+
Wer sich wohl im nächsten Mai die Meisterschale unter den Arm klemmen darf? Aller Wahrscheinlichkeit nach die Bayern, wie immer.

Langeweile? Na und!

Das deutsche Debakel bei der Weltmeisterschaft ist noch lange nicht aufgearbeitet, da beginnt schon wieder die Bundesliga. Die Vorfreude ist groß, auch wenn im Titelkampf erneut Langeweile droht.

Sepp Herberger soll mal gesagt haben, dass die Leute zum Fußball gehen, „weil sie nicht wissen, wie es ausgeht“. Mittlerweile aber ist es so, dass die Leute zum Fußball gehen, obwohl sie wissen müssten, wie es ausgeht. Denn dass der FC Bayern München die siebte deutsche Meisterschaft nacheinander gewinnt, steht für alle Experten außer Frage – sofern sie nicht Christian Heidel heißen. Wenn der Dauerkartenvorverkauf ein Indiz für das Interesse an der 56. Saison der Fußball-Bundesliga ist, dann wird so oder so klar: Sie hat an Anziehungskraft vorerst nichts eingebüßt. Nicht durch das längst nicht aufgearbeitete Debakel der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland, nicht durch die Hegemonie der Bayern, nicht durch die taktische Einfallslosigkeit, nicht durch die mangelnde Qualität vieler Vereine – auch international.

Und doch mag nicht mal der Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL) von einer rosaroten Zukunft oder gar Gegenwart sprechen. „Wer heute glaubt, den Status quo verwalten zu können, wird mittelfristig scheitern“, sagte Christian Seifert. „Wer sich mit Durchschnitt zufriedengibt“, ergänzte er noch, „wird die Menschen nicht halten. Er wird sie verlieren.“ Seine mahnenden Sätze stammen übrigens vom Neujahrsempfang der DFL im Januar.

„Die Bundesliga, und das weiß sie auch, muss aufpassen, dass die Dominanz des FC Bayern nicht immer schädlicher für das Gesamtkonstrukt wird“, mahnt der ehemalige Nationaltorhüter Oliver Kahn. Er glaubt, dass Hoffenheim, Schalke, Dortmund, Leipzig und vielleicht auch Mönchengladbach in der Lage seien, „um die Champions-League-Plätze mitzuspielen“. Ob sie dem FC Bayern gefährlich werden könnten, „wage ich zu bezweifeln“. Schalke-Sportvorstand Heidel sieht das ein bisschen anders. „Mein Gefühl sagt mir, dass der FC Bayern in den nächsten zwei Jahren nicht noch einmal so dominant sein wird“, behauptet er.

Bereits sein Trainer aber widerspricht Heidel da. „Meister werden die Bayern, weil sie schlicht den besten Kader haben“, betont Domenico Tedesco. Bemerkenswert: Die Münchner haben erst mal nur einen neuen Spieler geholt. Leon Goretzka, von Tedescos Schalkern. Und der war ablösefrei.

Julian Nagelsmann hat immerhin betont, die TSG Hoffenheim werde alles versuchen, um Meister zu werden. Ob sie dazu in der Lage wäre, wird schon das Auftaktspiel der Bundesliga an diesem Freitagabend (20.30 Uhr/ZDF) zeigen. Grundsätzlich solle außer den Münchnern keiner glauben, Meister werden zu können, sagt Rudi Völler, Geschäftsführer Sport bei Bayer Leverkusen: „Bei allem Respekt: So naiv kann man nicht sein.“

Ein lohnendes Ziel bleiben freilich die drei Platze in der Champions League, die nicht vom FC Bayern belegt werden: Um diese wieder zu erreichen, haben die Dortmunder weit über 70 Millionen Euro für neues Personal ausgegeben, unter anderem für Axel Witsel, den belgischen WM-Dritten. 25 Millionen kostete Abdou Diallo von Mainz 05. Knapp 40 Millionen investierte Schalke 04 in seinen Kader.

Im internationalen Vergleich könnte dies zu wenig sein. Im Europapokal ist nur noch der FC Bayern eine feste Größe, die anderen deutschen Clubs sind allenfalls noch Mitläufer. Für die Münchner ist das ein Problem: „Wir müssen ein bisschen aufpassen“, sagt der Münchner Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, „die Bundesliga ist ein gutes Produkt, aber es ist entscheidend, wie wir uns international präsentieren.“ Allerdings: In der ersten Saison der Bundesliga ohne den Hamburger SV geht es an vielen Standorten zunächst darum, im Kampf gegen den Abstieg Land zu gewinnen. Rekordaufsteiger 1. FC Nürnberg hat dafür nur einen Etat von 28 Millionen Euro zur Verfügung, Mitaufsteiger Fortuna Düsseldorf mit 32 Millionen nicht viel mehr. Die finanziellen Unterschiede und damit auch die sportlichen werden immer größer.

Und doch hat unter anderem Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl erfreut festgestellt, dass „die Vorfreude der Fans auf die Bundesliga ungebrochen ist“. Ob Sepp Herberger das verstehen würde?

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare