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Doping in Großbritannien

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Kommentar zu Doping: Das System sind – alle

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Wenn ein Dopingsünder auffliegt, tun alle pflichtschuldigst entsetzt. Und machen weiter wie bisher. Ein Kommentar von unserer Berlin-Korrespondentin Cornelie Barthelme.

Man muss auch mal versagen dürfen.“ Was für ein Satz! Gesagt hat ihn Mateusz Przybylko. Neun Zehntel der Republik fragen jetzt: Wer? Dabei ist der Mann im vergangenen Sommer, bei einer sehr umjubelten EM in Berlin, Europameister im Hochsprung geworden. Weshalb jetzt von ihm auch der Hallentitel in Glasgow erwartet wird. Und dann in Folge bitte Welt-Championat und Olympiasieg.

Wer also kennt Przybylko? Wer den Langläufer Lukas Bögl? Der rannte sich eben in Seefeld bei der Ski-WM, wie man so sagt, die Seele aus dem Leib – während neben der Loipe der jüngste Doping-Skandal detonierte. „So macht es keinen Spaß“, klagte Bögl.

Wie wahr. Warum will eigentlich noch irgendwer Athleten und Athletinnen siegen sehen, die Dopingsperren hinter sich haben – und von chronischem Asthma oder Lippencreme-Versehen schwadronieren wie die Seefeld-Gold-Gewinner Martin Sundby und Therese Johaug? Macht es etwa Spaß, als Fan für so dämlich gehalten zu werden, derlei Märchen zu glauben?

Und doch: Im Zweifelsfall sind Johaug und Sundby zehnmal so bekannt wie Bögl und Przybylko. Und kriegen für das, was sie tun, hundertmal mehr Anerkennung und tausendmal mehr Geld. Weshalb eigentlich?

Weil alle es so wollen. Die Funktionäre. Die Sponsoren. Die Medien. Das Publikum. Sie alle haben sich gewöhnt an das Zusammenspiel von Betrug und Profit – dessen Prinzip lautet: Läuft doch. Und wenn wer auffliegt, tun alle pflichtschuldigst entsetzt. Und machen weiter. Und immer weiter.

Bleiben die Athleten. Es scheint, sie sind nicht nur die Wichtigsten, sondern auch die Schwächsten des ganzen Systems. Deshalb ist es für die Funktionäre so leicht, an der Legende vom charakterschwachen Einzeldoper festzuhalten. Aber es sind die Funktionäre, die Trainer, die Sponsoren, die Politik, die Medien, das Publikum, die keinem erlauben, auch mal versagen zu dürfen. Und für die jede unter noch so dubiosen Umständen erzielte Medaille mehr zählt als wirklich sauberer, wirklich fairer Sport.

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