerlich“ fanden die Bayern-Bosse die Worte gegenüber den Ihren und führten beispielsweise eben auf: „Altherrenfußball“. Ach Herrje. Und kurz darauf erklärte Rummenigges Nebenmann Uli Hoeneß den Abgang von Ex-Spieler Bernat damit, er habe „einen Scheißdreck gespielt“, so derb, wie man das von ihm kennt.

Diese Mischung aus Dünnhäutigkeit und Angriffslust, diese trumphafte Fake-News-Attitüde gegenüber Kritikern mit dem gleichzeitigen großzügigen Beiseitewischen des Faktischen bei eigenen Einlassungen, von zwei verurteilten Steuerhinterziehern, die mehr Anstand und Würde einfordern, aber nur von den anderen: Das passt in aller Weltfremde und Egozentrik höchstens dann irgendwie zusammen, wenn es als Ablenkungsmanöver von sportlichen Problemen geplant war. Wenn dafür dieser denkwürdige Auftritt mit unfreiwillig hohem Unterhaltungswert nötig war, muss man diese freilich in eigenen Reihen, hinter den Kulissen ärger einschätzen als alle bösen Medien. Und sich Niko Kovac doch schon mehr Sorgen machen um seinen neuen Trainer-Job. Die Last wird nicht kleiner, gut möglich, dass die Abteilung Attacke da ein Eigentor geschossen hat. Ein Platz in den Jahresrückblicken ist ihr so oder so sicher.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare